Zentralschweizer Vermieter wollen während der Corona-Krise Härtefälle vermeiden

Wie Vermieter in der Zentralschweiz reagieren, wenn Mieter wegen den Coronavirus-Massnahmen des Bundes in Zahlungsverzug kommen.

Christopher Gilb
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In den letzten Jahren entstanden wie hier in Kriens etliche neue Wohnungen in der Region. Derzeit ist der Immobilienmarkt aber auf Eis gelegt, und Vermieter müssen sich auf Mietausfälle gefasst machen.

In den letzten Jahren entstanden wie hier in Kriens etliche neue Wohnungen in der Region. Derzeit ist der Immobilienmarkt aber auf Eis gelegt, und Vermieter müssen sich auf Mietausfälle gefasst machen. 

Pius Amrein, 25. April 2019

Sicher ein bis zwei Dutzend Anfragen seien in den letzten Tagen zum Thema Coronavirus eingegangen, sagt Cyrill Studer, Geschäftsführer des Mieterverbands Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri. «Dabei geht es oft um Sorgen rund um die bevorstehende Wohnungsabgabe, es sind aber auch Mieter darunter, die Angst haben, in Zahlungsverzug zu kommen, etwa weil sie ihren Job wegen der Corona-Krise völlig überraschend verloren haben», so Studer.

Er empfiehlt in diesem Fall, das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen. «Unsere bisherige Erkenntnis ist, dass in Anbetracht dieser aussergewöhnlichen Situation eine gewisse Kulanz vorhanden ist.» Und er fügt an: Gerade in Bezug auf Geschäftsimmobilien sei derer auch viel nötig. Studer mahnt aber auch: Wenn jemand die Miete trotzdem irgendwie bezahlen könne, solle er das unbedingt tun, denn die Krise als Grund vorzuschieben, bedränge letztlich diejenigen, welche tatsächlich keine Alternative hätten.

Mahnstopp als erste Massnahme

Studers Aussage zur Kulanz der Vermieter bestätigt eine Umfrage bei Wohnungsvermietern. Gerold Moser, Leiter Immobilien bei der PKG Pensionskasse in Luzern, sagt etwa: «Wir würden das Problem relativ pragmatisch lösen und wenn jemand wegen der Auswirkungen der Corona-Krise nicht zahlen kann, einen Mahnstopp erlassen.» Falls die Situation sich einen Monat später nicht verändert habe, müsste dann eine Abzahlungsvereinbarung geschlossen werden, da die Pensionskasse auch ihren Destinatären Rechenschaft schulde. «Wir wollen keinen Härtefall und sind bemüht, lösungsorientiert zu handeln.» Mieten zu reduzieren oder gar zu erlassen, sei allerdings keine Option, sagt Moser. Bisher habe es aber bei den Privatwohnungen auch noch keinen Fall gegeben.

Michael Eiholzer, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Redinvest Immobilien AG in Sursee, glaubt, dass die Corona-Krise bei den Privatmietern eher zu einem späteren Zeitpunkt zum Thema werde. «Selbst wenn jemandem jetzt gekündigt wurde, erhält er ja noch seinen Lohn und kann damit die April-Miete bezahlen», so Eiholzer. Im April könnte es dann aber vermehrt zu Anfragen kommen, auch weil Mieter Angst haben könnten, dass bald kein Geld mehr reinkomme und das Geld beispielsweise für Lebensmittel zurückhalten wollten. Auch Eiholzer zeigt sich bereit, im Einzelfall mit den Mietern Lösungen zu suchen. «Jetzt ist es aber zu früh, um Zugeständnisse zu machen.»

Livit hat schon 70 Anfragen

Rund 70 Anfragen hat hingegen bereits die Livit AG mit Hauptsitz in Zürich und Standorten in der ganzen Schweiz, darunter auch in Luzern, erhalten. «Wir prüfen verschiedene Möglichkeiten, wie wir Mieter in dieser ausserordentlichen Situation unterstützen können. Livit ist dazu mit den Eigentümern wie den Mietern im Austausch», schreibt der Konzern.

Das Virus legt den 
Immobilienmarkt auf Eis


Mögliche Mietausfälle sind für Vermieter derzeit nicht die einzige Herausforderung. Zum Teil finden sie überhaupt keine Mieter. So schreibt etwa die Suva in Luzern auf Anfrage, dass sie einen deutlichen Rückgang bei Anfragen für Wohnungsmieten verzeichne. «Im Moment haben wir fast keine Anfragen mehr», sagt auch Michael Eiholzer von der Redinvest. Ende März sei eigentlich ein typischer Kündigungstermin für den Umzug im Sommer. Dieses Jahr werde es aber insgesamt wohl deutlich weniger Kündigungen geben. «Die Leute sind einfach insgesamt viel zu verunsichert, um derzeit so einen Entscheid zu treffen, denn dafür ist Vertrauen ganz wichtig», so Eiholzer.
Sowohl die Neuvermietung als auch die Verkäufe sind derzeit fast auf Eis gelegt, bestätigt auch Alex Widmer, Geschäftsführer des HEV Luzern. Doch er bleibt zuversichtlich: Alles werde sich jetzt um zwei, drei Monate verschieben und dann wieder in normale Bahnen kommen. 

Bereits jetzt beschäftigt alle Vermieter das Thema Geschäftsmieter. Hierzu arbeitet der Bundesrat gemeinsam mit den Verbänden an Lösungen, wie am Dienstag bestätigt wurde. Ivo Jeggli, Geschäftsführer des Generalunternehmers Jego AG in Hünenberg, berichtet von einer ersten Anfrage von einem Coiffeur-Geschäft, das in einer der Jego-Immobilien eingemietet ist. Die Jego habe deshalb entschieden, das Thema proaktiv anzugehen und den Geschäftsmietern, welche wegen der aktuellen Situation vorübergehend schliessen mussten, finanziell zu helfen. «Für die Dauer der Schliessung wird ihnen der Mietzins gestundet sowie um die Hälfte reduziert», so Jeggli. 

Auch Gerold Moser von der PKG sagt: «Zurzeit haben wir den Fall einer langjährigen Geschäftsmieterin, die in einem Markt mit tiefen Margen arbeitet und jetzt Probleme hat.» Selbstverständlich werde dieser Person die Miete nun gestundet, so Moser. «In dieser speziellen Situation müssen wir Druck wegnehmen und später nach Lösungen suchen.»