WM: Zwei Luzerner Firmen machen das Skifest in St. Moritz möglich

Am Montag startet im Engadin der grösste Schweizer Sportanlass 2017. Die Firmen Auviso aus Emmenbrücke und Orgatent aus Grosswangen stehen dafür seit Monaten im Einsatz. Ihre Technik macht die Weltmeisterschaft auch vor Ort zum Ereignis.

Ernst Meier
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Die 19 Meter hohe hölzerne Skirennfahrer-Statue «Edy» im Kulm-Park. (Bild: Christian Beutler/Keystone (St. Moritz, 30. Januar 2017))

Die 19 Meter hohe hölzerne Skirennfahrer-Statue «Edy» im Kulm-Park. (Bild: Christian Beutler/Keystone (St. Moritz, 30. Januar 2017))

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Auf dem Kulm-Platz in St. Moritz Dorf herrscht emsiges Treiben. Für einmal trifft man jedoch nicht auf Touristen oder Skisportler, denn Projektleiter, Techniker und Handwerker beanspruchen den Platz seit knapp zwei Wochen für sich. In zügigem Tempo verwandelt sich der Kulm-Park in die sogenannte «Medal-Plaza» – ein grosses Festgelände, auf dem die Eröffnungsfeier, die Siegerehrungen und die Startnummer-Auslosungen der Ski-WM stattfinden werden.

Mitten im Gelände steht Manuel Schärer, Mitglied der Geschäftsleitung von Auviso. Das Unternehmen aus Emmenbrücke ist spezialisiert für audiovisuelle Technik. In St. Moritz ist Auviso für die Audio-, die Video- und die Lichttechnik des gesamten Rahmenprogramms anlässlich der WM zuständig. Neben dem Kulm-Park werden die Besucher im Zielgelände der Skirennen, in der Fussgängerzone des WM-Dorfes sowie in den Party-, VIP- und Sponsorenzelten die Wettkämpfe verfolgen können. Hinzu kommen Konzerte und andere Highlights des Rahmenprogramms.

Damit dies alles technisch reibungslos funktioniert, steht Auviso in diesen Tagen mit rund 50 Mitarbeitern im Dauereinsatz. 11 Sattelschlepper Material wurden ins Engadin transportiert – darunter über 200 LED-Scheinwerfer, 350 Lautsprecher, tageslichttaugliche LED-Bildschirme und mehrere Kilometer Kabelmaterial. «Wir legen an vielen Orten die Leitungen doppelt», erklärt Manuel Schärer. Die Rahmenbedingungen an einem Anlass wie einer Ski-WM seien aussergewöhnlich. Der Schnee und die Minustemperaturen stellen besondere Anforderungen an die Elektronik. «Wir müssen sicherstellen, dass bei einem Ausfall einer Installation sofort auf eine Ersatzlösung umgestellt werden kann», sagt Manuel Schärer.

Mit den ersten Aufbauarbeiten hat Auviso bereits im vergangenen Oktober begonnen. Schärer: «Wir mussten wichtige Vorbereitungsarbeiten erledigen, bevor der erste Schnee fiel.» Über den Wert des Grossauftrags in St. Moritz gibt es beim Privatunternehmen Auviso keine Auskunft. Nur so viel verrät deren Mit­inhaber Manuel Schärer: «Es ist das bisher grösste und gleichzeitig prestigeträchtigste Veranstaltungsprojekt für unser Unternehmen.» Der Grossauftrag beinhalte weit mehr als nur die Eventtechnik. «Wir übernehmen das gesamte Eventmanagement für die Inszenierung des Rahmenprogramms», erläutert Schärer. Dieses Projekt bewältige man in einer Arbeitsgemeinschaft mit Aroma Productions (dreidimensionale Kommunikation) und Freddy Burger Management (Entertainment).

Auviso ist nicht das einzige Unternehmen aus der Zentralschweiz, das für eine erfolgreiche Ski-WM in St. Moritz mitverantwortlich ist.

Luzerner Zelte für die Ski-WM und die Champions League

Der Zeltbauer Orgatent aus dem luzernischen Grosswangen gehört ebenfalls zu den wichtigsten Infrastrukturanbietern des Grossanlasses. Orgatent stellt in St. Moritz rund 60 Zelte in verschiedenen Grössen auf: von kleineren und mittleren Zelten für Sponsoren, Mitarbeiter, Medien oder Festanlässe bis zum zweistöckigen VIP-Zelt (25 × 80 Meter), das über eine Terrasse verfügt. Alle Zelte zusammen umfassen eine Fläche von gut eineinhalb Fussballfeldern. Orgatent rüstet alle ihre Zeltbauten mit Boden, Teppich, Möbel, Dekoration, Heizung und Lüftung aus. Rund 10 Sattelschlepper, gefüllt mit 750 Tonnen Material, waren dafür nötig. Auch für Orgatent begannen die ersten Aufbauarbeiten bereits im letzten Herbst, wie Geschäftsführer Beat Bussmann erklärt: «Die Rohbauten mussten im Oktober abgeschlossen sein.» Bussmann steht in St. Moritz derzeit mit 20 Monteuren im Einsatz, unterstützt werden sie von Armeeangehörigen. «Natürlich ist ein Auftrag wie dieser hier eine Herausforderung, dank unserer Erfahrung können wir jedoch vieles mit einer gewissen Routine bewerkstelligen», erklärt Bussmann.

Orgatent hat in seiner 25-jährigen Firmengeschichte bereits manchen Grossanlass bewältigt. So zum Beispiel den Champions-League-Final 2016 in Mailand. Auch an den Weltcup-Skirennen in Adelboden oder der Lenzerheide standen Zelte aus Grosswangen – ebenso wie an der Tour de Suisse, dem Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer oder dem Leichtathletikmeeting in Lausanne. St. Moritz ist denn auch nicht der grösste Auftrag für Orgatent in diesem Jahr. «Wir haben wiederum den Auftrag für die Zeltbauten am Champions-League-Final vom Juni im englischen Cardiff erhalten», erklärt Beat Bussmann stolz. Die dortigen Einrichtungen für Sponsoren, VIPs und Medien würden von der Grösse her jene hier in St. Moritz übertreffen. Vorerst gilt die Aufmerksamkeit bei Orgatent aber ausschliesslich der Ski-WM in St. Moritz. «Alle unsere Zelte müssen vor der Eröffnung in tadellosem Zustand sein, denn unsere Bauten sind unsere direkte Visitenkarte», erklärt Bussmann. Ein Auftritt wie an der Ski-WM sei gleichzeitig Referenz für weitere Aufträge.

Die Mitarbeiter sowohl von Auviso wie auch von Orgatent arbeiten alle mit Hochdruck an den letzten Installationen, denn schon morgen kommt es zur ersten Hauptprobe. Ernst gilt es am Montag, Punkt 18 Uhr: Dann startet die Eröffnungsfeier im Kulm-Park. Auf der Bühne steht dann die Schweizer Band 77 Bombay Street, und aus den Auviso-Lautsprechern tönt der offizielle WM-Song «Empire».