ZENTRALSCHWEIZ: Bald gibt es nur noch Digital-TV

Bis zum 24. November schaltet UPC Cablecom in über 70 Gemeinden alle analogen TV-Sender ab. Betroffen sind vor allem die Kantone Luzern, Uri und Obwalden.

Hans-Peter Hoeren
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Die Ära des analogen Fernsehens in der Schweiz geht zu Ende. (Bild: Keystone)

Die Ära des analogen Fernsehens in der Schweiz geht zu Ende. (Bild: Keystone)

Für die UPC Cablecom ist es ein Pilotprojekt. Erstmals stellt der Kabelnetzbetreiber in einer Region vollständig das analoge Fernsehen ein und bietet nur noch Digital-TV an. Die Wahl fiel dabei auf die Zentralschweiz. Am 18. und 24. November dieses Jahres werden in zwei Etappen in mehr als 70 Gemeinden in Teilen der Kantone Luzern, Uri, Obwalden und Nidwalden sowie im Freiamt die 18 verbliebenen analogen TV-Sender abgestellt. Gesamthaft sind gemäss UPC Cablecom rund 83 000 Kunden betroffen.

«Die Kunden-, die Haushaltsstruktur und die Verbreitung der digitalen Angebote ist in der Zentralschweiz derart repräsentativ, dass sie sich ideal für dieses Pilotprojekt eignet», erklärte Frank Zelger, Leiter Kundengeschäft der UPC Cablecom, gestern bei einer Medienkonferenz in Luzern. Nach der Pilotphase in der Zentralschweiz will das Kabelnetzunternehmen im Laufe des kommenden Jahres das analoge Fernsehen in der gesamten Schweiz einstellen.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die geplante Umstellung.

Was passiert am 18. und 24. November?

Aktuell strahlt die Cablecom noch 18 analoge Fernsehsender aus. Am 18. November werden 14 Kanäle abgeschaltet. Die restlichen vier Sender SRF 1, SRF 2, SRF info und Tele 1 werden ab dem 24. November nicht mehr analog empfangbar sein. «Die Umstellung erfolgt in zwei Wellen, damit die Kunden nochmals eine Woche Zeit haben, um zu reagieren und nachzurüsten», erklärt UPC-Cablecom-Mediensprecher Andreas Werz. Der Jugendsender Joiz hingegen wird gemäss einem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts noch bis 21. März 2015 analog verbreitet.

Welche Gemeinden sind betroffen?

Grosse Teile des Kantons Luzern; unter anderem die Stadt Luzern, Horw, Emmen, Sursee, Littau und Kriens. Zudem sind die Kantone Uri und Obwalden betroffen; unter anderem die Kantonshauptorte Altdorf und Sarnen, im Kanton Nidwalden die Gemeinde Hergiswil (eine Liste mit allen betroffenen Gemeinden finden Sie auf unserer Homepage, siehe Bonus).

Was bedeutet die Abschaltung für die Fernsehnutzer?

Aktiv werden müssen vor allem diejenigen Kunden mit einem älteren Fernsehgerät; Kunden mit einem Fernsehgerät, das älter als vier Jahre ist. Darunter fallen sowohl ältere Flachbildschirme als auch Röhren-TVs. Um digitales Fernsehen zu empfangen, benötigen diese einen Signalumwandler. Wurde dieser bei den letzten Senderabschaltungen nicht in­stalliert, würden die Kunden ab dem 24. November vor einer Mattscheibe sitzen. Wer hingegen bereits einen Flachbildschirm hat, der nicht älter als vier Jahre ist (diese neueren Geräte besitzen in der Regel einen digitalen Empfänger, den DVB-C-Tuner), schaut sehr wahrscheinlich bereits digitales Fernsehen. Gemäss UPC-Cablecom haben bereits 88 Prozent der Haushalte in der Schweiz einen Flachbildschirm.

Wie wechselt man von analogem auf digitales TV?

Um künftig digitales Fernsehen empfangen zu können, müssen Besitzer älterer Fernsehgeräte sich entweder einen Umwandler beschaffen oder ein neues TV-Gerät kaufen. Der Umwandler kann kostenlos bei der UPC Cablecom bezogen werden. Vorgesehen ist ein Gerät pro Haushalt, weitere Geräte sind kostenpflichtig. Bestellt werden kann das Gerät auf der UPC-Cablecom-Home­page unter upc-cablecom.ch oder telefonisch unter 0800 66 88 66, aber auch in im UPC-Cablecom-Shop, beispielsweise in Luzern.

Wer ein älteres Gerät mit einem Umwandler nachrüstet, kommt gemäss Frank Zelger dennoch nicht in den Genuss aller Vorteile des Digital-Fernsehens. Die Signalqualität lasse sich nicht mit der eines neueren Fernsehgeräts mit DVB-C-Tuner vergleichen. Allgemein biete digitales Fernsehen viele Vorteile gegenüber dem analogen Fernsehen: eine bessere Bild- und Tonqualität, eine grössere Programmvielfalt und interaktives Fernsehen.

Wie gross ist der Kreis der Nutzer mit Röhrenfernsehern? Gibt es spezielle Unterstützung für Senioren?

Gemäss Schätzungen haben 8 Prozent der Haushalte in der Schweiz noch einen Röhrenfernseher. Rechnet man das auf die ganze Zentralschweiz um, entspricht das rund 8000 Haushalten. Überproportional vertreten in dieser Nutzergruppe sind ältere Menschen. Um für sie den Wechsel so einfach wie möglich zu gestalten, bietet UPC Cablecom in Zusammenarbeit mit Swisscable und Pro Senectute Schweiz eine Hotline an. Dort wird Seniorinnen und Senioren eine spezielle Unterstützung bei der Umstellung auf das digitale Fernsehen angeboten. Die Hotline-Nummer wird von UPC Cablecom zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Wie kann man sich über die Umstellung informieren?

UPC Cablecom wird in den kommenden Wochen mittels Briefen, Laufschriften bei TV-Sendern und Beiträgen auf Tele 1 über die bevorstehende Umstellung berichten. Auch Altersheime, Spitäler und Hotels wurden angeschrieben. Insbesondere bei Haushalten und Institutionen mit mehreren Fernsehgeräten besteht oftmals Handlungsbedarf. Ein weiteres Angebot von UPC Cablecom ist das Info-Mobil, das im Oktober abwechslungsweise in Luzern, Emmen oder Sursee stehen und über die Analogabschaltung informieren wird. Zudem wurde rund um die Analogabstellung eigens eine neue Homepage eingerichtet unter upc-cablecom.ch/digital. Ein Video mit Hinweisen zur Installation des Umwandlers findet man auf Youtube (youtube.com/watch?v=row6zwCdxPQ).

Was kostet digitales Fernsehen?

Das Basisangebot von UPC Cablecom für Digital-TV entspricht dem Preis für den Kabelanschluss (29.05 Franken/monatlich). Darin enthalten sind 65 digitale Sender, davon 27 in HD-Qualität, 120 Radiosender und ein Internetanschluss mit 2 Mbit/s Geschwindigkeit. Ab kommendem Jahr erhöht sich der Basispreis bei der UPC Cablecom auf 29.95 Franken pro Monat, dafür gibt es zusätzliche Leistungen. Die bedeutendste Alternative zur Cablecom ist Swisscom-TV.

Was bedeutet die Umstellung für den Zentralschweizer Sender Tele 1?

«Mit der Aufhebung des analogen Fernsehens durch UPC Cablecom wird ein sehr kleiner Teil unseres Distributionskanals verschoben», erklärt Tele-1-Geschäftsleiter Bruno Hollenweger. Es sei grundsätzlich immer schlecht, wenn beim TV-Konsumenten etwas verändert werde. Gleichzeitig sei aber diese technische Entwicklung absehbar gewesen und lasse sich nicht aufhalten. «Ich mache mir aber keine Sorge, dass Tele 1 an relevanter Reichweite verliert», sagt Hollenweger.

Wann stellen die Wasserwerke Zug (WWZ) das analoge Fernsehen ein?

«Der genaue Fahrplan ist noch offen», sagt WWZ-Mediensprecher Robert Watts. Voraussichtlich würden in der zweiten Jahreshälfte 2015 nur noch digitale TV-Signale verbreitet. Die WWZ haben über 91 000 Kabelnetzkunden. Neben dem Kernverbreitungsgebiet im Kanton Zug sind die WWZ als Kabelnetzbetreiber in Luzerner Gemeinden wie Meggen, Reiden, Dagmersellen, Ruswil, Entlebuch oder Hochdorf aktiv. Auch die WWZ bieten Besitzern älterer TV-Geräte für die Umstellung auf Digital-TV eine digitale Empfangsbox an. Diese ist kostenpflichtig. Wie der genaue Fahrplan für die Umstellung bei Kabelnetz Nidwalden aussieht, ist noch offen.