Kommentar
Höchste Flexibilität hat ihren Preis

Carsharing ist ein nützliches Modell, um den Verkehr zu entlasten. Doch es gibt Grenzen.

Maurizio Minetti
Maurizio Minetti
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Wer Auto fährt, sah sich in den letzten Jahren zunehmend mit vorwurfsvollen Kommentaren konfrontiert. Nicht ökologisch, zu individualistisch – und überhaupt: Die Städte sind ohnehin schon verstopft mit Autos. Der öffentliche Verkehr gilt heute hingegen als das Nonplusultra der Mobilität. Umweltfreundlich, platzsparend, gemeinschaftlich und dank staatlicher Subventionen bezahlbar.

Carsharing ist eine Art Kompromiss. Die hohe Flexibilität des Individualverkehrs wird dabei mit einem Abomodell des Massenverkehrs kombiniert. Nun hat sich gezeigt, dass die Flexibilität des Auto-Teilens Grenzen hat. Das sogenannte Freefloating-Angebot von Mobility hat Schiffbruch erlitten. Bei diesem Modell muss man das Auto nicht wie beim herkömmlichen Carsharing zum Ausgangspunkt zurückbringen. Vielmehr lässt sich das Fahrzeug spontan per App lokalisieren und nutzen – und man kann es dort stehen lassen, wo man aussteigt. Das ist super praktisch für die Kundschaft, aber nicht rentabel für die Anbieter.

Das Ende des Freefloatings zeigt, dass gemeinschaftliche Modelle wie Carsharing zwar bis zu einem gewissen Grad sinnvoll sind, sie den Individualverkehr aber nie gänzlich ersetzen können. Wer höchste Flexibilität will, braucht ein eigenes Auto. Dafür muss man aber bereit sein, den Preis in Form von Treibstoff oder Parkplatzgebühren zu zahlen.