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WIRTSCHAFTSKRIMINALITÄT: Spuren des Malta-Krimis in Zug und St. Gallen

Der Chef einer Bank in Malta, die im Visier der letztes Jahr ermordeten Reporterin Daphne Caruana Galizia war, ist in den USA verhaftet worden. Er geschäftete auch in der Schweiz.
Balz Bruppacher
Wegen Geldwäschereivorwürfen: Unbekannte haben eine Waschmaschine vor dem Sitz der Pilatus Bank in Malta platziert. (Bild: Darrin Zammit/Reuters (Ta’ Xbiex, 21. März 2018))

Wegen Geldwäschereivorwürfen: Unbekannte haben eine Waschmaschine vor dem Sitz der Pilatus Bank in Malta platziert. (Bild: Darrin Zammit/Reuters (Ta’ Xbiex, 21. März 2018))

Balz Bruppacher

Die Pilatus Bank in Malta ist Gegenstand eines Korruptions- und Geldwäschereiskandals, den die im letzten Oktober mit einer Autobombe ermordete maltesische Journalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia aufgedeckt hatte. Der Chef und Eigentümer der Bank, der Iraner Seyed Ali Sadr Hasheminejad, sitzt seit letztem Montag in den USA in Untersuchungshaft, wie das US-Justizministerium mitteilte. Dem 38-Jährigen wird vorgeworfen, bei Immobiliengeschäften zwischen Venezuela und dem Iran die US-Sanktionen gegen Iran verletzt zu haben. Der Inhaftierte muss sich unter anderem auch wegen Bankbetrugs und Geldwäscherei verantworten.

Die Deliktsumme wird auf über 115 Millionen Dollar be­ziffert. Das Geld wurde laut der ­Anklageschrift durch das US-Bankensystem geschleust. Dabei ­seien Firmen in der Schweiz, der Türkei und auf den britischen Jungferninseln verwendet worden, um die Beteiligung des Iran am Deal zu verschleiern. In der Anklageschrift wird die Firma Clarity Trade & Finance SA mit Sitz in Zug als eine der an den Transaktionen beteiligten Schweizer Firmen genannt. Die im März 2010 gegründete Gesellschaft ist laut dem Handelsregister des Kantons Zug in Liquidation, nachdem das Zuger Kantonsgericht am 10. März 2016 den Konkurs eröffnet hatte.

Die Zuger Connection des Iraners mit fremdem Pass

Sadr Hasheminejad war im November 2014 als Präsident des Verwaltungsrats zurückgetreten. Als Firmenzweck wurden die Vermögensverwaltung, die Anlageberatung, das Verwalten von ­Beteiligungen, das Tätigen von Finanzierungsgeschäften, die Unternehmensberatung, die Übernahme von Vertretungen, der Handel mit Waren aller Art sowie der Erwerb von und Handel mit Grundstücken genannt.

Gemäss Handelsregister präsidierte Sadr Hasheminejad zwei weitere Firmen in Zug, die ebenfalls in Liquidation sind. Und zwar die Pilatus International Holding und die Perse Swiss Finance & Asset Management. Die Gesellschaften waren 2012 beziehungsweise 2011 gegründet worden. Bei der Pilatus International Holding wirkte Sadr Hasheminejad bis zur Auflösung im März 2017 als Präsident. Bereits Ende 2014 schied er bei der Perse Swiss Finance aus, die im März 2015 liquidiert wurde. Bei dieser Firma wurde Sadr Hasheminejad bis zur Liquidation durch Hamidreza Ghanbari als Verwaltungsratspräsident abgelöst, den CEO der Pilatus Bank auf Malta. Bei allen drei Zuger Firmen wies sich Sadr Hasheminejad als Staatsangehöriger von St. Kitts und Nevis mit Wohnsitz in Dubai aus. Die Karibikinsel gehört zu den Ländern, die eine Staatsbürgerschaft gegen Geld anbieten, wie übrigens Malta auch.

An den in den USA inkriminierten Finanztransaktionen waren zudem drei Banken in der Schweiz beteiligt. Ihre Namen werden in der Anklageschrift nicht genannt. Laut einem Bericht der «Financial Times» wird auf einem Dokument die Hypo­swiss Privatbank erwähnt.

St. Galler Kantonalbank sah keinen Handlungsbedarf

Die Hyposwiss Privatbank war früher eine Tochter der St. Galler Kantonalbank (SGKB). Die Bank sei aufgrund eines Medienberichts vom Dezember 2016 auf eine angebliche Involvierung der ehemaligen Tochter in Zahlungen rund um Immobilienprojekte in Venezuela aufmerksam geworden, erklärte SGKB-Sprecherin Jolanda Meyer auf Anfrage unserer Zeitung. Man habe umgehend mit externer Unterstützung den Sachverhalt untersucht und geprüft, ob irgendein Handlungsbedarf be­stehe. «Die Abklärungen kamen zum Ergebnis, dass dies nicht der Fall ist», teilte die Sprecherin mit. Sie erinnerte zudem daran, dass die Hyposwiss Privatbank ihre Tätigkeit Ende 2013 eingestellt hat. Im gleichen Jahr hatte sich die SGKB auch von der Hyposwiss Private Bank in Genf getrennt.

Die Hyposwiss war zuvor wegen des Streits zwischen den russischen Oligarchen Oleg Deripaska und Wladimir Potanin in die Schlagzeilen geraten. Ein externer Informatikmitarbeiter hatte Kontendaten entwendet; das Bundesgericht bestätigte im Februar 2015 eine 15-monatige bedingte Freiheitsstrafe wegen wirtschaftlichen Nachrichtendienstes gegen den Mann.

Waschmaschine vor dem Hauptsitz

Die Finanzmarktaufsicht Maltas hat den inhaftierten Sadr Hasheminejad inzwischen als Chef der Pilatus Bank abgesetzt und seine Stimmrechte sistiert. Weiter wurde die Geschäftstätigkeit des Instituts suspendiert. Die im Oktober 2017 ermordete Caruana Galizia hatte einen Korruptionsskandal bei der Pilatus Bank aufgedeckt und das Institut der Geldwäscherei bezichtigt. Demnach soll der maltesische Ministerpräsident Joseph Muscat unter anderem Bestechungsgelder aus Aserbaidschan kassiert haben. Nach der jüngsten Entwicklung stellten Aktivisten eine Waschmaschine vor dem Hauptsitz der Pilatus Bank und bezeichneten diese auf dem Sockel als Denkmal für die Eröffnung der Bank im Beisein von Ministerpräsident Muscat.

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