Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZENTRALSCHWEIZ: Lokale Raiffeisen-Präsidenten haben grossen Erklärungsbedarf

Viele Bankgenossenschafter sind nach den Enthüllungen über den früheren Bankchef Pierin Vincenz enttäuscht. Dessen Inhaftierung fällt zeitlich mit dem Beginn der GV-Saison zusammen. An der Basis müssen die lokalen Präsidenten viel erklären.
Rainer Rickenbach
Die Generalversammlungen der Raiffeisen, wie hier in der Waldmannhalle in Baar, stehen in diesem Jahr unter speziellen Vorzeichen. (Bild: Stefan Kaiser (21. März 2017))

Die Generalversammlungen der Raiffeisen, wie hier in der Waldmannhalle in Baar, stehen in diesem Jahr unter speziellen Vorzeichen. (Bild: Stefan Kaiser (21. März 2017))

Rainer Rickenbach

Überrascht, verärgert und enttäuscht seien viele Raiffeisen-Genossenschafter, sagt Bruno Poli. «Das machen Gespräche bei zufälligen Begegnungen deutlich.» Poli ist Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Nidwalden, bei der 20'000 Mitglieder eingetragen sind.

Auch sein Luzerner Kollege Kurt Sidler weiss, dass viele Genossenschafter auf den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz gar nicht mehr gut zu sprechen sind. «Bei den alltäglichen Begegnungen werde ich natürlich oft auf die Ermittlungen gegen ihn angesprochen», erklärt Sidler. Der Genossenschaft Luzern gehören heute 25'000 Mitglieder an. Nebst der Stadt Luzern zählen auch die Geschäftsstellen Littau, Ebikon und Root zu dem Geschäftsgebiet.

Präsidenten wollen offen informieren

Die Untersuchungshaft wegen verdächtiger Privatdeals für den früheren Starbanker Vincenz fällt just auf den Saisonbeginn der regionalen Generalversammlungen. Raiffeisen ist genossenschaftlich und föderal organisiert. Anders als bei den Grossbanken haben bei ihr nicht milliardenschwere Investoren, sondern zumindest an der Basis die Mitglieder das Sagen. Die 255 regionalen Banken betreiben ihre Geschäfte weitgehend autonom. Über ihnen firmiert die Raiffeisen Schweiz mit Sitz in St. Gallen, die sich in erster Linie um zentrale Dienste wie Informatik, Weiterbildung oder nationale Strategien kümmert. Dort war Pierin Vincenz von 1999 bis 2015 als Geschäftsleitungsvorsitzender tätig.

«Die Geschehnisse bringen nicht nur einen grossen Schaden für Raiffeisen Schweiz, sondern auch für die Basis mit sich. Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass die Untersuchung gegen Vincenz an unserer Generalversammlung thematisiert wird», sagt Reto Purtschert, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisen Rigi. Sie betreibt Geschäftsstellen in Schwyz, Brunnen, Goldau, Immensee, Küssnacht und Weggis und zählt 17'000 Mitglieder. Mit 3000 bis 4000 Besuchern an gleichzeitig drei verschiedenen Orten geht bei ihr jeweils die grösste Generalversammlung der gesamten Raiffeisen-Gruppe über die Bühne. Die nächste wird am 14. April stattfinden. Die Nidwaldner und Luzerner haben ihre Versammlungstermine im Verlauf der Monate März und Aprils.

Purtschert wird den Fall Vincenz an der Raiffeisen–Versammlung von sich aus ansprechen. Poli von den Nidwaldnern und Sidler von den Luzernern haben das ebenfalls vor. «Ich informiere proaktiv und so offen, wie es zu diesem Zeitpunkt möglich sein wird», sagt Poli. Kein einfaches Unterfangen, denn es ist kaum anzunehmen, dass über die Strafanklagen gegen Vincenz – unter anderem von der Raiffeisen selbst – Mitte April bereits entschieden ist. Bis es so weit ist, gilt auch für den ehemaligen Raiffeisen-Chef die Unschuldsvermutung. Sidler: «Darum hoffen wir, dass die Vorwürfe möglichst bald und sauber abgeklärt werden, damit wir den Genossenschaftern gesicherte Erkenntnisse präsentieren können.»

Die Kernbotschaft der drei Zentralschweizer Verwaltungsratspräsidenten betrifft indes weniger den früheren Chef der Raiffeisen Schweiz als die lokalen Banken. «Für keine unserer Genossenschaftsbanken droht durch das Wirken von Vincenz ein finanzieller Schaden. Sie sind sehr gut aufgestellt. Das machen ihre Rechnungsergebnisse deutlich», sagt Sidler weiter. Das Kundengeschäft sei zu keinem Zeitpunkt von der Strafuntersuchung betroffen gewesen, ergänzt Purtschert. «Das müssen wir ­unseren Kunden in aller Deutlichkeit vermitteln», so der Präsident der Genossenschaft Rigi. Die oberste Führung habe Strategien etwa bei den Beteiligungen verfolgt, die sich teilweise als falsch herausgestellt hätten, sagt Poli. «Doch einen schönen Teil davon hat die neue Führung bereits korrigiert», so der Präsident des Nidwaldner Verbundes.

Auch in der Zentralschweiz tauchte Vincenz in seiner Zeit als oberster Geschäftsleiter ab und zu bei Raiffeisen-Versammlungen auf. Er war ein Star der Schweizer Bankenszene und gern gesehener Gast. Denn nach der Finanzkrise bot seine Genossenschaftsbank vielen Kunden Zuflucht, die sich enttäuscht von den grossen Finanzinstituten abgewandt hatten. Raiffeisen stieg unter der Führung von Vincenz zum drittgrössten Geldinstitut der Schweiz auf.

Und nun? Wie sieht man Vincenz heute an der Basis? «Ich persönlich bin betroffen und enttäuscht. Doch man sollte nicht vergessen: Vincenz hat einiges für die Entwicklung und den Aufbau der Raiffeisen-Gruppe getan. Sein charismatisches Auftreten fand viel Sympathie», sagt Purtschert. Auch Sidler stellt Vincenz kein durchwegs schlechtes Zeugnis aus. «Die Raiffeisen ist heute gross, und sie ist professionell aufgestellt. Grösse ist kein Wert für sich selbst, doch an der Professionalisierung können wir anknüpfen», sagt Sidler.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.