Zahlen und Fakten zum Uber-Börsengang

Die Erfolgsstory von Uber erreicht am Freitag in New York einen Höhepunkt. Doch es gibt einen grossen Abwesenden.

Renzo Ruf, Washington
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Vor dem milliardenschweren Börsengang des Fahrdienstvermittlers Uber haben die Fahrer  die Arbeit niedergelegt. Mit dem Streik wollen sie auf die Diskrepanz zwischen ihren Arbeitsbedingungen und den erwarteten Gewinnen der Investoren bei dem Börsengang hinweisen. Bild: Eric Risberg/AP (San Francisco, 8. Mai 2018)

Vor dem milliardenschweren Börsengang des Fahrdienstvermittlers Uber haben die Fahrer  die Arbeit niedergelegt. Mit dem Streik wollen sie auf die Diskrepanz zwischen ihren Arbeitsbedingungen und den erwarteten Gewinnen der Investoren bei dem Börsengang hinweisen. Bild: Eric Risberg/AP (San Francisco, 8. Mai 2018)

Heute startet Uber an der New Yorker Börse den Handel mit den Aktien des US-Konzerns. Warum gerade jetzt?

Zehn Jahre nach der Gründung des Unternehmens wollen namhafte Uber-Investoren Kasse machen. Die rund 207 Millionen Aktien, die in den Handel kommen, stammen unter anderem aus dem Portfolio grosser Geldgeber wie dem japanischen Mischkonzern Softbank, der Beteiligungsgesellschaft Benchmark und dem saudischen Staatsfonds PIF. Softbank will mit dem Börsengang von Uber – zumindest auf dem Papier– einen Gewinn von rund 3 Milliarden Dollar erzielen. Das entspricht etwas weniger als der Hälfte der Summe, die der japanische Mischkonzern Anfang 2018 aufwerfen musste, um bei Uber einzusteigen. Insgesamt dürfte der Börsenwert der US-Firma rund 86 Milliarden Dollar betragen. Das hängt jedoch noch vom Ausgabepreis ab, der heute bekannt gegeben wird.

Gehören auch die Gründer von Uber zu den Gewinnern des Börsengangs?

Der 40-jährige Garrett Camp ist der eigentliche Erfinder von Uber. Die Legende besagt, dass der kanadische Tüftler 2008 am Rande einer Konferenz in Paris ein derart schlechtes Erlebnis mit einem französischen Taxi-Fahrer hatte, dass er – zurück in seinem Wohnort San Francisco – eine App erfand, mit der man sich einen privaten Chauffeur bestellen konnte. Als einen der ersten Angestellten heuerte er Travis Kalanick (42) an, mit dem er 2008 die Konferenz in Paris besucht hatte. Camp und Kalanick gelten deshalb als Gründerväter. Sie sind weiterhin die beiden grössten privaten Aktionäre. Camp besitzt 6 Prozent der Uber-Ak­tien, und Kalanick kontrolliert 8,6 Prozent des Unternehmens. Beide sitzen im Verwaltungsrat.

Ist Kalanick nicht eine umstrittene Figur?

In der Tat. Der langjährige Konzernchef war für die rasante Expansion des Fahrdienst-Vermittlers verantwortlich, während der es Uber mit Gesetzen und Vorschriften nicht immer so genau nahm; gleichzeitig verursachte er eine Reihe von Kontroversen, auch aufgrund seines ungehobelten Auftretens. 2017 hatten namhafte Investoren genug von seinen Eskapaden, und Kalanick wurde zum Rücktritt gezwungen. Wenn am Freitag die Uber-Führungsriege auf dem Balkon der New Yorker Börse die Glocke läutet, um den Handelsbeginn zu markieren, wird der Multi-Milliardär deshalb nicht Teil der jubelnden Menge sein. Sein Nachfolger an der Uber-Spitze, Dara Khosrowshahi, habe ihm beschieden, er sei auf dem NYSE-Balkon nicht erwünscht, schrieb die «New York Times» kürzlich.

Gemäss den letzten Zahlen wird Uber mit 75 Milliarden Dollar bewertet, deutlich weniger als noch im vorigen Jahr. Was ist passiert?

Die Analysten haben ihre hochfliegenden Erwartungen etwas stärker der Realität angepasst. Mit ein Grund dafür: Der enttäuschend verlaufene Börsengang von Uber-Konkurrent Lyft. Lyft, dessen Aktien an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden, hat seit Handelsbeginn Ende März gegen 40 Prozent des Werts verloren. Die soeben veröffentlichten Quartalszahlen bestätigten, dass Lyft zwar mehr Einnahmen erzielte, auch weil es dem Unternehmen gelang, neue Kunden zu gewinnen, gleichzeitig stiegen aber auch die Ausgaben massiv an. Beobachter sagen, dies sei die eigentliche Knacknuss, mit der sich Fahrdienst-Vermittler konfrontiert sähen: Der Ausbau des Chauffeur-Netzes koste viel Geld, und die Einnahmen hielten nicht Schritt. Auch deshalb betrug der Verlust von Lyft in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 1,1 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Uber verlor im vierten Quartal 2018 rund 770 Millionen Dollar. Konzernchef Khosrowshahi behauptet allerdings, der Vergleich mit Lyft sei nicht zulässig. Er sagt, Uber sei ein moderner Logistikkonzern, weil das Unternehmen in Zukunft vor allem auf Dienstleistungen wie den Mahlzeiten-Kurier UberEats setze.

Apropos Dienstleistungen. Was halten eigentlich die Uber-Chauffeure vom Börsengang?

Die Begeisterung hält sich, zumindest im Heimatland, in Grenzen. Am Mittwoch protestierten Hunderte von Uber- und Lyft-Fahrer in den grössten amerikanischen Metropolen gegen tiefe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen.