Pharma
Wo bleiben die 350 Stellen? Novartis hat sein Versprechen bisher nicht eingelöst

Neben dem Abbau von 500 Stellen gab Novartis gleichzeitig bekannt, 350 Arbeitsplätze in der Region aufbauen zu wollen. Wie eine Nachfrage der «Nordwestschweiz» bei den Gewerkschaften und firmeninternen Quellen ergab, gibt es aber seitens Novartis noch keine konkreten Pläne, wo und wie diese 350 neuen Stellen geschaffen werden.

Andreas Möckli
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Auf dem Novartis-Campus in Basel werden derzeit zahlreiche Stellen ab- und aufgebaut.Georgios Kefalas/Keystone

Auf dem Novartis-Campus in Basel werden derzeit zahlreiche Stellen ab- und aufgebaut.Georgios Kefalas/Keystone

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Die Empörung war gross. Als Novartis diesen Mai bekannt gab, in der Region Basel 500 Stellen abzubauen, reagierten die Gewerkschaften mit scharfer Kritik. «Für die 500 Beschäftigten ist das ein Schock und angesichts der satten Gewinne von Novartis nicht nachvollziehbar», schrieb etwa die Unia. Die Gewerkschaft Syna verurteilte «diesen erneuten harten Schlag gegen die industrielle Produktion in der Schweiz scharf».

Neben dem Abbau von 500 Stellen gab Novartis gleichzeitig bekannt, 350 Arbeitsplätze in der Region aufbauen zu wollen. Wie eine Nachfrage der «Nordwestschweiz» bei den Gewerkschaften und firmeninternen Quellen ergab, gibt es aber seitens Novartis noch keine konkreten Pläne, wo und wie diese 350 neuen Stellen geschaffen werden. Interne Quellen, die den Gewerkschaften nahe stehen, sagen, dass man bisher nicht mal ansatzweise einen Plan gesehen habe, wann wie viele Arbeitsplätze geschaffen werden.

Ähnlich äussert sich die Syna. Die Gewerkschaft sei mit den Mitgliedern des Unternehmens in Kontakt, sowohl was den Stellenabbau anbelangt als auch bezüglich der allenfalls neu von Novartis geschaffenen Stellen, sagt Kathrin Ackermann, Zentralsekretärin Chemie- und Pharmaindustrie. «Wir haben bisher jedoch keine Anzeichen, dass Novartis ihre Ankündigung, 350 neue Stellen zu schaffen, auch in die Tat umsetzt.» Allerdings sei auch der Abbau der 500 Stellen noch längst nicht umgesetzt.

Für Hälfte eine Lösung gefunden

Ging es Novartis also nur darum, mit der Ankündigung, 350 neue Stellen schaffen zu wollen, die öffentliche Empörung zu mildern? Novartis widerspricht dieser Darstellung vehement. Das Unternehmen habe mit den Personalvertretungen intensive und konstruktive Konsultationsgespräche geführt, sagt eine Sprecherin des Pharmakonzerns dazu. «Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir bereits für über die Hälfte der betroffenen Mitarbeiter geeignete Lösungen gefunden. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Anzahl Betroffener weiterhin minimieren können.»

Bis dato habe Novartis vor allem im Bereich Forschung, Pharma, der Produktion in Stein im Fricktal sowie aufgrund der Schliessung des Standorts in Schlieren in der Nähe der Stadt Zürich gut 250 Stellen abgebaut. Gleichzeitig seien in anderen Bereichen wie der Entwicklung neuer Medikamente, in der Administration (Novartis Business Services) und in der Onkologie über 300 neue Stellen geschaffen worden. Daraus ergebe sich unter dem Strich ein Personalzuwachs im Bereich der Festangestellten von über 50 Arbeitsplätzen seit Anfang Jahr.

Dieser Aufbau sei zum Teil von betroffenen Mitarbeitern besetzt worden. Unter anderem seien 20 Mitarbeiter aus der chemischen erfolgreich in die biologische Produktion und die chemische und analytische Entwicklung vermittelt worden. Novartis betont, dass, wie im Mai angekündigt, in den nächsten 12 bis 18 Monaten weitere Positionen aufgebaut werden.

Ab Sommer 2018 auf der Strasse

Verwirrung besteht auch über die Umsetzung des Stellenabbaus. Die Gewerkschaften sind der Meinung, dass erste Kündigungen im Rahmen des Abbaus der 500 Stellen bereits ausgesprochen wurden. Dies stimmt so aber nicht, wie eine Nachfrage bei Novartis ergeben hat. Es handle sich dabei nicht um eigentliche Kündigungen, sondern um eine Vorankündigung der Entlassung, sagt Thomas Bösch, Leiter der Personalabteilung Schweiz von Novartis. Dies sehe der Sozialplan ausdrücklich so vor.

Die ersten dieser Vorankündigungen seien nun im September verschickt worden. Nach einer viermonatigen Frist wird dann im Januar die eigentliche Kündigung bei den betroffenen Mitarbeitern eintreffen. Ab dann läuft – wie ebenfalls im Sozialplan vorgesehen – eine sechsmonatige Kündigungsfrist. Der letzte Arbeitstag fällt somit auf den 31. Juli 2018. Frühestens dann ist ein Betroffener seine Stelle bei Novartis los.

Ein weiterer Streitpunkt zwischen den Gewerkschaften und Novartis betrifft die Umschulung von Mitarbeitern in der Produktion. Während der Pharmakonzern in der Herstellung chemischer Wirkstoffe Stellen abbaut, wird die Produktion von biotechnologisch hergestellten Medikamenten ausgebaut. Aus Sicht der Gewerkschaften könnten betroffene Mitarbeiter in der chemischen Produktion relativ einfach umgeschult werden, um dann in den Biotech-Bereich zu wechseln.

Kein Umschulungskonzept?

Syna-Gewerkschafterin Ackermann kritisiert, dass der Pharmakonzern nicht stärker auf die Umschulung seiner Mitarbeiter setzt. Gerade in der Produktion sei dies ein gangbarer Weg, der aufgrund der langen Entwicklungszyklen von Medikamenten auch gut hätte geplant werden können. Andere Firmen wie etwa Lonza mit dem Produktionswerk in Visp VS machten dies vorbildlich. «Wir haben keine Kenntnis über ein Umschulungskonzept von Produktionsmitarbeitern bei Novartis.» Das Unternehmen werde damit seiner sozialen Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber nicht gerecht.

Novartis widerspricht: «Im Produktionsbereich werden die Ankündigungen erst in den Jahren 2019 und 2020 wirksam», sagt die Sprecherin. «Wir setzten aber bereits jetzt Schulungen für Mitarbeiter auf und stehen in engem und transparentem Austausch mit der Personalvertretung.» So hätten sich auch viele Betroffene auf offene oder neue Stellen im Produktionsbereich erfolgreich beworben.