Logistik
Competec zeigt den Neubau in Willisau – und plant schon den nächsten Ausbau

70 Millionen Franken hat der soeben fertiggestellte Erweiterungsbau in Willisau gekostet. Für weitere 40 Millionen Franken ist jetzt die Aufstockung des Altbaus vorgesehen. Weitere Kapazitäten dürften in den kommenden Jahren hinzukommen.

Maurizio Minetti
Drucken
Fördertechnik im Neubau von Competec in Willisau.

Fördertechnik im Neubau von Competec in Willisau.

Bild: Dominik Wunderli (18. Mai 2022)

Die Sonnenstrahlen lassen die Wiese gegenüber dem Forstwerkhof der Korporation Willisau saftig grün leuchten. Für dieses 20’000 Quadratmeter grosse Grundstück hat die Handelsgruppe Competec ein Kaufrecht erworben und es besteht kaum ein Zweifel daran, dass hier schon in wenigen Jahren ein weiteres Logistikgebäude stehen wird. Gleich daneben hat Competec ab dem Sommer 2021 einen Neubau etappenweise in Betrieb genommen. Die Schlüsselübergabe war im vergangenen März. Am Mittwoch zeigte Competec den Neubau erstmals einer breiten Öffentlichkeit. Er besteht aus einem Lager für Grossteile und einem für mittelgrosse Stücke. 25 Tonnen schwere und 35 Meter hohe Regalbediengeräte auf Schienen sorgen für den automatisierten Betrieb. Personen kommen hier nur rein, wenn es Störungen zu beheben gibt, ansonsten funktioniert alles wie von Geisterhand.

Doch die mit dem Neubau hinzugekommenen Kapazitäten könnten schon bald wieder knapp werden: Die Firmengruppe, deren bekanntester Unternehmensteil der Onlinehändler Brack.ch ist, wächst enorm stark. Bereits 2020 knackte Competec die Umsatz-Milliarde, 2021 verliessen 3,7 Millionen Pakete die «Päcklifabrik», wie man bei Competec das Logistikzentrum liebevoll nennt. Innerhalb von zwei, drei Jahren hat sich die Päckli-Anzahl damit verdoppelt. Insbesondere montags, nach den Bestellungen vom Wochenende, ist der Arbeitsaufwand enorm.

Mehrere Dutzend Millionen Franken investiert

Martin Lorenz, CEO der Competec-Gruppe

Martin Lorenz, CEO der Competec-Gruppe

Bild: PD

Die vom Aargauer Unternehmer Roland Brack gegründete Firmengruppe betreibt das Warenlager im Rossgassmoos seit mittlerweile zehn Jahren. Zu Beginn waren hier 100 Leute beschäftigt, noch kurz vor der Pandemie waren es 200 – heute arbeiten in Willisau rund 450 Personen im Schichtbetrieb, wie CEO Martin Lorenz erklärt. Damit hat Competec fast doppelt so viele Arbeitsplätze geschaffen, wie 2006 beim Wegzug des dänischen Spielzeugherstellers Lego verloren gingen. Dutzende Millionen Franken hat Competec in den Ausbau in den letzten Jahren investiert. Allein der jüngste Erweiterungsbau kostete 70 Millionen Franken.

Als nächstes kommt aber nicht die Bebauung auf der grünen Wiese neben dem Erweiterungsbau dran, sondern die Aufstockung des Kleinteilelagers im Altbau, Autostore genannt. Bei den Kleinteilen ist der Automatisierungsgrad am höchsten, hier gibt es auch die stärkste Nachfrage. «Wir planen, neben den drei bestehenden Autostore-Anlagen zwei weitere zu bauen», sagt Lorenz. Allein die erste Etappe werde rund 40 Millionen Franken kosten. Die Baueingabe erfolgte letztes Jahr, die Inbetriebnahme ist im besten Fall für Ende 2023 vorgesehen.

Gelbe Regalbediengeräte auf Schienen sorgen für den automatisierten Betrieb.

Gelbe Regalbediengeräte auf Schienen sorgen für den automatisierten Betrieb.

Bild: Dominik Wunderli (18. Mai 2022)

Einsprachen dagegen habe es keine gegeben, sagt Lorenz. Das war beim Neubau anders. Ein langwieriger Streit mit Nachbarn wurde bis vor Bundesgericht ausgetragen – Competec setze sich am Ende durch. Nach der Aufstockung des Kleinteilelagers wird der Bau auf der grünen Wiese zum Thema werden. Dann könnte Competec aber erneut mit Einsprachen konfrontiert sein, befürchtet Lorenz. Darum bemühe man sich derzeit mit den Behörden und den Nachbarn um eine möglichst frühe und transparente Information. «Wir befinden uns in der Planungsphase für die Baueingabe», sagt Lorenz. Nach der starken Wachstumsphase während der Pandemie erwartet der CEO für die kommenden Jahre zwar nach wie vor eine hohe Nachfrage, aber nicht mehr explosionsartig. Trotzdem: «Es wäre gut, wenn wir ein neues Logistikgebäude neben dem jetzigen Neubau in drei bis vier Jahren in Betrieb nehmen könnten.»

Strombedarf nimmt massiv zu

Zusätzlich hat Competec kürzlich ein weiteres 14’500 Quadratmeter grosses Landstück nahe dem bestehenden Areal gekauft – sozusagen als strategische Landreserve. Dieses gehörte dem einstigen Diwisa-Besitzer Andreas Affentranger. Insgesamt, sagt Martin Lorenz, könnte das Unternehmen in Willisau von der Grösse her mindestens zwei Mal den jetzt fertig gestellten Neubau hinstellen: «Wir sind sehr glücklich in Willisau und planen hier langfristig.»

Das Obergeschoss des Wareneingangs im Neubau.

Das Obergeschoss des Wareneingangs im Neubau.

Bild: Dominik Wunderli (18. Mai 2022)

Abgesehen von der Einsprache gegen den Neubau hatte Competec in den letzten Jahren kaum Wachstumsschmerzen. Die Rekrutierung von Logistikmitarbeitenden funktioniere gut, sagt CEO Lorenz, einzig Leitungsfunktionen seien schwierig zu besetzen. Steigende Strompreise seien sicher eine Herausforderung. «Mit dem Neubau benötigen wir nun deutlich mehr Strom, dessen Bedarf wir aber zu bis zu einem Drittel mit den eigenen Fotovoltaikanlagen abdecken.» Es versteht sich von selbst, dass auch die künftigen Bauten mit Fotovoltaikanlagen bestückt werden sollen. Heute scheint dort die Sonne noch auf die Wiese; in einigen Jahren wird sie noch mehr Energie liefern für den Betrieb eines der grössten Logistikzentren der Schweiz.

Video: PilatusToday/Tele 1