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Direktzahlungen unerwünscht: IG setzt sich für mehr Unternehmertum auf dem Bauernhof ein

Die neue IG «Bauern Unternehmen» steht für eine moderne landwirtschaftliche Produktion und will diese auch den Konsumenten vor Augen führen. Denn so etwas wie «Heidi-Bauern» gebe es nur in Köpfen.
Interview: Raphael Bühlmann
Produzenten im Fokus: Die Organisation «Bauern Unternehmen» setzt sich für weniger Staat in der Landwirtschaft ein. (Bild: Dusan Kostic/PD)

Produzenten im Fokus: Die Organisation «Bauern Unternehmen» setzt sich für weniger Staat in der Landwirtschaft ein. (Bild: Dusan Kostic/PD)

Samuel Guggisberg, teilen Sie die Ansicht, dass es in der Schweiz fast mehr landwirtschaftliche Organisationen als Bauern gibt?

Es gibt viele.

Trotzdem haben Sie sich mit Berufskollegen zusammengetan und eine Interessengemeinschaft (IG) gegründet?

Wir wollen den unternehmerischen Bauern mehr Gehör verschaffen. Ziel ist es, eine pro­fessionelle landwirtschaftliche Produktion zu vertreten. Die entsprechenden Interessen kommen heute zu kurz.

IG setzt sich für mehr Unternehmertum auf dem Bauernhof ein

Die IG «Bauern Unternehmen» sieht sich als eine Ergänzung zum Schweizer Bauernverband. Sie wolle den unternehmerischen Bauern mehr Gehör verschaffen und der Schweizer Bevölkerung die ungeschönte Wahrheit hinter der Schweizer Landwirtschaft vermitteln.

Wieso jetzt?

Den Gedanken zur Gründung einer solchen IG tragen wir schon lange mit uns. Wir sehen, dass grosse Herausforderungen auf uns zukommen und dass betreffend Information und Aufklärung Handlungsbedarf besteht. Die Zeit war jetzt einfach reif.

Sie sprechen die verschiedenen Volksinitiativen rund um die Landwirtschaft an?

Unter anderem. Wir sehen einfach die Gefahr, dass sich der Konsument und Stimmbürger aufgrund seiner Informationsgrundlage kein abschliessendes Bild der Situation machen kann.

Informationslücken zu schliessen, ist doch eigentlich die Aufgabe des Schweizer Bauernverbandes (SBV)?

Der SBV ist eine Dachorganisation und hat die Aufgabe, alle Bauern zu vertreten. In der Realität ist der Bauernstand aber sehr divers, und deshalb sind die Positionen des Bauernverbandes vielfach Kompromisse. Unsere Mitglieder haben das Bedürfnis, dass die Interessen einer modernen, produzierenden Landwirtschaft stärker vertreten werden. Damit haben wir einen klaren Auftrag und sind parteipolitisch unabhängig. Wir sehen uns als Ergänzung zum SBV.

Sie schreiben, dass eine Lähmung der Schweizer Landwirtschaft droht und die Innovation gehemmt wird. Wo stellen Sie dies fest?

Dem Konsumenten wird auf verschiedenen Kanälen ein verklärtes Bild der landwirtschaftlichen Produktion vermittelt. Sei dies beispielsweise in der Werbung, um den Umsatz anzukurbeln, oder durch Umweltverbände, die auf ökologische Probleme hinweisen. Das vorgegaukelte Idealbild einer Heidi-Welt gibt es jedoch in der modernen Landwirtschaft nicht – manifestiert sich aber nichtsdestotrotz in den Köpfen der Menschen und führt eher zu einer rückwärtsgewandten Haltung. Wir stehen für Innovation und Unternehmertum ein und wehren uns dagegen, dass der technologische Fortschritt teilweise ignoriert wird.

Fortschritt heisst doch aber nicht immer gleich besser?

Hätte man den technologischen Fortschritt der Schweizer Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren ebenso stark in Frage gestellt wie heute, läge der Selbstversorgungsgrad des Landes wohl einiges tiefer. Es darf nicht sein, dass auf den besten Böden der Welt mit ausreichend Niederschlag und ausgezeichneten klimatischen Bedingungen nicht mehr produziert wird. Man muss sich bewusst sein, dass alle Kilokalorien, die nicht hier produziert werden, aus Regionen importiert werden, in welchen wir Produktionsbedingungen nicht mitbestimmen können.

Was muss sich konkret ändern, damit die Landwirtschaft innovationsfreudiger wird?

Der grösste Teil des Einkommens muss über den Verkauf von Produkten entschädigt werden. Dann wird auch das produziert, was am Markt gefordert wird, und Innovationen werden entsprechend in diese Richtung vorangetrieben. Denn eigentlich – und da spreche ich für die meisten Landwirte – wollen wir keine Direktzahlungen. Diese sind in unseren Augen nichts anderes als eine Verbilligung von Lebensmitteln. Zudem führen sie zu einer Immobilität des Bodens. Das heisst, die Betriebe, die sich über die Produktion finanzieren, können kein Land dazukaufen, weil auf die bestehenden Flächen hohe Beiträge gezahlt werden.

Sie sagen, dass der modernen Landwirtschaft immer mehr bürokratische Steine in den Weg gelegt werden.

Es ist uns klar, dass es ganz ohne Administration nicht geht, aber das Ausmass der Bürokratie hat definitiv die Schmerzgrenze überschritten. Wir sind Bauern und möchten uns auf unsere landwirtschaftlichen Aufgaben konzentrieren.

Auch haben Sie sich zum Ziel gesetzt, einer breiten Bevölkerung die landwirtschaftliche Produktion «sachlich näherzubringen». Werden die Leute falsch informiert?

Wir wollen der Bevölkerung die ungeschönte Wahrheit hinter der Schweizer Landwirtschaft vermitteln. Nicht mehr und nicht weniger. Es geistert viel Irrglaube in den Köpfen herum. Ein Beispiel ist, dass die Leute wirklich glauben, im biologischen Landbau werden keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt. In Wahrheit sind ein Drittel des schweizweiten Verbrauchs im biologischen Landbau zugelassene Mittel. Darüber hinaus wollen wir die Leute auch darauf sensibilisieren, dass sie die Schweizer Landwirtschaft nur zum Teil durch die Politik bestimmen. Viel entscheidender ist aber der Griff ins Regal im Handel. Und in der Schweiz gibt es Auswahl und Labels genug.

Kritik üben Sie auch am tiefen Ausbildungsniveau in der Landwirtschaft.

Wir stellen fest, dass nach der Lehre die Werkzeuge für eine Produktion zu wenig vertieft sind. Das Anforderungsniveau müsste man anheben und stärker an der Produktion ausrichten. Die Schüler kennen heute die Beiträge besser als ihr eigentliches Handwerk.

Sie haben Ihre IG mit dem Namen «Bauern Unternehmen» gegründet. Welche Reaktionen hatten Sie bisher?

Durchwegs positive. Wir haben gemerkt, dass es gerade vonseiten Landwirte ein grosses Anliegen ist, dass sich eine Organisation vor allem um die Interessen einer produzierenden Landwirtschaft kümmert. Wir merken dies auch an der stetig steigenden Anzahl Gönner. Dies zeigt, dass es uns braucht.

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