WOLHUSEN: Dicke Luft bei Transitgas

Die Zürcher Erdgasfirma mit Sitz in Wolhusen hat den Gesamtarbeitsvertrag auf Ende Jahr ­ gekündigt. Die Gewerkschaft befürchtet Einschnitte. Die Geschäftsleitung widerspricht.

Maurizio Minetti
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Kontrollgang im Lammschlucht-Stollen: Transitgas beschäftigt 38 Personen auf dem Horüti bei Wolhusen. (Bild: Philipp Schmidli (4. August 2017))

Kontrollgang im Lammschlucht-Stollen: Transitgas beschäftigt 38 Personen auf dem Horüti bei Wolhusen. (Bild: Philipp Schmidli (4. August 2017))

Maurizio Minetti

Ende September sind die Angestellten der Transitgas AG informiert worden: Die Firma hat den bestehenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit der Gewerkschaft Syna per Ende Jahr gekündigt. «Den Angestellten haben wir aufgezeigt, dass sie durch die Kündigung des GAV nicht schlechtergestellt werden», sagt Transitgas-CEO Ennio Siniga­glia. Dem widerspricht nun allerdings die Syna. Sie kritisiert in einer Mitteilung «das respekt­lose Vorgehen von Transitgas» und verlangt, dass der Entscheid zurückgenommen wird.

Die Transitgas AG mit Hauptsitz in Zürich beschäftigt 38 Personen auf dem Horüti bei Wolhusen, 7 in Zürich, 4 in Bern und 2 im Kanton ­Wallis. 9 Kadermitarbeiter unterstehen nicht dem GAV. Zweck der Transitgas AG ist der Bau, der Besitz, der Unterhalt und der Betrieb eines Erdgas-Transportsystems, das von der Nord- bis zur Südgrenze der Schweiz reicht.

Firma will den direkten Austausch fördern

Die Syna gibt sich in der Mitteilung sehr überrascht, «dass das Unternehmen nach Jahrzehnten solider und respektvoller Partnerschaft plötzlich alle Angelegenheiten individuell regeln will.» Transitgas habe die Mitarbeitenden sogar aufgefordert, innert sehr kurzer Zeit einem neuen Einzelarbeitsvertrag zuzustimmen. Laut der Syna äusserten sich auch die Mitarbeitenden, die von der Gewerkschaft zu einer Versammlung aufgerufen worden waren, klar und deutlich: Auf keinen Fall wollen sie in Zukunft auf den Gesamtarbeitsvertrag verzichten.

Das Unternehmen rechtfertigt sich: «Die Kündigung des GAV erfolgte unter anderem mit dem Ziel, den direkten Austausch zu fördern und damit das gegenseitige Verständnis und Vertrauen weiter zu verstärken», sagt Geschäftsführer Ennio Sinigaglia. Indem die Angestellten wie bisher eine Mitarbeiter­vertretung wählen können, werde sichergestellt, dass den Anliegen der Belegschaft auch weiterhin Rechnung getragen werden könne, erklärt der CEO.

Sinigaglia kritisiert seinerseits wiederum die Gewerkschaft: «In Achtung des bisherigen respektvollen Umgangs hat sich die Transitgas AG auch sofort zu einer Besprechung mit der Syna über die Gründe der Kündigung bereiterklärt», sagt Sinigaglia. Die Syna habe sich nun aber offenbar entschieden, noch vor dieser Besprechung über die Öffentlichkeit Druck auszuüben, um die Transitgas AG auf diesem Weg zu bewegen, ihre rechtmässige Kündigung zurückzunehmen. «Die Transitgas AG be­dauert diesen Entscheid, welcher nicht zu einem – von der Syna selber verlangten – Dialog im Rahmen der Sozialpartnerschaft passt», so der Transitgas-Chef.

Wirtschaftlich gut unterwegs

Die Versprechen des Unternehmens, die bestehenden Arbeitsbedingungen beizubehalten, bezeichnet die Syna derweil als «nicht verbindlich und deshalb absolut nicht glaubwürdig». Wenn die Arbeitsbedingungen weiter gelten sollen, könnten Gesamtarbeitsvertrag und Sozialpartnerschaft ja wie bisher bestehen bleiben, argumentiert die Gewerkschaft. Jasmine Progin, Regionalverantwortliche Luzern bei der Syna, befürchtet unter anderem, dass die Arbeitszeiten erhöht werden könnten. Transitgas-Chef Sinigaglia versichert aber: «Es sind keinerlei solche Massnahmen geplant.» Der Transitgas gehe es wirtschaftlich gut; die Kündigung des GAV sei nicht aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt.

Den Beschwichtigungen zum Trotz: Die Gewerkschaft Syna ­erwartet, dass die Transitgas-Führung ihren «vorschnellen und grundlosen Entscheid» zurücknimmt. Die Firma denkt aber nicht daran. Die GAV-Kündigung bedeute zugleich ein Ende der Sozialpartnerschaft mit der Syna, erklärt der CEO. Seine Begründung: «Weil wir als kleine Firma keinen GAV brauchen.»