ZEMENTINDUSTRIE: Lafarge Holcim kommt in Schwung

Der Zementkonzern lässt den Glanz seiner Grösse aufblitzen und begeistert die Investoren. Trotzdem gab es gestern auch negative Schlagzeilen.

Daniel Zulauf
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Das im September 2014 geschlossene Lafarge-Holcim-Werk in Nordsyrien. Bild: Daniel Riffet/AFP (27. Februar 2017)

Das im September 2014 geschlossene Lafarge-Holcim-Werk in Nordsyrien. Bild: Daniel Riffet/AFP (27. Februar 2017)

 

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

«Das vergangene Jahr hat gezeigt, welches Potenzial in Lafarge Holcim steckt», sagte Konzernchef Eric Olsen anlässlich der Präsentation der Jahresergebnisse gestern in Zürich. Der ­frühere Lafarge-Manager, der in der Ausmarchung um die Führungspositionen beim Fusionsunternehmen zu den Siegern ­gehörte, verdankte seine Wahl gestern mit der Vorlage eines für die Aktionäre tollen Jahresabschlusses.

Zwar musste Lafarge Holcim im ersten vollen Geschäftsjahr seit der Mitte 2015 vollzogenen Fusion zwischen den beiden ehemaligen Rivalen aus der Schweiz (Holcim) und Frankreich (La­farge) einen deutlichen Rückgang der verkauften Mengen an Zement, Zuschlagstoffen und Transportbeton hinnehmen. Doch diese zum Teil durch fusionsbedingte Portfolioanpassungen, aber auch durch konjunkturelle Faktoren verursachten Volumeneinbussen wirkten sich im Umsatz weit weniger stark aus. Der Rückgang der Verkäufe im Berichtsjahr um 8,7 Prozent auf 26,9 Milliarden Franken blieb auf vergleichbarer Basis mit –1,7 Prozent relativ gering.

Lafarge Holcim konnte im vergangenen Jahr die Preise erhöhen und damit die Volumeneinbussen grösstenteils kompensieren. Die Preiserhöhungen sind als Anzeichen für die sich verbessernde konjunkturelle Lage in verschiedenen wichtigen Märkten zu werten. Im laufenden Jahr erwartet Olsen eine Beschleunigung des Wachstums auf 2 bis 4 Prozent, wobei er nebst der erwarteten Erholung einiger Schwellenmärkte auch eine Beschleunigung der Marktdynamik in verschiedenen europäischen Ländern vorwegnimmt.

Unter dem Strich können sich die Aktionäre über eine massive Gewinnsteigerung freuen. Das Ergebnis von 1,8 Milliarden Franken ist aufgrund der Fusion mit dem Vorjahr kaum vergleichbar. Sichtbar wird das Gewinnpotenzial des Konzerns aber allemal. Nach Darstellung von Lafarge Holcim beläuft sich der wiederkehrende Gewinn unter Ausklammerung der Sondereinflüsse im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss auf 1,9 Milliarden beziehungsweise auf 1,6 Milliarden Franken allein für die LafargeHolcim-Aktionäre. Das entspricht nach den Berechnungen des Unternehmens einer Verdoppelung im Vergleich mit der Proforma-Rechnung des Vorjahres.

Dividende wird auf 2 Franken erhöht

Eine mindestens so wichtige Kennzahl wie der Gewinn ist für die Aktionäre aber der freie Cashflow. Das sind die Mittel, die das Unternehmen betrieblich erarbeitet hat und nicht für Investitionen einsetzen muss. Dieser Cashflow hat im Berichtsjahr 1,7 Milliarden Franken erreicht, und er ist der vielleicht eindrücklichste Beleg für die wirtschaft­liche Logik der Zementfusion.

Die beiden Konzerne verfügen zusammen über eine breite Abdeckung an Produktionsstandorten weltweit und müssen deshalb nur noch vergleichsweise geringe Summen in die geografische Expansion investieren. Als Folge davon sind die Investitionen in die Expansion 2016 um mehr als 800 Millionen Franken zurückgegangen. Das freigesetzte Kapital soll nun sukzessive an die Aktionäre fliessen. Diese erhalten für das zurückliegende Jahr eine um 50 Rappen erhöhte Dividende von 2 Franken pro Aktie.

Die Möglichkeiten von Lafarge Holcim zur Steigerung der Effizienz haben allerdings auch Schattenseiten. Rund 10000 Mitarbeiter haben im Zug der Fusion ihren Job verloren.