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Innovation aus Schötz:
Wohnungsbau nach Legoprinzip

Im aargauischen Lenzburg entsteht ein einzigartiges Mehrfamilienhaus. Es ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes, an dem auch die Luzerner Holzbaufirma Renggli beteiligt ist.
Stefanie Garcia Lainez
Der Ersatzneubau in Lenzburg wurde am Mittwoch von der Firma Renggli mittels Modulbauweise realisiert. (Bild: Chris Iseli)

Der Ersatzneubau in Lenzburg wurde am Mittwoch von der Firma Renggli mittels Modulbauweise realisiert. (Bild: Chris Iseli)

Langsam senkt der Kran die Holzbox in das Stahlgerüst hinab – Millimeterarbeit, die vom Kranführer höchste Konzentration erfordert. Denn er muss das vorgefertigte Baumodul mit Wohnzimmer und Küche genau in das Gerüst einsetzen. Die Koordination mit den Bauarbeitern, die sich auf dem Gerüst befinden und beim Einpassen helfen, ist extrem wichtig. In wenigen Minuten ist das Modul an seinem Platz. Aus 36 solcher Holz-Modulen entsteht in Lenzburg in fünf Monaten ein Mehrfamilienhaus mit 20 Wohnungen. Es handelt sich dabei um einen 8,8 Millionen Franken teuren Ersatzneubau für eines der rund 20000 Häuser im Besitz der Axa Investment Managers Schweiz AG.

Das Spezielle: Es ist das erste Haus, das aus vorgefertigten Holzmodulen und einem Stahlgerüst besteht. Das Gerüst trägt jeweils das Gewicht der einzelnen Holz-Elemente. Bei Modulbauten trägt normalerweise das unterste Modul das Gewicht der oberen. Dank dieser neuen Modulbau-Variante können Häuser bis zu acht Stockwerke hoch gebaut werden. Die Bauzeit ist rund neun Monate kürzer und die Kosten tiefer als bei der herkömmlichen Massivbauweise. Auch ökologisch muss es sein: Das Haus hat Minergie-A-Standard. Geheizt wird mit erneuerbarer Wärme von der Erdsonden-Wärmepumpe, die Photovoltaik-Anlage produziert Strom für den Eigenverbrauch.

«Hello Lenzburg» mit 20 Wohnungen wird in spezieller, innovativer und einzigartiger Modulbauweise mit Tragwerk und Stahl gebaut. Deshalb kann schnell und günstig gebaut werden. (Bild: Chris Iseli)

«Hello Lenzburg» mit 20 Wohnungen wird in spezieller, innovativer und einzigartiger Modulbauweise mit Tragwerk und Stahl gebaut. Deshalb kann schnell und günstig gebaut werden. (Bild: Chris Iseli)

Holzbaupioniere aus Schötz

Das Wohnhaus in Lenzburg ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes der Holzbaufirma Renggli AG aus Schötz, der Bauherrin Axa und der Berner Fachhochschule BFH. Für die Luzerner Holzbau-Spezialisten ist es nicht das erste Projekt, das sie initiierten und mit Institutionen wie der BHF oder der ETH umsetzten. Innosuisse, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung des Bundes, hat das drei Jahre dauernde Projekt mit 600000 Franken unterstützt.

In Lenzburg entsteht jetzt das erste Haus dieser Art. «Der Wettbewerb auf dem Wohnungsmarkt ist in Lenzburg gross», sagt Axa-Mediensprecher Urban Henzirohs. Das seien gute Voraussetzungen, um zu testen, wie markttauglich diese neue Art zu bauen sei. Im Dezember wurde das Betonfundament erstellt, im Januar folgte das Stahlgerüst. Die einzelnen Module für Wohnzimmer, Bad oder Schlafzimmer baut die Renggli AG auf ihrem 50 000 Quadratmeter grossen Areal in Schötz. Sie liefert die Elemente fixfertig auf die Baustelle – WC, Küchen, Türen, Fenster, Bodenheizung, Beläge und Leitungen sind bereits eingebaut. Eine Wohnung besteht jeweils aus zwei Modulen, die je nach Kombination Wohnzimmer sowie Küche und ein oder zwei Zimmer mit Bad enthalten. Auf der Baustelle können die Arbeiter ein solches rund drei auf elf Meter grosses Modul in wenigen Minuten im Stahlgerüst einsetzen. «Wir kalkulieren dafür jeweils eine Stunde», sagt CEO und Verwaltungsratspräsident Max Renggli. Denn beispielsweise der Wind könne die Arbeit verzögern.

2,5-Zimmer gibt es für 1130 Franken im Monat

Danach verbinden die Arbeiter das Modul mit den anderen und schliessen es an die Gebäudetechnik an. 18 Tage soll es dauern, um die insgesamt 36 Module zu montieren. Danach folgt die Umgebungsgestaltung. «Durch die Vorfertigung und die Standardisierung der Wohnungen können die Kosten pro Wohnung in Zukunft deutlich gesenkt werden», sagt Renggli.

Das schlägt sich auch auf die Mieten nieder. Die 2,5-Zimmer-Wohnungen sind ab 1130 Franken zu haben, die 3,5-Zimmer-Wohnungen ab 1420 Franken. Preiswerten Wohnraum im Bestand zu haben, sei für einen institutionellen Investor wie die Axa wichtig, sagt Simon Haus, Leiter Asset Management der Axa. Denn teure Wohnungen stehen eher leer, was weniger Mieteinnahmen bedeute. «Und durch die kurze Bauzeit können wir im Idealfall bei einem Ersatzneubau die bestehenden Mieter halten.» Auch ein Teil der Mieter in Lenzburg ziehen im Juli ins fertige Haus wieder ein.

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