SNB
Wirtschaft kritisiert Führungsvakuum der Nationalbank

Wirtschaftsvertreter äussern zunehmend Kritik am Führungsvakuum in der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Dies berichtet die "NZZ am Sonntag" in ihrer neusten Ausgabe. Auch der Bankrat soll sich schertun.

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Das Parlament wird sich mit dem Steuerstreit und dem Rücktritt des Nationalbankpräsidenten befassen (Archiv)

Das Parlament wird sich mit dem Steuerstreit und dem Rücktritt des Nationalbankpräsidenten befassen (Archiv)

Keystone

Seit Präsident Philipp Hildebrand im Januar wegen umstrittener privater Finanzgeschäfte zurücktrat, führt SNB-Vize Thomas Jordan die Geschäfte interimistisch. Der Bankrat, der die Nationalbank beaufsichtigt, tut sich schwer damit, das Präsidium fest zu regeln und die Vakanz im dreiköpfigen Direktorium zu füllen. "Ich verstehe nicht, warum Thomas Jordan nicht schon längst zum Präsidenten ernannt worden ist", sagt der Finanzchef eines der grössten Industriekonzerne im Land zur "NZZ am Sonntag".

Noch mehr brisantes Material zu Hildebrand

Dass der Bankrat mit der Ernennung des neuen Präsidenten zuwarte, schaffe "ein unnötiges Risiko", sagt Ernst Baltensperger, Professor und intimer Kenner der Schweizer Geldpolitik. Dieses Risiko berge "das Potenzial, dass man ohne Grund an Thomas Jordan zweifelt". Die Hauptsorge ist, ob die Nationalbank ohne feste Führung den Wechselkurs zwischen Franken und Euro halten kann. Die SNB hat am 6. September eine Untergrenze von 1 Franken 20 pro Euro fixiert.

Jordans Akte ist fehlerfrei

Dies hilft der Exportindustrie und dem Tourismus, den Preisanstieg ihrer Produkte auf ausländischen Märkten abzufedern. Am Freitag ist der Bankrat über einen Bericht der Prüfungsgesellschaft KPMG informiert worden, wie die Nationalbank bestätigt. KPMG hat im Nachgang der Hildebrand-Affäre sämtliche privaten Finanztransaktionen des dreiköpfigen Direktoriums und seiner Stellvertreter von 2009 bis 2011 durchleuchtet. Der Inhalt des Berichts sei brisant, ist in der Bundesverwaltung zu hören. Trifft das zu, könnte dies neue Diskussionen um die SNB auslösen. Recherchen der "NZZ am Sonntag" ergeben, dass gegen Interims-Präsident Thomas Jordan nichts vorliegt. Seiner Wahl zum Präsidenten der SNB sollte jetzt nichts mehr im Weg stehen.