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Wo Pensionskassen Milliarden sparen könnten

Banken, Versicherer und Berater verdienen glänzend mit der Verwaltung unserer Vorsorgevermögen. Die BVK Zürich zeigt: Es geht auch viel billiger.
Daniel Zulauf
Die über 1700 Pensionskassen in der Schweiz ernähren eine ganze Industrie. Themenbild: Anthony Anex/Keystone (Zürich, 21. August 2015)

Die über 1700 Pensionskassen in der Schweiz ernähren eine ganze Industrie. Themenbild: Anthony Anex/Keystone (Zürich, 21. August 2015)

Im Topf der zweiten Säule haben sich 2017 weitere 110 Milliarden Franken angesammelt. Unter gütiger Mithilfe der Finanzmärkte ist das Gesamtvermögen auf gegen 950 Milliarden Franken gestiegen. Damit ernähren die mehr als 1700 Pensionskassen im Land eine ganze Industrie. Reger Betrieb herrschte vergangene Woche am jährlichen Branchentreffen. Auf der Fachmesse «2. Säule» in Zürich-Oerlikon kamen gegen 130 Aussteller mit über 2500 Besuchern zusammen. Networking war angesagt und auch ein bisschen Weiterbildung – vor allem für die vielen Stiftungsräte, die sich in ihrem Hauptberuf nicht mit Finanzanalagen beschäftigen.

Der Pensionskassen-Kuchen ist so gross, dass die Finanzindustrie auch von den Krümeln noch gut lebt.

Unter den Ausstellern waren die üblichen bekannten Adressen aus der Finanzbranche anzutreffen. Manche liessen sich ihren Auftritt mehrere zehntausend Franken kosten, wie nur schon die Preisliste der Standmieten erkennen lässt. Die Investition hat Potenzial. Der Pensionskassen-Kuchen ist so gross, dass die Finanzindustrie auch von den Krümeln noch gut lebt.

Licht im obskuren Milliardenmarkt

2017 haben die Kassen im Durchschnitt 0,47 Prozent der Vermögen ihrer Mitglieder für die Bewirtschaftung und Betreuung der Kapitalanlagen ausgelegt. Das zeigt die jüngste Pensionskassen-Studie von Swisscanto. Hinter dem scheinbar kleinen Kostensatz verbirgt sich ein Betrag von jährlich rund 4,5 Milliarden Franken oder 1100 Franken pro Versichertem. Genaueres weiss man über diese Kosten aber erst seit fünf Jahren. Es war die 2012 ins Leben gerufene «Oberaufsicht Berufliche Vorsorge», die mit neuen Transparenzbestimmungen endlich Licht in den obskuren Milliardenmarkt brachte. Entstanden war die Behörde im Zug verschiedener Skandale, insbesondere des Swissfirst-Skandals, der eine Reform des Aufsichtsystems nötig machte.

Seit Inkrafttreten der Transparenzvorschriften sind die Vermögensverwaltungskosten mindestens auf den ersten Blick gesunken. In der Swisscanto-Studie von 2014 wurde noch ein durchschnittlicher Kostensatz von 0.56 Prozent ermittelt, was einer Belastung pro Versichertem von 1430 Franken entsprach. 2017 waren es 330 Franken weniger pro Kopf. Doch repräsentativer als das arithmetische Mittel aller Kassen ist der Durchschnittswert, der auch die bedeutenden Unterschiede in der Grösse der Kassen berücksichtigt. Dieser Wert lag 2017 mit 0,48 Prozent oder 1120 Franken pro Kopf höher als 2013 (0,4 Prozent bzw. 1070 Franken).

Eine mögliche Erklärung für den Kostenanstieg ist die gleichzeitig verbesserte Kostentransparenz. Die Bestimmungen der Oberaufsicht verlangen auch die Offenlegung jenes Teils der Vermögensanlagen, über den die Kassen keine Kostentransparenz haben. Dies waren 2013 zwar nur drei Prozent aller Anlagen. Doch intransparente Anlagen sind typischerweise auch besonders kostenintensiv. Deshalb kann vermutet werden, dass die Verbesserung der Kostentransparenzquote von 97 Prozent im Jahr 2013 auf 99 Prozent im vergangen Jahr den Fünfjahresvergleich schlechter aussehen lässt als er tatsächlich ist.

Radikales Kostenregime der BVK zahlt sich aus

Swisscanto wagt in ihrer aktuellen Studie die Aussage, das Kostenniveau habe «möglicherweise ein nur noch schwer zu unterbietendes Niveau erreicht». Doch die Streuung um den Mittelwert ist hoch. Im oberen Bereich geht die Abweichung bis zum Dreifachen. Viele Kassen wirtschaften aber deutlich billiger als der Durchschnitt. Ein Beispiel ist die BVK der Angestellten des Kantons Zürich. Nach dem Skandal um den korrupten früheren Kassenleiter Daniel Gloor, der die Versicherten rund eine halbe Milliarde Franken gekostet hatte, führte die BVK ein radikales Kostenregime ein. Seit 2009 sind die Vermögensverwaltungskosten der Kasse von 0,46 Prozent auf aktuell 0,16 Prozent gesunken. Die Kostensenkung um zwei Drittel entspricht einer jährlichen wiederkehrenden Einsparung von 100 Millionen Franken. Das Loch aus Gloors Zeiten konnte so wieder aufgefüllt werden.

Die BVK stelle mittels regelmässigen Neuausschreibungen bestehender Mandate sicher, dass die Kosten stets den aktuellen Marktbedingungen entsprächen, sagt BVK-Sprecher Florian Küng. «Ein gesparter Franken ist ein verdienter Franken» lautet das Motto der Kasse. Für ein effizientes Kostenmanagement ist Transparenz unabdingbar. Die BVK arbeitet mit einer Kostentransparenzquote von 100 Prozent. Der Unterschied zu einer Quote von 99 Prozent kann gewaltig sein, wie die BVK vorrechnet: Nähme die Kasse das eine Prozent der Anlagen mit den höchsten Verwaltungskosten aus der Rechnung heraus, würde der ausgewiesene Satz für die Vermögensverwaltungskosten von den ausgewiesenen 0,16 Prozent auf 0,09 Prozent sinken. Die BVK stünde kostenmässig 40 Prozent besser da als sie ist.

Das scharfe Kostenregime hat der Leistung offensichtlich nicht geschadet. Die Anlageperformance der BVK im Jahr 2017 lag mit 9 Prozent deutlich über dem in der Swisscanto-Studie ausgewiesenen Mittelwert von 7,64 Prozent. Auch im Fünfjahresvergleich liegt die BVK-Performance über dem Durchschnitt.

Weiterer Kostenrückgang ist unwahrscheinlich

Pensionskassen-Kritiker sehen die BVK-Zahlen als Beweis dafür, dass die Finanzindustrie immer noch einige Milliarden Franken zuviel am Vorsorgesystem verdient. Eine unverschämte Vorstellung zumal in Zeiten, in denen die Renten schrumpfen. Doch einen weiteren Kostenrückbau halten in der Branche auch besonnenere Stimmen für wenig realistisch. «Ich erwarte, dass die Kosten eher wieder steigen werden, weil die Kassen angesichts des hohen Performancedrucks und der tiefen Zinsen komplexere und damit teurere Anlageprodukte nachfragen», meint Kaspar Hohler, Chefredaktor der Zeitschrift Schweizer Personalvorsorge, dessen VPS-Verlag die Messe organisiert. Hohler sagt aber auch: «Kosten und Renditen stehen in der Vermögensverwaltung in keinem direkten Zusammenhang. Für gegenteilige Behauptungen gibt es keine stichaltigen Beweise.»

Die Feststellung bedeutet, dass eine Pensionskasse das optimale Kostenniveau nur erreichen kann, wenn sie dieses unablässig zu senken versucht. Die zweistelligen Millionensaläre, wie sie die Finanzbranche für Spitzenkräfte immer noch zahlt sind ein starkes Indiz dafür, dass auch in den Vermögensverwaltungskosten der Pensionskassen noch viel Luft drin steckt. «Es kann nicht schaden, wenn sich auch Stiftungsräte kritische Gedanken über die Finanzbranche machen», räumt Hohler ein.

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