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WIRTSCHAFTSSTANDORT: Firmengründer zieht es in die Zentralschweiz – Luzern ist Spitzenreiter

Die Zentralschweizer Kantone stehen bei Unternehmensgründern und umzugswilligen Firmenchefs hoch im Kurs. In Luzern, Zug und Schwyz entstanden 2017 besonders viele neue Betriebe.
Rainer Rickenbach
Blick auf die Stadt Luzern vom Luegisland-Turm der Museggmauer aus. Im Zentrum des Kantons sind letztes Jahr viele neue Firmen entstanden. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 10. September 2015))

Blick auf die Stadt Luzern vom Luegisland-Turm der Museggmauer aus. Im Zentrum des Kantons sind letztes Jahr viele neue Firmen entstanden. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 10. September 2015))

Rainer Rickenbach

Mit tiefen Steuern alleine hebe ein Wirtschaftsstandort zu keinem Höhenflug ab, sagt Felix Howald. Der Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz erklärt: «Dass gleich drei Innerschweizer Kantone bei den Neugründungen und Firmenzuzügen an der Spitze stehen, dürfte mehrere Ursachen haben. Die massvolle Steuerbelastung für Firmen ist aber bestimmt eine davon. Jedenfalls haben wir es nun schwarz auf weiss, dass die Region neue Firmen anzieht.»

In der Tat schneidet die Zentralschweiz bei den Firmenansiedlungen und -gründungen für 2017 im schweizerischen Vergleich gut ab. Luzern grüsst sogar als Spitzenreiter. Im grössten Kanton der Region stieg die Zahl der registrierten Firmen im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent. Es folgen Uri und Schwyz auf den beiden weiteren Podestplätzen, Zug und Nidwalden folgen im Mittelfeld. Die Zahlen stammen von der Zürcher Unternehmensdienstleisterin Crif AG. Ihre ­Experten haben alle Neueintragungen in den Handelsregistern zusammengezählt und die Löschungen davon abgezählt (siehe Grafik). Im Kanton Luzern stiessen sie auf 1913 Unternehmen, die neu im Handelsregister auftauchen. Zug steht zwar mit 2230 Neueintragungen noch besser da, hat aber mehr Löschungen zu verzeichnen. In Schwyz gab es 1220 Firmenregistrierungen. In der ganzen Schweiz summieren sie sich auf über 43'000.

Obwalden durchforstet Handelsregister

Einziger Ausreisser ist Obwalden. Der Negativtrend zeichnete sich schon in den ersten drei Quartalen ab und hat einen besonderen Grund: Dort wurde im vergan­genen Jahr das Handelsregister nach inaktiven Domizilgesellschaften durchforstet, was einen Anstieg der Löschungen und eine Negativquote mit sich brachte. «Wir brauchen keine Betriebe, die nicht Geschäfte betreiben», kommentierte Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker im Oktober. Mit 241 Firmenneugründungen und -zuzügen überflügelt Obwalden indes Nidwalden.

Die Zahlen von Crif sagen aber nichts über die Arbeitsplätze und die Qualität der neu registrierten Unternehmen aus. Howald: «Es verhält sich sehr unterschiedlich. Einige der neuen Unternehmen haben nicht genug Puste und verschwinden nach kurzer Zeit von der Bildfläche. Sind aber die ersten fünf Jahre ­erfolgreich überstanden, steigen in der Regel die Chancen, sich dauerhaft zu etablieren und auch neue Arbeitsplätze zu schaffen.» Der Zusammenhang zwischen Neuansiedlungen und Beschäftigungsentwicklung ist gemäss Howald nicht von der Hand zu weisen. Das machten auch Untersuchungen der Grossbanken UBS und Credit Suisse deutlich. «Die Zahl der Firmen steigt im Kanton Luzern schon seit über sieben Jahren. In dieser Zeit entstanden mehr als 10 000 neue Arbeitsplätze. Was ein Vielfaches von denen darstellt, die verloren ­gingen. Das Wachstum ist überdurchschnittlich: Seit 2011 nahm die Zahl der Jobs in der Schweiz um 3,9 Prozent zu, in Luzern aber um 5,7 Prozent», so Howald. Die positive Beschäftigungsentwicklung sei für den Kanton nicht nur bei den Steuereinnahmen hilfreich, sondern auch bei den Ausgaben. Howald: «Neue Jobs machen weniger soziale Hilfestellungen für Leute notwendig, die ohne Beschäftigungswachstum den Anschluss an die Arbeitswelt zu verlieren drohen.»

Nach Branchen betrachtet fallen der Detailhandel und die Gastronomie besonders auf – und ab. Bei ihnen ist das Kommen und Gehen traditionell sehr hoch, nun kommt im Detailhandel auch ein tiefgreifender struktureller Wandel hinzu. Howald: «Zum einen tragen die Schweizer Konsumenten jährlich rund neun Milliarden Franken ins Ausland. Zum anderen hat sich der Onlinehandel als Geschäftsmodell etabliert. Erfreulich ist aber, dass ­immer wieder neue Nischenanbieter auftauchen und viele von ihnen sich auch durchsetzen.» Dass die Unternehmensberater und -dienstleister Hochkonjunktur haben, führt er auf die zunehmende Regulierung und die Umstellung auf digitale Arbeitsläufe zurück. Nicht aufgefallen bei den Änderungen in den Handels­registern ist die Baubranche. Noch nicht, warnt Howald. «Der Mietwohnungsmarkt scheint gesättigt zu sein. Die Bauvolumen sind rückläufig. Die Branche wird das zu spüren bekommen.»

Völlig neue Geschäftsfelder führten ebenfalls zu Firmengründungen. In Zug etwa brachte der Boom um Kryptowährungen und Blockchain eine Reihe von Neueintragungen im Handelsregister mit sich (Ausgabe von gestern). Im Wallis, im Aargau und in Zürich finden sich bei den neuen Eintragungen auffallend viele Firmen, die Tabakersatzstoffe herstellen und verkaufen. Nebst der lebendigen E-Zigaretten-Szene trägt gemäss Startups.ch auch der legale Hanfhandel zu diesem Aufschwung bei. Alleine auf ihrer Website tauchten wöchentlich zwei bis drei Firmen aus dem Bereich legale Hanfprodukte auf.

Das Firmenwachstum in Prozent. (Bild: Janina Noser)

Das Firmenwachstum in Prozent. (Bild: Janina Noser)

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