New York
Xanadu: Shopping-Tempel erhält neue Chance

Kanadier wollen eines der grössten Vergnügungscenter der USA nun endlich realisieren – vor den Toren New Yorks. 42 Millionen Besucher sollen den Tempel jährlich besuchen.

Renzo Ruf, Washington
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Vielleicht war es der Name: Xanadu heisst der gigantische Komplex vor den Toren New Yorks, an dem seit 2004 gebaut wird. Eine Mischung aus Einkaufszentrum und Vergnügungspark, samt überdachter Skipiste, Luxushotel, Restaurants und Büroräumlichkeiten.

Xanadu nannte der Filmemacher Orson Welles in seinem Meisterwerk «Citizen Kane» aber auch das luxuriöse Anwesen der tragischen Titelfigur, das nie vollendet werden konnte. «Seit den Pyramiden ist Xanadu das kostspieligste Monument, das ein Mensch sich selbst erstellt hat», heisst es im Filmklassiker aus dem Jahr 1941.

Wahrscheinlich aber war es das schlechte Timing: Die Wiederkehr von Xanadu stand von Beginn an auf wackligen Beinen. Die Bauarbeiten liefen schleppend an, die Planung schien unausgereift. Dann musste sich der Investor Mills Corporation im Frühjahr 2007, als die Blase auf dem amerikanischen Immobilienmarkt platzte, in die Hände der Konkurrenz flüchten.

Lehman-Pleite bringt Wende

Sonst wäre Mills wohl pleitegegangen. Der nächste Besitzer – Colony Capital – kämpfte im Zuge des Bankrotts des Investmenthauses Lehman Brothers, eines wichtigen Geldgebers, mit Liquiditätsproblemen.

Obwohl bereits 80 Prozent fertiggestellt waren, stellte Colony im Jahr 2009 die Bauarbeiten ein. Seither herrscht Stillstand in den Meadowlands, dem ehemaligen Wiesenland entlang dem Fluss Hudson, in Sichtweite des Empire State Building – obwohl die Investoren bereits 1,9 Milliarden Dollar in den Komplex verbuttert hatten.

Eine «gescheiterte Geschäftsidee» sei der über 400000 Quadratmeter grosse Komplex, ätzte bereits die öffentliche Hand.

Doch noch ist das «hässlichste Gebäude im Staat New Jersey», wie es im Volksmund genannt wird, nicht verloren. Vor einigen Tagen gab der umtriebige Gouverneur Chris Christie öffentlich bekannt, dass der neue Eigentümer die Bauarbeiten wieder aufnehmen wolle.

Beim mittlerweile dritten Besitzer des 446000 Quadratmeter grossen Komplexes handelt es sich um die kanadische Firma Triple Five, die durch das iranischstämmige Brüderquartett Ghermezian kontrolliert wird.

Eröffnung für 2013 geplant

Der Ghermezian-Clan hat mehrfach bewiesen, dass er keine Angst vor Gigantismus besitzt. Zwei der weltweit grössten Malls befinden sich im Besitz des Konsortiums: Die West Edmonton Mall in Kanada (350000 Quadratmeter) und die Mall of America in Minneapolis (258200 Quadratmeter Einkaufsfläche).

Letztere ist derart voluminös, dass im Winter die Jogger – vor der Öffnung der Geschäfte – darin ihre Runden drehen. Beide Komplexe haben gemein, dass sie nicht nur auf die Kar-te Detailhandel setzen, sondern auch Kinos, Schwimmbäder und Rummelplätze unter dem Dach eines Shoppingzentrums vereinigen.

Mit Erfolg: In Minneapolis konnte im vorigen Jahr einen Umsatz von fast 7000 Dollar pro Quadratmeter Ladenfläche ausweisen, annähernd das Doppelte des Durchschnittswerts in der Branche. In Edmonton lagen die Umsätze gar noch ein wenig höher.

42 Millionen Besucher sollen sich jährlich in die Mall of America verirren – und dies, obwohl im näheren Umkreis nur rund 3,5 Millionen Menschen wohnen.

Notorisch knapp bei Kasse

Vor den Toren der grössten US-Stadt New York sehen die Ghermezian-Brüder nun ein ungleich grösseres Potenzial. Deshalb haben sie dem Staat New Jersey zugesichert, noch einmal 1,5 Millionen Dollar in die Mall zu investieren.

Zudem soll die Verkaufsfläche weiter vergrössert werden, damit der Vergnügungstempel auch ein Freiluftkino und eine Eisbahn umfasse. Als Eröffnungstermin wird nun das Jahresende 2013 angepeilt, wie Gouverneur Christie jüngst erklärte.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird auch der Bundesstaat New Jersey sein Scherflein beitragen – Christie gab bekannt, dass der Fiskus auf 200 Million Dollar an Steuereinnahmen verzichte. Und dies, obwohl der Ostküstenstaat notorisch knapp bei Kasse ist und der Republikaner Christie ein radikales Sparprogramm durchpaukte. Einige Probleme allerdings gilt es noch zu lösen: So verbietet ein lokales Gesetz den Sonntagsverkauf. Und in unmittelbarer Nähe zum Einkaufszentrum befindet sich das topmoderne Stadium der beiden NFL-Teams Giants und Jets, die dort ihre Heimspiele absolvieren.

Die früheren Eigentümer von Xanadu hatten eingewilligt, ihren Tempel während dieser Football-Spiele
zu schliessen, damit sich Sportfans und Einkaufswütige nicht in die Quere kommen. Beobachter geben sich deshalb skeptisch über die Erfolgsaussichten: Die neuen Eigentümer hätten eine 50:50-Chance, sagte Howard Davidowitz, ein Branchenbeobachter.

Umgetauft in American Dream

Immerhin haben die Eigentümer den Assoziationen ein Ende gesetzt, die der Name Xanadu bisher auslöste. Der Vergnügungstempel wurde kurzerhand umgetauft und heisst nun American Dream @ Meadowlands.