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ZELL: Der Poulet-Boom beflügelt Bell

Geflügel und Charcuterie sind die Wachstumstreiber der Bell Food Group. In der Schweiz schlachtet der grösste Schweizer Fleischverarbeiter seine Hühner in Zell.
Raphael Bühlmann
Beliebt bei den Schweizern: Der Pouletkonsum nimmt hierzulande zu. (Bild: Getty)

Beliebt bei den Schweizern: Der Pouletkonsum nimmt hierzulande zu. (Bild: Getty)

Raphael Bühlmann

Das Huhn hat Hochkonjunktur. International und in der Schweiz. Hierzulande zählte das Bundesamt für Statistik 2017 rund 11 Millionen Stück. Zugenommen haben vor allem die Mastpoulets. Ihre Anzahl hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Rund 8 Millionen Tiere sind es heute, ein Zehntel davon befinden sich im Kanton Luzern. Die Zunahme ist Ausdruck des gestiegenen Konsums, der sich auch beim bedeutendsten Schweizer Fleischverarbeiter manifestiert. In Zell betreibt die Bell Food Group mittlerweile den grössten Schlachthofhof der Zentralschweiz, wo ausschliesslich Schweizer Geflügel von 350 Bauernhöfen verarbeitet wird.

2017 wurden im Luzerner Hinterland insgesamt über 22 Millionen Poulets geschlachtet. 2007 waren es 16 Millionen. Das entspricht einer Zunahme von 38 Prozent. Dabei überproportional gewachsen ist der Anteil an Tieren aus Freiland- und Biohaltung. «Die Produktion von Biopoulets hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht» schreibt Bell auf Anfrage.

Hohe Investitionen in den Standort Zell

Der Umsatz am Standort Zell sei in den letzten Jahren jeweils zwischen 1 und 3 Prozent gewachsen, erklärt Bell weiter. Heute beschäftige man 420 Mitarbeiter, wobei mittlerweile zahlreiche weitere Betriebe mit dem Schlachthof wirtschaftlich eng verbunden seien. Bell unterstreicht auch die logistische Bedeutung des Standorts in Zell. «Die bäuerlichen Geflügelproduzenten sind in der ganzen Deutsch- und Westschweiz verteilt. Die zentrale Lage in Zell ermöglicht kurze Transportwege.» Und so habe man im Luzerner Hinterland in den vergangenen Jahren laufend investiert. Zuletzt über 30 Millionen Franken in eine neue Kühl- und Zerlegeanlage.

Die Erweiterung in Zell ist aber nur ein Ausbauprojekt von Bell in der Schweiz. Der grösste Schweizer Fleischverarbeiter investiert vor allem auch an den Standorten Basel und Oensingen. 2017 begannen die Bauarbeiten für das neue Parkhaus am Hauptsitz in Basel. In Oensingen ist ein Erneuerungsbau des Rinderschlachthofes geplant. Bereits 2017 wurde dort in die Produktion von Hackfleisch investiert, um der ebenfalls gestiegenen Nachfrage nachkommen zu können. Ein neues Tiefkühllager sowie ein Parkhaus befinden sich in der Abschlussphase.

Insgesamt verarbeitet Bell in der Schweiz einheimische Schlachttiere im Wert von über 850 Millionen Franken. Und obschon die einheimischen Rohmaterialpreise stabil geblieben sind, harzt im Inland der Absatz. Bell macht dafür unter anderem den anhaltenden Einkaufstourismus sowie den steigenden Konkurrenzkampf im Detailhandel verantwortlich. Auch die Festtagsgeschäfte an Ostern und Weihnachten seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Grillsaison sei dafür erfreulich verlaufen.

Umsatz und Gewinn steigen um knapp 6 Prozent

Unter dem Strich konnte Bell den Absatz in der Schweiz dennoch um rund 1,2 Prozent auf 125,5 Millionen Kilogramm steigern. Der Umsatz wuchs um 2,8 Prozent auf 2 Milliarden Franken. Dies sei aber nicht organisch begründet, sondern auf die letztjährigen Akquisitionen von Geiser und Cher-Mignon zurückzuführen. Bell Schweiz beschäftigte letztes Jahr 3613 Personen (FTE), zehn mehr als im Vorjahr. Auf internationaler Ebene legte die Bell Food Group deutlicher zu. Mit mehr als 10000 Mitarbeitern in zehn Ländern und an 43 Produktionsstandorten steigerte Bell 2017 Umsatz und Gewinn um je knapp 6 Prozent. 3,6 Milliarden Franken setzte die Gruppe 2017 um. Das Absatzvolumen stieg um 9,6 Prozent auf 453,8 Millionen Kilogramm. Der Jahresgewinn belief sich auf 106,5 Millionen Franken.

Zu diesem guten Gesamtergebnis beigetragen habe ebenfalls die positive Entwicklung im Bereich Geflügel. Am stärksten nahm 2017 der Absatz von Poulet- und Trutenfleisch zu, nämlich um satte 19 Prozent. Insgesamt verkaufte Bell in dieser Produktgruppe 152,3 Millionen Kilogramm. Darin widerspiegelt sich die Übernahme des österreichischen Geflügelspezialisten Hubers von 2016.

In der Schweiz sowie international forciert Bell weiterhin das Geschäft im Convenience-Bereich. Dies durch die vollständige Übernahme der Hilcona und Eisberg sowie der Akquisition der auf vegetarische Produkte und Teigwaren spezialisierten Frostag Food-Centrum AG in Landquart.

Einkauftourismus bleibt auf hohem Niveau

Bereits im Januar hat Bell die Übernahme der Dr. A. Stoffel Holding AG bekanntgegeben, der Mehrheitsaktionärin des international tätigen Nahrungsmittelherstellers Hügli Holding AG. Die sich noch im Publikum befindenden Aktien der Hügli Holding AG will Bell zum Preis von 915 Franken pro Aktie ebenfalls kaufen. Der komplette Geschäftsgang scheint die Bell-Führung zuversichtlich zu stimmen. Der Generalversammlung ist eine Erhöhung der Dividende von 7 auf 8 Franken pro Aktie vorgeschlagen. Damit erhöht Bell die Ausschüttungsquote auf die in der Finanzstrategie angepeilten 30 Prozent.

Trotz des erfreulichen Geschäftsganges scheint Bell mit wesentlichen Unsicherheiten in der Zukunft konfrontiert. Nach eigenen Angaben seien für die Bell Food Group zwei Faktoren dabei massgebend: die Rohmaterialpreise sowie das Konsumverhalten. Bei Ersterem hält Bell fest, dass die entsprechenden Marktpreise sehr volatil seien und kurzfristig in Abhängigkeit von Verfügbarkeit, regulatorischen Markteingriffen, Spekulation oder kurzfristigen Konsumverschiebungen schwanken.

Auf der Absatzseite sei Bell vor allem von der Verbraucherstimmung und der Kaufkraftentwicklung abhängig. In der Schweiz habe zudem die Bewertung des Euro gegenüber dem Schweizer Franken direkte Folgen auf den bereits sehr starken Einkaufstourismus, aber auch auf die Konjunkturentwicklung und auf die Konsumstimmung.

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