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Wirtschaftskrimi um Iqbal Khan: Wer ist das Wunderkind vom Paradeplatz?

Der Top-Banker Iqbal Khan ist in einen regelrechten Wirtschaftskrimi geraten, in dem die Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS die Hauptrollen spielen. Doch wer ist Iqbal Khan, um den sich die beiden Geldinstitute streiten? Ein Portrait.
Jürg Krebs
Iqbal Khan: Wunderkind, Überläufer, Karrierist. (Bild: ZVG)

Iqbal Khan: Wunderkind, Überläufer, Karrierist. (Bild: ZVG)

(nav/dz/sda) Die Geschichte erlebte ihren bisherigen Tiefpunkt letzte Woche. Die Schweizer Grossbank Credit Suisse habe angeblich ihren zur UBS übergelaufenen Top-Manager Iqbal Khan beschatten lassen. Letzte Woche seien Khan und seine Frau im Auto in der Zürcher Innenstadt von drei Männern in einem anderen Wagen verfolgt worden, berichten verschiedene Medien. Dem 43-jährigen Banker seien die Detektive aufgefallen, er habe gestoppt und von diesen Aufnahmen gemacht. Als sie versucht hätten, Khan das Handy zu entreissen, sei es zu einem Gerangel gekommen.

Die Beschatter flohen

Die Männer konnten den Berichten zufolge fliehen, wurden aber von der Polizei ausfindig gemacht und vorübergehend festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Nötigung und Drohung. Die Männer sollen von Khans Ex-Arbeitgeberin Credit Suisse beauftragt worden sein, den früheren Chef der Vermögensverwaltung zu beschatten. Demnach ging es darum, herauszufinden, ob Khan verbotenerweise Mitarbeiter abwirbt, um sie zu seiner neuen Arbeitgeberin zu locken, der UBS als Hauptkonkurrentin der Credit Suisse. Bei der UBS wird Khan ab Anfang Oktober in der Konzernleitung sitzen.

Steckt die Credit Suisse dahinter?

Der Sicherheitschef der Credit Suisse bot Khan nach dem Vorfall den Berichten zufolge Personenschutz und technische Ausrüstung an, unter anderem einen Handsender, mit dem der Verfolgte Alarm schlagen kann. Der Finanzblog «Inside Paradeplatz» hatte bereits am Freitag berichtet, die Credit Suisse soll den Starbanker beschattet haben. Die Credit Suisse erklärte die Sache zu einer "Privatangelegenheit" und wollte sich nicht äussern.

Dabei waren Khan und die Credit Suisse zuvor ein erfolgreiches Gespann. 2013, im zarten Alter von 39 Jahren, schaffte Kahn als gelernter Revisor und Partner beim Beratungsunternehmen EY den Wechsel zu Credit Suisse. Dort stieg er später unter CEO Tidjane Thiam in die Konzernleitung auf.

Als Leiter der von Thiam neu geschaffenen Abteilung «International Wealth Management» zeigte der anfangs von vielen Beobachtern belächelte Kahn seine Stärken und machte die ihm anvertraute Division zu einem Wachstumsmotor des Finanzkonzerns. Das Netto-Neugeld stieg unter ihm stark an, der Vorsteuergewinn der Sparte wurde unter ihm mehr als verdoppelt. Kahn deshalb in Investorenkreisen einen guten Ruf.

Doch dann muss es zum Bruch gekommen sein zwischen Khan und CS-Chef Tidjane Thiam. Khan soll allzu offensiv sein Interesse an einer Nachfolge von Thiam angemeldet haben.

Beim Rücktritt von Thiam gab man sich allerdings noch versöhnlich. Thiam klopfte sich selber auf die Schulter für die Ernennung von Khan:

«Ich habe Iqbal Khan als grossartigen Kandidaten identifiziert für den Job als CEO der Internationalen Vermögensverwaltung.»

Er bedanke sich bei Khan für dessen starke Resultate und wünsche ihm alles Gute. Khan klopfte sich selber ebenfalls selber auf die Schulter. Er übergebe die Division in einem ausgezeichneten Zustand.

Rücktritt mit Spekulationen

Der Rücktritt provozierte sofort Spekulationen, dass Khan bei UBS den Chefposten übernehmen könnte. Dies, nachdem UBS-Präsident Axel Weber im Februar in einem Interview aus heiterem Himmel die Diskussion um Ermottis Nachfolge lancierte – und diesen damit vor den Kopf gestossen hatte. Ende August war dann klar: Khan würde Anfang Oktober Co-Chef der UBS-Sparte Global Wealth Management. Dort zeichnet er für das weltweite Geschäft verantwortlich – mit Ausnahme der USA. Khan teilt sich den Job mit dem Amerikaner Tom Naratil.

Damit Khan das Flaggschiff der Bank übernehmen. Mit Kundenvermögen von rund 1200 Milliarden Franken geniesst Khans Abteilung den Ruf als weltweit grösste Privatbank. Die rund 10 000 Mitarbeiter generieren in der Regel mehr als die Hälfte und in guten Zeiten sogar bis zu zwei Drittel des gesamten Gewinns. Khan wird bei der UBS den Nimbus des Kronprinzen für die Position des Konzernchefs haben. Allein schon dadurch, dass er Chef dieser Division ist. Der amtierende UBS-Chef Sergio Ermotti sagte deshalb der NZZ:

«Ich glaube, wir haben mindestens drei gute interne Kandidaten, und wenn jemand das Kerngeschäft als Co-Chef führt, liegt es auf der Hand, dass diese Person auch das Potenzial haben sollte.»

Allerdings könnte Khan den Ruf des Topstars auch bald wieder los sein. Er wäre nicht der erste, dem es als Chef des Vermögensverwaltungschefs so erging. Im Dezember 2017 hatte sich der Berner Jürg Zeltner als heissester Kandidat für den Top-Job überraschend verabschiedet. Die Gründe für den unerwarteten Rücktritt wurden nie vollends bekannt. Es gab Spekulationen, dass der Manager seine Ambitionen auf den Chefposten Ermottis allzu deutlich zum Ausdruck gebracht habe und von diesem deshalb hinausbefördert wurde.

Ein blasser Nachfolger von Khan

Mit dem deutschen Martin Blessing ersetzte Ermotti seinen wichtigsten Manager durch eine Person, die im Kerngeschäft der UBS über wenig Erfahrung besass. Er leitete früher die deutsche Commerzbank und wechselte 2016 als Chef des Schweizer Geschäfts zur UBS. Blessing blieb der Erfolg in der neuen Position jedoch versagt. Das Geschäft stagnierte in der Tendenz, was bei vielen Aktionäre enttäuschte. Jetzt verlässt Blessing die Bank also bereits nach drei Jahren in unbekannter Richtung.

Kahn wird bereits als Nachfolger von Ermotti gehandelt

Khan ist nicht der einzige Kandidat, den Ermotti für seine Nachfolge ins Spiel gebracht hat. Zum Favoritenkreis zählt die 52-jährige deutsch-schweizerische Doppelbürgerin Sabine Keller-Busse. Die 52-jährige Betriebswirtschafterin ist operative Chefin und übernimmt zusätzlich die Verantwortung für das Geschäft in Europa, im Nahen Osten und in Afrika. Sie beerbt den 57-jährigen Deutschen Ulrich Körner, der die Bank nach fünf Jahren ebenfalls in unbekannter Richtung verlassen wird. Seine Hauptaufgabe als Chef des UBS-Fondsgeschäftes übernimmt die Amerikanerin Suni Harford. Sie ist seit 2017 bei der Bank.

Man kann sich zudem fragen, ob Khan den hohen Erwartungen überhaupt gerecht werden kann. Noch im Juni versicherte Khan seinen wichtigsten Kunden, sie sollten ihr Geld am besten ganz zu der Credit Suisse transferieren, weil diese damit am besten umzugehen wisse. Nun soll er die gleiche Botschaft den UBS-Kunden vermitteln. Glaubwürdiger werden Khan und die UBS damit kaum. Und schliesslich hatten Khans Leistungen keinerlei erkennbaren positiven Einfluss auf den Börsenkurs. Allem Gerede von einem neuen Wunderkurs zu trotz – die Aktie der Credit Suisse serbelte dahin. Der Börsenindex SMI entwickelte sich weitaus besser.

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