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Kreuzfahrten sollen grüner werden

Kreuzfahrten boomen nach wie vor. Rund 30 Millionen Touristen werden in diesem Jahr ihren Urlaub auf einem Ozeanriesen verbringen. Die schwimmenden Kolosse stossen jede Menge Schadstoffe und Klimagase aus. Das wird sich jetzt langsam ändern.
Andreas Lorenz-Meyer
Umweltfreundlicher dank Flüssigerdgas: Das Kreuzfahrtschiff Aidanova ist seit Ende 2018 auf den Meeren unterwegs. (Bild: PD)

Umweltfreundlicher dank Flüssigerdgas: Das Kreuzfahrtschiff Aidanova ist seit Ende 2018 auf den Meeren unterwegs. (Bild: PD)

Im kroatischen Dubrovnik hat man die Notbremse gezogen. Seit diesem Jahr lässt die Adriastadt nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe pro Tag in den Hafen. So soll die Zahl der von Bord gehenden Touristen auf ein erträg­liches Mass reduziert werden. Und es gibt noch einen zweiten Effekt: Weniger Schiffe sorgen für weniger Umweltbelastung durch Russpartikel, Schwefel- und Stickoxide in Hafennähe.

Diese Schadstoffe gefährden die Gesundheit massiv. Sie sind es auch, die der Kreuzfahrtbranche viel Kritik eintragen. Einige arbeiten daran, die Ökobilanz zu verbessern. Die norwegische Postschiffreederei Hurtigruten etwa. Im Mai legt ihr neustes Flottenmitglied ab, die MS Roald Amundsen. Wie bei Kreuzfahrten üblich wird an Bord viel Amüsement geboten. So überträgt man die Bilder von Unterwasserdrohnen live auf Bildschirme. Das Besondere an dem Schiff ist aber der Elektroantrieb. Es kann mit Strom fahren, und das ist eine Neuheit in der Branche.

Schadstoffreduktion um 20 Prozent

Allerdings übernimmt die Batterie vorerst nur für kurze Zeit, hauptsächlich geht es ganz konventionell mit Marinediesel voran. Dennoch senkt die Hybridtechnologie, gemeinsam mit «fortschrittlicher Rumpfkonstruktion» und effizienter Nutzung des Bordstroms, den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen um 20 Prozent, so Hurtigruten. Man will die Kapazitäten zudem ausbauen, so dass künftig auch längere Fahrten mit Elektroantrieb möglich sind. Hurtigruten sieht eine «geräuschlose und emissionsfreie» Schifffahrt. Passagiere können sich dann über ein «intensiveres Naturerlebnis ohne Motorenkrach» freuen.

Auch Aida Cruises, deutsche Tochter des Konzerns Carnival, bemüht sich, nachhaltiger zu werden. Die Aidanova, seit November unterwegs, fährt zu 100 Prozent mit Flüssigerdgas, kurz LNG (liquified natural gas). Hier wird Erdgas zwecks Verflüssigung auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt. So hat es viel weniger Volumen und kann besser gelagert und transportiert werden.

Laut Aida Cruises verringern sich die Stickoxid-Emissionen der Aidanova dank LNG um 80 Prozent und der Ausstoss von Russpartikeln und Schwefeloxiden um 100 Prozent. In Sachen Gesundheit klare Verbesserungen gegenüber Schweröl und ­Marinediesel. Ob LNG auch fürs Klima besser ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Aida Cruises gibt für sein LNG-Schiff 20 Prozent weniger CO2-Emissionen an. Jedoch hat Flüssigerdgas grundsätzliche Nachteile. So wird Erdgas zum Teil mittels Fracking gefördert – eine sehr umstrittene Methode, zudem besteht es hauptsächlich aus Methan, welches um ein Vielfaches klimawirksamer ist als Kohlendioxid. Bei Transport und Einsatz auf dem Schiff kann es entweichen. Weiteres Minus: Die Infrastruktur für die Betankung muss erst geschaffen werden.

Untätige Branchenriesen

Trotzdem: Die Aidanova ist aktuell das Vorzeigeschiff der Branche. Die deutsche Naturschutzorganisation Nabu setzte es beim Kreuzfahrt-Ranking 2018 auf Platz 1. Von der allgemeinen Entwicklung zeigt man sich aber enttäuscht. 75 der 76 untersuchten Schiffe, darunter 8 der 9 neuen, würden «am dreckigsten aller Kraftstoffe», dem Schweröl, festhalten. Besonders die «Branchenriesen» MSC Cruises, Celebrity Cruises und Royal Carib­bean hätten beim Umweltschutz «kaum etwas zu bieten». Nur Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises könnten bei der Luftreinhaltung einigermassen mithalten. Ihre jüngsten Flottenzugänge hätten Stickoxid-Katalysatoren oder seien für die Versorgung mit Landstrom während des Hafenbetriebs gerüstet. Einen Partikelfilter zur Senkung der besonders gesundheitsschädlichen Russpartikel suche man jedoch auch bei diesen Schiffen vergeblich. Ein massiver technologischer Wandel sei nötig.

Umwelt ist für Touristen zweitrangig

Fabian Weber vom Institut für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern zeigt sich ähnlich kritisch: «Zwar haben sich die Antriebe bei einigen neuen Schiffen in punkto Umweltbelastung verbessert, allerdings auf sehr tiefem Niveau. Die allermeisten Schiffe sind nach wie vor mit umweltschädlichen Antrieben unterwegs.» Eine generelle Trendwende erkennt Weber nicht. Vom klimaneutralen Kreuzfahrtschiff, das zu 100 Prozent mit Ökostrom fährt, sei man noch weit entfernt. Zwar hat sich die Weltschifffahrtorganisation IMO verpflichtet, die Emissionen bis 2050 zu halbieren, was zu weiteren Verbesserungen führen sollte. «Ein wesentliches Mass an Umweltbelastung bei Kreuzfahrtschiffen bleibt aber bestehen.» Zumal von den Passagieren wenig Veränderungsdruck ausgehen dürfte.

«Der ökologische Gedanke steht bei Kreuzfahrttouristen, wie übrigens auch bei den meisten anderen Touristen, nicht im Vordergrund. Er spielt beim Buchungsentscheid kaum eine Rolle.» Ein zunehmendes Bewusstsein für Aspekte des nachhaltigen Reisens lasse sich aber erkennen, wenn auch momentan noch auf tiefem Niveau. Möglicherweise helfe die aktuell wieder aktivere Klimabewegung, das Umweltbewusstsein auch bei den Kreuzfahrtpassagieren zu schärfen.

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