«Wir sind nicht bei den Royals»: Patron Schindler nimmt Stellung zum Generationenwechsel

Alfred N. Schindler äussert sich zu den geplanten Anteiltransfers innerhalb der Eigentümerfamilien – und spricht Klartext in Bezug aus seine eigene Zukunft beim Ebikoner Lifthersteller.

Gregory Remez
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Ist der mit Abstand grösste Aktionär von Schindler: Ex-Konzernchef und heutiger Verwaltungsrat Alfred N. Schindler, hier bei einer Medienkonferenz in Luzern.

Ist der mit Abstand grösste Aktionär von Schindler: Ex-Konzernchef und heutiger Verwaltungsrat Alfred N. Schindler, hier bei einer Medienkonferenz in Luzern.


Manuela Jans-Koch (15. Januar 2016)

Die kurze und etwas kryptische Mitteilung vom Mittwoch zu den geplanten Anteiltransfers von der vierten zur fünften Generation hat wohl höhere Wellen geschlagen, als man sich dies bei Schindler im Vorfeld ausgemalt hatte. Denn am Freitag sah sich der Patron höchstpersönlich zu einer nachträglichen Stellungnahme veranlasst.

In einer Telefonkonferenz äusserte sich Alfred Niklaus Schindler ausführlich zu den Anteilsumschichtungen in Millionenhöhe, die sich über die kommenden zwei Jahre erstrecken sollen und die zum Ziel haben, das Unternehmen langfristig in Familienhand zu halten. Es gehe bei den angekündigten ausserbörslichen Transaktionen nicht etwa um personelle Veränderungen, sagte der langjährige Chef und heutige «Chairman Emeritus» des Ebikoner Liftherstellers, sondern lediglich um die Reduzierung beziehungsweise Erhöhung von Beteiligungen innerhalb des Aktionärsbindungsvertrages. Art und Zusammensetzung der Führung seien davon nicht tangiert.

Mehrheit sichern oder verkaufen

Im Aktionärsbindungsvertrag sind alle Anteile der Eigentümerfamilien zusammengefasst. Die darin vertretenen Mitglieder – laut Alfred N. Schindler rund 30 an der Zahl – kontrollieren gemeinsam 71 Prozent der Stimmen und 44 Prozent des Kapitals, wobei der Patron den mit Abstand grössten Aktionär bildet. Will jemand seinen Anteil reduzieren oder veräussern, haben die anderen Mitglieder ein Vorkaufsrecht. Damit soll sichergestellt werden, dass das Unternehmen nicht in fremde Hände gerät. Innerhalb dieses Gefüges gebe es denn auch keine Machtübergaben, betonte Schindler:

«Entweder sind wir fähig, die Mehrheit gemeinsam zu behalten, oder das Unternehmen wird sauber verkauft.»

Auch betreffend seiner weiteren Rolle im Konzern sprach Schindler Klartext. «Ich bin und bleibe bis auf weiteres Hauptaktionär und habe keine Absicht, mich aus dem Verwaltungsrat zu verabschieden.» Sofern es die Gesundheit erlaube und die Generalversammlung ihn wiederwähle, wolle er mindestens bis zum 150. Firmenjubiläum bleiben – das wäre im Jahr 2024.

Alfred N. Schindler (70) und sein Cousin Luc Bonnard (73) sind die letzten Vertreter der vierten Generation im Verwaltungsrat. Von der fünften Generation sind derzeit fünf Mitglieder entweder operativ tätig und/oder sitzen in einem Verwaltungsrat des Konzerns. Oberste Führung übernimmt jedoch niemand von ihnen – genauso wenig wie die restlichen Familienmitglieder.

«Das ist tatsächlich so, aber es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass Vertreter der fünften oder dereinst sechsten Generation wieder in solche Positionen hineinwachsen», sagte Schindler. Es sei aber müssig, darüber zu spekulieren, wer innerhalb der Familie künftig das Sagen haben werde, da man sich als Gemeinschaft verstehe, die ihre Entscheide nicht nach der Höhe der Anteile, sondern nach der Qualität der Argumente fälle. «Schliesslich sind wir nicht bei den Royals.»