Gesundheit
Wundermittel gegen Kater: So will das Schweizer Startup Kaex die Welt erobern

Zu viel Glühwein getrunken? Das Produkt «Kaex» der Firma ph. AG hilft gegen Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Nun expandiert das Unternehmen nach Deutschland und Österreich.

Sarah Kunz
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Glühwein schmeckt gut. Am nächsten Tag folgt aber oft ein Kater. Dagegen hilft das Produkt eines Schweizer Startups.

Glühwein schmeckt gut. Am nächsten Tag folgt aber oft ein Kater. Dagegen hilft das Produkt eines Schweizer Startups.

KEYSTONE/Patrick Seeger

Am Abend bei sanfter Beleuchtung der Lichterketten mit den Freunden einen Glühwein trinken, die Hände gewärmt an der heissen Tasse. Vielleicht noch einen zweiten, dann einen dritten. Wohlige Wärme breitet sich aus, Heiterkeit, Freude. Am nächsten Morgen folgt aber der Hammer. Der Schädel brummt, der Mund ist trocken, der ganze Körper fühlt sich an wie durch einen Fleischwolf gepresst. Die Folgen des Alkoholkonsums zeigen sich in Form eines grässlichen Katers. Wie schön wäre es, wenn es dagegen ein Mittelchen gäbe, fragte sich bestimmt schon so manch einer.

So sieht das Wundermittel aus.

So sieht das Wundermittel aus.

Screenshot

Gibt es. Und das bereits seit zwei Jahren. «Kaex basic» nennt sich der Fitmacher nach einer durchzechten Nacht. Anders als etwa Aspirin ist das Produkt kein Schmerzmittel und überdeckt nicht nur die Schäden, die der Alkohol dem Körper zufügt. Mittels 25 Substanzen - etwa Magnesium, Vitamine, Elektrolyte und Zink - sollen dem Körper die Stoffe wieder zurückgegeben werden, die der Alkohol ihm entzogen hat. In Kombination mit seinem Bruder – «Kaex dolo», das zusätzlich mit Schmerzmitteln gegen das Schädelbrummen angereichert ist – wird es als ultimative Anti-Kater-Methode vermarktet.

Im Jahr 2017 kam das Wundermittel des Schweizer Startups ph. AG auf den Markt. Mittlerweile ist es in allen Apotheken, Drogerien, bei Manor, Coop, Migros und auch online erhältlich. Und jetzt steht das Unternehmen kurz vor dem internationalen Durchbruch: Ende dieses Monats wird «Kaex» in Deutschland lanciert. Apotheken in Österreich sollen im Mai folgen.

Werbebudget von 10 Millionen Euro dank Investoren

Dafür rührt das Unternehmen die ganz grosse Werbetrommel, das Budget für den Launch in den beiden Nachbarländern beträgt über 10 Millionen Euro. Das Geld stammt aber nicht allein aus eigener Kasse: «Als Startup sind wir auf Investoren angewiesen», sagt Gründer Pedro Schmidt. Einer der Geldgeber ist beispielsweise ProSiebenSat.1, der deutsche Fernseh- und Unterhaltungsriese. Das Medienunternehmen hat laut Schmidt einen Betrag im mittleren, einstelligen Millionenbereich investiert. Wegen Corona startet die Werbekampagne erst im Mai 2021.

Marketing allein sei aber nicht der Hauptgrund für den Erfolg von «Kaex». «Als das Coronavirus ausbrach, wurde uns der Markt unter den Füssen weggezogen», sagt Schmidt. «Wir mussten unsere gesamten Werbeausgaben auf Null reduzieren.» Nach dem Ende des ersten Lockdowns habe sich der Verkauf des Anti-Kater-Mittels schnell von selber wieder erholt. Ohne Werbung. Schmidt zieht daraus das Fazit: «Unser Produkt verhebt auch ganz von alleine.»

Das endgültige Ziel: Die globale Expansion

Die Schweiz, Deutschland und Österreich: Das reicht dem Unternehmen noch nicht. «Wir haben uns von Anfang an vorgenommen, unser Produkt irgendwann weltweit zu vertreiben», sagt Schmidt. Dass es noch nicht so weit ist, liege an der Infrastruktur. Das Unternehmen ist noch klein, beschäftigt nur 18 Mitarbeitende. Deshalb konzentriert es sich momentan auf den europäischen Markt.

«Wir stehen aber gerade kurz vor einem Vertragsabschluss mit dem Chemiekonzern DSM», sagt Schmidt. Das holländische Unternehmen ist weltweit tätig und unterstützt das Schweizer Startup im Aufbau, damit es künftig ebenfalls global expandieren kann. Schmidt, der «Kaex» nach fünf Jahren Forschung übrigens selbst entwickelte, zeigt sich zuversichtlich: «Sobald wir bereit sind, erobern wir die Welt.»