Aargau
Wo der Steuerfuss dem Abschwung trotzt

Wer im Bezirk Aarau, Lenzburg, Kulm oder Zofingen wohnt, muss immer weniger Gemeindesteuern zahlen. 10 Budgetgemeindeversammlungen haben jetzt eine Steuerfussreduktion beschlossen (siehe Boxen); 16 warens vor Jahresfrist, 28 vor zwei Jahren. Der durschnittliche Steuerfuss sank von 109,2% (2008) auf 107,5% (2010).

Drucken
Teilen

Thomas Röthlin, Manuela Schaer

Wer im Bezirk Aarau, Lenzburg, Kulm oder Zofingen wohnt, muss immer weniger Gemeindesteuern zahlen. 10 Budgetgemeindeversammlungen haben jetzt eine Steuerfussreduktion beschlossen; 16 warens vor Jahresfrist, 28 vor zwei Jahren. Der durschnittliche Steuerfuss sank von 109,2% (2008) auf 107,5% (2010).

Die Wirschaftskrise konnte den Abwärtstrend zwar bremsen, aber nicht stoppen. Der Chef des kantonalen Gemeindeinspektorats Markus Urech vermutet, die Krise schlage erst 2011 auf die Steuern durch: «Die Beschäftigung war 2009 noch in Ordnung, was sich positiv auf die definitiven Veranlagungen 2010 auswirkt». Zudem habe 2008 den Gemeinden ausserordentlich erfolgreiche Rechnungsabschlüsse beschert.

Vorsicht walten liessen die Hendschiker, die angesichts eines budgetierten Defizits den gemeinderätlichen Antrag auf Steuerfusssenkung ablehnten. Die Uerkner beschlossen eine Erhöhung, nachdem die rentable Fusion mit Zofingen aufgrund der abgelehnten aargauischen Gemeindereform sistiert worden war. Ganz anders Rohr, das bereits jetzt mit Aarau fusioniert und von einer sagenhaften Reduktion um 21 Steuerprozente profitiert.

Die Karte zeigt die Unterschiede zwischen den Gemeinden und die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Was verborgen bleibt: ob 2010 punkto Steueraufkommen nicht zu optimistisch bewertet wird.

Brunegg: In den letzten zehn Jahren konnte der Steuerfuss kontinuierlich gesenkt werden. Die Gemeinde ist längst schuldenfrei und konnte Reserven für die laufenden und künftigen Investitionen schaffen. Daher wird der Steuerfuss auch im nächsten Jahr um 2% reduziert und neu auf 102% festgelegt. Gemeindeschreiber Werner Huggenberger führt aus, dass Brunegg längerfristig plane. Die kostspieligen Investitionen in Infrastruktur und Hochbauten seien bereits vor 30 Jahren erfolgt. Die Gemeinde profitiere heute von den früheren Investitionen. Zudem führe der Zuwachs der Bevölkerung zu mehr Steuereinnahmen.

Leutwil: Laut Gemeinderat Ulrich Gloor ist der Souverän mutiger gewesen als der Gemeinderat. Der Antrag zur Steuerfusssenkung von 125% auf 120% kam von der Bevölkerung. Der Gemeinderat habe mit einem Defizit von 192 000 Franken vorsichtig budgetiert und rechnete mit etwa gleichbleibenden Steuereinnahmen. Mit dem aktuellen Steuerfuss von 125% zählt Leutwil zu den teuersten Gemeinden. Eine mittel- bis langfristige Steuersenkung zeichnete sich auch für diese Gemeinde ab, jedoch noch nicht 2010. Die Stimmbürger wollten nicht zuwarten und machten Leutwil bereits jetzt zur attraktiveren Wohngemeinde.

Schlossrued: Der Gemeinderat sei seit Jahren bestrebt, Schlossrued als attraktive Wohngemeinde zu positionieren, erklärt Gemeindeammann Martin Goldenberger. Man habe die Steuerfüsse in den Nachbargemeinden abgeklärt. Schlossrued will sich am unteren Suhrental orientieren senkt daher die Steuern um 2% auf 112%. Die Mindereinnahmen von 26 000 Franken haben auf das budgetierte Defizit von 790 000 Franken kaum Einfluss. Zudem wolle der Gemeinderat den Bürgern auf diese Weise etwas zurückgeben, denn vom rund 2 Mio. Franken teuren Neubau des Feuerwehrmagazins profitieren sie nur indirekt.

Schöftland: Anlässlich der Budgetierung habe sich gezeigt, dass die Gemeinde 2010 erstmals seit 1973 schuldenfrei werde, sagt Gemeinderat Rolf Buchser, der das Ressort Finanzen unter sich hat. Sogar ein leichter Ertragsüberschuss sei budgetiert, der insbesondere aus dem Landverkauf an die Regionale Alterszentrum Schöftland AG resultiere. Schöftland senkt entsprechend den Steuerfuss um 2% auf 106%. Entgegen den Befürchtungen seien die Steuereinnahmen konstant geblieben, wenn nicht sogar zunehmend. Die investitionsreichen Jahre seien vorbei. In den nächsten fünf Jahren stünden keine grösseren Projekte an.

Staffelbach: Für den Bau der Mehrzweckhalle wurde der Steuerfuss von 122% auf 124% angehoben. Die Verschuldung belief sich 2003 nach Fertigstellung der Mehrzweckhalle auf 7,9 Mio. Franken. Die Gemeinde ging davon aus, Anspruch auf ausserordentlichen Finanzausgleich zu haben, sofern die Schuldenlast nicht mehr tragbar wäre. Da die Steuereinnahmen schrittweise anstiegen, blieb der ausserordentliche Zustupf aus. Mit dem Budget 2005 wurde der Steuerfuss dann auf 121% gesenkt. Um mit den Nachbargemeinden mitzuhalten, beantragte nun die Bevölkerung, den Steuerfuss erneut um 2%auf 119% zu senken.

Auenstein: Der Steuerfuss wurde um 2% auf 87% gesenkt. Diese Reduktion kompensiert den bisherigen Aufwand bei der Abfallentsorgung, der mit der Einführung von Kehrichtgebühren wegfällt. Die Entwicklung der Steuereinnahmen beurteilt der Gemeinderat, zumindest für die Jahre 2010 und 2011, aber als eher ungünstig.

Hirschthal: Der Jahresabschluss 2009 wird deutlich über dem budgetierten Ergebnis liegen. Auch in den vorangehenden Jahren fielen die Ergebnisse besser aus als erwartet. Die Senkung des Steuerfusses um 5% auf 100% ist Folge der soliden Finanzlage von Hirschthal. Das Eigenkapital kann die Gemeinde Ende Jahr sogar auf 1,3 Mio. Franken aufstocken.

Wiliberg: Der Steuerfuss wurde um 2% auf 115% reduziert. Dies vor allem, weil Wiliberg finanziell gesund sei, sagt Gemeindeammann Stephan Müller. Der Ertragsüberschuss beträgt, trotz geringerem Finanzausgleich 2010, 66 200 Franken. Mit der Steuersenkung reagiere die Gemeinde auch auf die Streichung des Anschlusses an öffentliche Verkehrsmittel. So bleibe sie doch attraktive Wohngemeinde.

Möriken-Wildegg: Die Gemeindeversammlung stimmte der Senkung des Steuerfusses um 1% auf 97% zu. Der Gemeinderat beantragte die moderate Steuerreduktion als Kompensation zur Einführung der pauschalen Grundgebühr in der Abfallbewirtschaftung. Bisher mussten jeweils 25% der Kosten für die Entsorgung aus den Steuern gedeckt werden.

Vordemwald: Der Gemeinderat stellte den Antrag, den Steuerfuss um 5% auf 118% zu senken. Vordemwald dürfe 2010 mit einem höheren Finanzausgleich rechnen, führt Gemeinderätin Margrit Röthlisberger aus. Mit der Ablehnung des ersten Pakets der Gemeindereform sei zudem der Grundbedarf längerfristig gesichert. Ferner fielen die Rechnungsergebnisse in den vergangenen Jahren fast ausnahmslos besser als erwartet aus.