Luzerner Onlineplattform Luucy: «Die schweizerisch präzise Ergänzung zu Google Earth»

Die Onlineplattform Luucy macht künftige bauliche Veränderungen in Siedlungen für die Bewohner schon jetzt sichtbar. Die 3D-Modelle gehen bis ins Detail.

Andreas Lorenz-Meyer
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Luucy-Chef Mark Imhof (links) und Martin Nevosad, der die Entwicklung verantwortet.

Luucy-Chef Mark Imhof (links) und Martin Nevosad, der die Entwicklung verantwortet.

Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Februar 2020)

Im Jahr 2013 entschieden sich die Schweizer für eine Siedlungsentwicklung nach innen. Ziel ist es, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Folglich muss dort gebaut, erweitert und aufgestockt werden, wo schon Häuser stehen. Das bedeutet Veränderungen im direkten Lebensumfeld der Menschen – und kann zu Verunsicherung führen. In Buttisholz, wo die laufende Ortsplanungsrevision im ersten Halbjahr 2020 in die öffentliche Auflage gehen soll, gab es einige Anfragen besorgter Bürger. «Die Bauherrschaften, aber auch Anstösser und Einsprecher konnten sich nicht vorstellen, wie ein Gebäude sich letztlich in ihre nähere Umgebung einfügt und mit welchen konkreten Einschränkungen in Natura zu rechnen ist», sagt Gemeindepräsident Franz Zemp.

Mittlerweile kann sich aber jeder in Buttisholz ein genaueres Bild machen, und zwar am Computerbildschirm. Denn die Gemeinde nutzt die 3D-Visualisierungsplattform Luucy des gleichnamigen Luzerner Start-ups. Die Firma zeigt auf luucy.ch im Detail den gebauten Bestand der gesamten Schweiz. Der Clou dabei: Man sieht nicht nur, was schon da ist, sondern zum Teil auch, was noch dazukommt. In den 3D-Modellen einiger Orte sind bereits mögliche künftige Gebäudevolumen aufgrund der Bau- und Zonenplanänderung sichtbar.

Luucy soll helfen, alle ins Bott zu holen

«Luucy ist die schweizerisch präzise Ergänzung zu Google Earth», sagt Luucy-Gründer und Geschäftsführer Mark Imhof. Die 3D-Modelle gehen bis ins Detail. Sogar der Schattenwurf der Häuser lässt sich minutengenau einstellen, für jede beliebige Jahres- und Tageszeit. Imhof sieht die Innenentwicklung als sehr komplexe Aufgabe, «bei der anders als beim Bauen auf der grünen Wiese viele Akteure mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Interessen involviert sind». Luucy soll helfen, während dieses schwierigen Prozesses alle ins Boot zu holen, indem es «die Komplexität der Innenentwicklung handhabbar macht». Gemeinden könnten Projekte und Vorhaben bereits früh visualisieren und somit auch früh den Dialog mit den Betroffenen beginnen.

Das Start-up beschäftigt derzeit vier Mitarbeiter in der Schweiz und zehn im Ausland. Für das 3D-Modell hat man eigene Algorithmen entwickelt. «Da wir selbst Attribute hinzufügen können, sind künftig viele Dienstleistungen und Anwendungsformen möglich», so Imhof. Mittelfristig soll aus Luucy eine Plattform werden, bei der Raumveränderungen von der strategischen Planung der Gemeindebehörden, über die darauffolgenden Planungsprozesse der Wirtschaft bis zum Monitoring des Lebenszyklus des gebauten Raums koordiniert werden können. So lassen sich Entwicklungen kooperativ steuern und vereinfachen. «Ohne diese Instrumente wird die Innenentwicklung immer wieder an denselben Herausforderungen scheitern», so Imhof. Zu den Gemeinden, bei denen der virtuelle Blick in die nahe Zukunft möglich ist, gehört eben Buttisholz. Abgebildet sind, in grüner und blauer Farbe markiert, geplante Aufstockungen. Blau steht für Aufstockungen gemäss alter Ausnützungsziffer, Grün für Aufstockungen gemäss Überbauungsziffer, der neuen Berechnungsgrundlage für Gebäudegrössen im Kanton Luzern. «Die farbliche Gestaltung ist lediglich eine Darstellungsart für mögliche Veränderungen auf der angewählten Parzelle», erklärt Gemeindepräsident Zemp. Das habe keine rechtliche Bedeutung. Bis jetzt spielt Luucy in Buttisholz zwar noch keine grosse Rolle, aber Zemp rechnet damit, «dass wir im Rahmen von allfälligen Einsprachen nach der öffentlichen Auflage und später bei Aufstockungen, Um- und Neubauten öfter darauf zurückgreifen werden». Denn mit dem 3D-Modell könnten sowohl Bauherr wie Anstösser besser beurteilen, was das Projekt für sie bedeute.

Auch für die Gemeinden Dagmersellen, Meierskappel und Goldach bildet die Plattform schon mögliche künftige bauliche Veränderungen ab. Sehr bald soll das in der gesamten Schweiz so sein.

Rückzonungen als Geschäftsfeld

Mit Luucy arbeitet auch die Gemeinde Schwarzenberg. Dort geht es vorerst nur um die Darstellung des Vorschlags der neu einzuführenden Überbauungsziffer, doch muss Schwarzenberg zudem Rückzonungen von Bauland in Landwirtschaftsland vornehmen. Ob Luucy für mehr Klarheit sorgt? Der konkrete Nutzen des 3D-Modells lasse sich in diesem Punkt noch nicht beziffern, da man erst am Anfang des Prozesses stehe, sagt Gemeindepräsident Marcel Gigon. Jedoch könne Luucy «bei den Rückzonungsflächen in einigen Fällen wahrscheinlich auch zur Visualisierung der verbleibenden Bebauungsmöglichkeiten dienen», so Gigon. Luucy-Mitbegründer Imhof würde es begrüssen, wenn die Rückzonungen ein neues Geschäftsfeld werden. Die Kantone hätten mit der Mehrwertentschädigung einen Fonds geschaffen für berechtigte Forderungen von Eigentümern, deren rückgezontes Land weniger Wert ist. Man könne sich vorstellen, mit Luucy die Ermittlung dieser Mehrwerte zu visualisieren und damit Teil eines beschleunigten Lösungsweges zu sein.