WOLHUSEN: Ein Fitness-UFO auf Erfolgskurs

Die Firma Adatto Better Living bringt ein neuartiges Trainingsgerät auf den Markt. Schon im Herbst bietet die Migros-Klub-Schule dafür Kurse an, auch Fussballstars sollen künftig damit trainieren.

Roman Schenkel
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Mirko Cortese, Chef der Firma Adatto, hat die «Xbase» entwickelt. (Bild: Pius Amrein  / Neue LZ)

Mirko Cortese, Chef der Firma Adatto, hat die «Xbase» entwickelt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Mit ihrer runden Form und der schwarzen, leicht gewölbten Oberfläche erinnert die Xbase ein wenig an ein UFO. Wäre sie auch in Weiss erhältlich, könnte sie glatt dem Kopf von Apple- Chefdesigner Jonathan Ive entsprungen sein. Kein Wunder wurde das Fitnessgerät neulich für sein Äusseres mit dem bekannten Designpreis «red dot» ausgezeichnet.

Doch die Xbase stammt nicht aus dem kalifornischen Cupertino, sondern aus dem luzernerischen Wolhusen. Entwickelt hat das innovative Fitnessgerät die Firma Adatto Better Living GmbH. Mirko Cortese (45) ist der Kopf dahinter. Seit 1993 führt der Naturarzt eine eigene Praxis in Wolhusen. «Zusammen mit meinen Patienten suche ich nach den Ursachen, welche ihre körperlichen Beschwerden auslösen», erklärt er. Sind die Beschwerden einmal gefunden, behandelt und trainiert er mit seinen Patienten – zu denen auch viele Spitzensportler zählen – die Beschwerden weg. «Ich bereite aber auch Sportler auf ein bestimmtes Ziel vor», erzählt Cortese. Das gehe vom Marathon über ein Schwingfest bis zum Fussballspitzenspiel.

Aus der täglichen Arbeit entstanden

Aus dieser täglichen Arbeit mit den Patienten ist die Xbase entstanden. Zuvor hatte Cortese schon ein Nackenkissen und einen Haltungstrainer entwickelt und auf den Markt gebracht. «Nun wollten wir ein Trainingsgerät erfinden, das für jedermann und für jedes Training einsetzbar ist», sagt er. Und auch überall: die Xbase ist für ein Fitnessgerät ziemlich handlich und kann zu Hause, in einer Praxis oder auch in einem Fitnesscenter verwendet werden. «Sowieso kann man mit der Xbase einen Grossteil der Trainingsübungen ausführen, die man üblicherweise im Fitnessstudio absolviert», sagt Cortese. Auch Übungen, die oft bei der Rehabilitation angewendet werden, seien mit dem «Fitness-Ufo» möglich. Bis jetzt gebe es nichts Vergleichbares, sagt er. 2009 startet Cortese das Xbase-Projekt. «Zusammen mit Partnern habe ich die Xbase entwickelt und erste Prototypen herstellen lassen», erzählt er. 2011 laufen die ersten Fitnessgeräte vom Stapel. Ein weiterer Meilenstein gelingt dem Startup Adatto dieses Jahr, als man an einer renommierten Sportmesse in Deutschland eine Auszeichnung erhält.

Inzwischen beschäftigt das Jungunternehmen vier Angestellte, ist aber noch in der Praxis von Mirko Cortese eingemietet. Aus Kostengründen werden die Einzelteile der Xbase in Italien produziert. «Die Montage und die Qualitätskontrolle findet aber in der Schweiz statt», betont Cortese. Die Firma Dock aus Wolhusen – sie beschäftigt Langzeitarbeitslose aus dem Kanton Luzern – setzt die Xbase für Adatto zusammen.

An Tür, im Wasser, auf dem Rasen

Und so funktioniert die Xbase: Mit Hilfe ihrer 18 Saugnäpfe wird sie am Boden, an einer Türe oder einer anderen glatten Oberfläche fixiert. «Wer will, kann die Xbase mit einem Zusatzset auch auf dem Rasen verankern», sagt Cortese. Sogar unter Wasser könne die Xbase montiert werden. Danach bringt man an den sechs Haken der Basisstation die Gummischläuche an – dabei kann man aus drei verschiedenen Stärken auswählen. Dann kann es losgehen. «Man kann einzelne Körperteile trainieren oder auch ein Ganzkörpertraining durchführen», erklärt Cortese. Die Xbase biete unzählige Trainingsmöglichkeiten.

Trainerausbildung bei der Migros

Damit jedermann die Xbase künftig mit all ihren Möglichkeiten nutzen kann, baut Adatto zurzeit eine Xbase-Academy auf. «Wir lassen Leute zu Xbase-Trainern ausbilden», sagt Cortese. Mit der erworbenen Lizenz können diese dann eigene Kurse anbieten. In der Schweiz bietet die Migros-Klubschule ab kommendem Herbst bereits Kurse an. «Wir sind immer auf der Suche nach neuen und innovativen Produkten – die Xbase ist meiner Meinung nach ein solches Gerät», sagt Peter Regli, Leiter Wellness & Fitness Fachausbildungen von der Klubschule Migros Luzern. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Xbase. «In Deutschland haben wir mit dem renommierten Anbieter IFAA Verträge unterschreiben», sagt Cortese. Auch in Italien soll eine entsprechende Ausbildungsstruktur aufgebaut werden.

Auf 1000 Stück wird schon trainiert

Insgesamt sind schon gut 1000 Xbase im Einsatz. 20 zum Beispiel im Wolhuser Fitnesscenter «Fitness Connection». «Das Sportcenter bietet schon Kurse an», so Cortese. Trotz des Erfolgs mit der Xbase gehen ihm die Ideen nicht aus. Wir werden die Xbase stetig weiterentwickeln », sagt er. Bereits hat er eine kompatible Sprintweste und auch eine «Lightversion» der Xbase entwickelt. Diese besteht nur aus den Plastikschläuchen und einer Vorkehrung, die ganz simpel an einer Türe befestigt werden kann. «Das macht die Xbase für Physiotherapeuten attraktiv», sagt Cortese. So könnten die Patienten beim Arzt in der Praxis die Übungen auf der Xbase – ein Gerät kostet 489 Franken – durchführen. Zu Hause dann die Übungen mit der günstigeren Lightversion (Kosten: 99 Franken) wiederholen. «Oder im Wald», ergänzt Cortese. Die Lightversion lässt sich nämlich problemlos an einem Baum befestigen.

Apropos attraktiv: Die Xbase ist nicht nur ein Gerät für Praxen und Fitnesscenter. «Zurzeit testen verschiedene Fussballklubs aus der deutschen Bundesliga unser Gerät», sagt Cortese stolz.