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Zeichen beim Arbeitsmarkt stehen auf Abschwung

Noch läuft der Arbeitsmarkt rund. Doch Indikatoren wie Stelleninserate oder Kurzarbeit zeigen eine Eintrübung an.
Thomas Griesser Kym
Noch sprühen die Funken im Maschinen- und Metallbau. (Bild: Benjamin Manser)

Noch sprühen die Funken im Maschinen- und Metallbau. (Bild: Benjamin Manser)

Der Schweizer Arbeitsmarkt ist in robuster Verfassung. Die Arbeitslosenquote betrug im August 2,1 Prozent, und im dritten Quartal 2019 ist die Zahl der Stelleninserate im Vorjahresvergleich um 5 Prozent gestiegen. Das zeigt der jüngste Adecco Group Swiss Job Market Index, den der Stellen- und Personalvermittler Adecco zusammen mit der Universität Zürich erstellt. In der Ostschweiz nahm dieser Stellenindex im Jahresvergleich gar um 7 Prozent zu. So weit die gute Nachricht. Die weniger gute: Die Zunahme ist geringer als in den vergangenen Quartalen. Und die schlechte: Gegenüber dem Vorquartal ist die Zahl der Stelleninserate um 4 Prozent gesunken.

Was das genau bedeutet, darüber will Adecco noch nicht orakeln. «Es bleibt abzuwarten, ob dies ein erstes Anzeichen dafür ist, dass Unternehmen im Rahmen der Personalsuche auf die unsichere Wirtschaftslage reagieren», kommentiert Nicole Burth, Chefin der Adecco-Gruppe Schweiz. Diese «unsichere Wirtschaftslage» spiegelt sich zum einen in den nach unten revidierten Wachstumsprognosen für die Schweizer Wirtschaft. Zum anderen hängt über dieser wie ein Damoklesschwert ein unheilvolles politisches Gemenge: Der Handelskonflikt zwischen China und den USA, die Ungewissheit um den Brexit, der Atomstreit mit Iran – all dies schürt Verunsicherung und dazu, dass sich Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. Zudem läuft der Konjunkturmotor Deutschlands, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz, im Sog des Abschwungs der Autoindustrie weniger rund als auch schon, was Schweizer Zulieferer zu spüren bekommen.

«Die Firmen entlassen nicht umgehend Personal»

Das zeigt sich exemplarisch in der stark exportorientierten Maschinen-, Elektro und Metallindustrie (MEM-Industrie). Diese «verliert weiter an Dynamik», wie jüngst beispielsweise der Branchenverband Swissmechanics in Weinfelden festgestellt hat. So berichtet für das zweite Quartal bereits jedes zweite Unternehmen von weniger Aufträgen als in der Vorjahresperiode, und 40 Prozent der Firmen beklagen sinkende Margen. Auch der Adecco-Index liefert einen Hinweis: Zwar wurden im dritten Quartal in der Berufsgruppe Bau und Industrie 13 Prozent mehr Personal gesucht als vor Jahresfrist. Doch dieser Anstieg ist vor allem Stelleninseraten für Berufen auf Baustellen und im Ausbaugewerbe zu verdanken. Und: Gegenüber dem Vorquartal stagnieren die Stelleninserate bereits.

Ökonom Peter Eisenhut, Managing Partner bei der St.Galler Beratungsfirma Ecopol AG, bestätigt die Adecco- Befunde. «Gegenwärtig ist der Arbeitsmarkt noch in guter Verfassung.» Je nach Branche reagiere er aber auf Veränderungen der Auftragseingänge «mit einer Verzögerung von acht bis zwölf Monaten.» Denn: «Die Firmen entlassen nicht umgehend Personal, wenn die Aufträge abnehmen.» Mit Blick aufs nächste Jahr rechnet Eisenhut aber damit, dass der Auftragseinbruch in der MEM-Industrie Folgen haben wird für den Arbeitsmarkt: «Im Industriesektor werden wir uns mit schlechteren Arbeitsmarktzahlen auseinandersetzen müssen.» Und Eisenhut erwartet «eine Zunahme der Kurzarbeit».

Voranmeldungen für Kurzarbeit verdoppelt

Was sagt das Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen dazu? Amtsleiterin Karin Jung geht ebenso davon aus, dass «wir bei der Arbeitlosenquote einen Tiefpunkt erreicht haben», zumal diese im Herbst und Winter ohnehin aus saisonalen Gründen wie weniger Arbeit auf dem Bau oder im Tourismus anzusteigen pflegt. Aber Jung beobachtet auch, dass die Voranmeldungen für Kurzarbeit zunehmen: «Im September haben sich die Zahl der Betriebe und jene der betroffenen Mitarbeitenden im Vorjahresvergleich verdoppelt.» Doch Karin Jung schiebt nach: «Wir sprechen noch immer von einem tiefen Niveau, und wir sehen keine Anzeichen einer Rezession.» Aber: «In der Industrie dürfte es schwieriger werden», während es bei den Dienstleistungen anders ausschaue. Das sieht auch Peter Eisenhut so: «Der Binnenmarkt und der Privatkonsum laufen weiterhin gut.»

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