Finanzlegende
Martin Ebner macht die Fliege: Der Banker verkauft seine BZ Bank

Der schillerndste Banker der vergangenen 30 Jahre verkauft die Mehrheit seiner BZ Bank an die Graubündner Kantonalbank – unter wie gewohnt wenig transparenten Bedingungen.

Daniel Zulauf
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Bankier und Helvetic-Eigentümer Martin Ebner posiert in einem Hangar am Flughafen Zürich im März 2022.

Bankier und Helvetic-Eigentümer Martin Ebner posiert in einem Hangar am Flughafen Zürich im März 2022.

Michael Buholzer / KEYSTONE / keystone-sda.ch

Er sagt «Adieu» und bleibt trotzdem da. Martin Ebner, der schillerndste Schweizer Banker der vergangen 30 Jahre, hat der Öffentlichkeit schon viele Rätsel aufgegeben. Diese Tradition hält der 76-jährige nun auch beim Verkauf seines Lebenswerks, der BZ Bank, an die Graubündner Kantonalbank (GKB) aufrecht.

Das Staatsinstitut erwirbt 70 Prozent der Aktien an der BZ Bank – zu einem ungenannten Preis. Bei dem Verkaufsobjekt handelt sich um eine Kleinbank mit 10 Mitarbeitenden. Das Geschäftsgebäude liegt fernab vom Zürcher Finanzplatz hoch über den Gestaden des Zürichsees, in der Gemeinde Freienbach, im steuergünstigen Kanton Schwyz. Ein unterirdischer Durchgang führt direkt in die daneben liegende Privatvilla des Ehepaares Rosmarie und Martin Ebner.

Der zweite Abschied

Im November 2018 hatte sich Ebner zum letzten Mal von seiner Bank verabschiedet. «Mit 73 Jahren sei für ihn nun doch der Zeitpunkt gekommen, zumindest ein Stück weit Verantwortung abzutreten», schrieb die «NZZ» in einem exklusiven Gespräch mit dem Banker. Trotz seiner unveränderten Rolle als Mehrheitsaktionär machte Ebner damals völlig unvermittelt seinen sofortigen Rückzug «aus allen Organfunktionen» der Bank publik, wie in dem eigentümlich anmutenden Artikel zu lesen war.

Die Vermutung, dass bei dem hastigen Rückzug auch die Finanzmarktaufsicht ihre Finger im Spiel gehabt haben könnte, lag zwar auf der Hand, sie liess sich aber nicht erhärten. Zwei Jahre später wurde das Rätsel doch noch aufgelöst. In einem im Juli 2020 von der «Handelszeitung» öffentlich gemachten Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes hiess es, die BZ Bank habe «aufsichtsrechtliche Bestimmungen der Finanzmarktgesetzgeben schwer verletzt». Das Urteil folgte einem gleichlautenden Befund der Finanzmarktaufsicht.»

Verschwimmende Grenzen

Anhand konkreter Transaktionen mit Aktien des Mobiltelefonanbieters «Mobilzone» konstatierte die «Handelszeitung» unter Verweis auf eine Auskunft der Finma: Die Grenzen zwischen Ebners privater Beteiligungsgesellschaft Patinex und seiner Bank seien verschwommen, «was in der räumlichen Nähe, aber auch in der starken Stellung von Ebner und seiner (damaligen Anm. d. Red.) Doppelfunktion» als Anlagechef der BZ Bank und als Präsident von Patinex begründet sei.

Diese aufsichtsrechtlichen Themen seien inzwischen vollständig bereinigt, betont GKB-Chef Daniel Fust. Die Trennung der Funktionen nach Massgabe guter Corporate Governance sei erfolgt. Die Übernahme der BZ Bank erfolge mit Zustimmung der Finma und der Transaktion sei eine gründliche Due Dilligence vorausgegangen. «Reputationsrisiken darf sich eine Staatsbank wie unsere nicht leisten», sagte Fust.

Governance bereinigt

An der Spitze der BZ Bank steht seit Dezember mit Stefan Holzer ein langjähriger Weggefährte Ebners. Dieser werde der Bank und ihrer neuen Eigentümerin via Patinex weiterhin sein «Fachwissen im Anlagegeschäft» und die in den vergangenen Jahren erworbene «Private-Equity-Expertise» zur Verfügung stellen können, heisst es in der Medienmitteilung der GKB. Fust sieht Ebners «Unternehmer-Gen» als Gewinn für die Investition. Vor allem dürfte die persönliche Präsenz Ebners aber auch ausschlaggebend dafür sein, dass die GKB am Ende nicht mit einer leeren Hülle dasteht.

Die Bank hat sich seit längerem auf das Geschäft mit vermögenden Privatkunden verlegt. Sie verfügt über knapp zehn grosse und etwa 200 kleinere Kunden, sagte Ebner der «NZZ» in dem erwähnten Gespräch vor vier Jahren. Zu den Private-Equity-Beteiligungen gehört unter anderen das Berner Maschinenbauunternehmen United Grinding, das die BZ Bank 2018 mit einem Investorenpool vom Hamburger Industriekonzern Körber übernehmen konnte. Fust sieht die BZ Bank als ideales Investment, um die Diversifikation der Ertragsströme der immer noch schwergewichtig auf das Zinsgeschäft ausgerichteten Staatsbank auszuweiten.

Der Herr mit der Fliege bäckt kleinere Brötchen

Im Vergleich zu früheren Jahren backen Ebner und die BZ Bank heute nur noch relativ kleine Brötchen. Die «Fliege», wie der Spekulant in seiner Blütezeit wegen seiner auffälligen Halsbinde in der Finanzwelt genannt wurde, kennt das Auf und Ab der Börse aus langer, eigener Erfahrung. In den 1990er-Jahren trieb er Konzerne wie UBS, ABB, Credit Suisse oder Roche vor sich her, um sie auf Linie des Shareholder-Values zu trimmen. Damit machte er nebst einer handverlesenen Zahl von Grosskunden vor allem auch sich selber reich. Das Privatvermögen des Selfmade-Kapitalisten soll einmal mehr als drei Milliarden Franken betragen haben. Nach dem Börsenkollaps von 2002 blieben ihm weniger als 60 Millionen Franken übrig, wie Ebner 2003 bei einem Prozess wegen Insiderhandels mit Pirelli-Aktien dem Richter sagte.

Ebner hat sich mit Hilfe mächtiger Freunde und mit der nötigen Härte zurückgekämpft. Gegen einen ehemaligen Chef der Bank hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft 2020 einen Strafbefehl wegen Insiderhandels erlassen. Im Frühjahr 2021 wurde dieser vom Bundesstrafgericht mit Kostenauflage freigesprochen. In einem im Januar 2022 durchgeführten Berufungsverfahren erreichte der Beschuldigte einen abermaligen Freispruch. Über das weitere Vorgehen will die Bundesanwaltschaft nach Vorlage der Urteilsbegründung befinden, teilte die Behörde auf Anfrage mit.