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ZMP hält auch nach Abgang des Hochdorf-CEO an Forderungen fest

Nach dem überraschend schnellen Abgang von CEO Thomas Eisenring beginnt bei der Hochdorf-Gruppe die Nachfolgesuche. Die bedeutendste Aktionärin hat klare Vorstellungen davon, was sich bei der Milchverarbeiterin ändern muss.
Rainer Rickenbach
Die Firma Hochdorf. (Bild: Corinne Glanzmann, Hochdorf, 5. April 2018)

Die Firma Hochdorf. (Bild: Corinne Glanzmann, Hochdorf, 5. April 2018)

Am Montagabend gab die Hochdorf-Gruppe den Rücktritt von CEO Thomas Eisenring bekannt, am Dienstag räumte er bereits sein Büro. Brisant ist der Zeitpunkt: Nächste Woche präsentiert die Milchverarbeiterin die Jahreszahlen 2018, die nach zwei Gewinnwarnungen hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben. Der Aktienwert hat sich nach dem Rekordgewinn von 2017 innert einem Jahr halbiert, an der Generalversammlung vom 12. April wird sich die Firmenführung wohl mit Kritik konfrontiert sehen.

Die grösste Aktionärin ZMP Invest AG, eine Tochtergesellschaft der Zentralschweizer Milchlieferantengenossenschaft ZMP, ging sogar bereits so weit, eine personelle Erneuerung des Verwaltungsrates zu fordern. Gegangen ist nun aber niemand aus dem für die Strategie zuständigen Aufsichtsgremium, sondern der Verantwortliche für das Tagesgeschäft. Eisenring war seit 2013 CEO der Hochdorf-Gruppe. Er galt als der starke Mann im Unternehmen. Die Hochdorf-Gruppe nehme die Nachfolgesuche unverzüglich an die Hand, sagt Firmensprecher Christoph Hug.

Bei der Hochdorf-Gruppe mag man den nach aussen hin überstürzt wirkenden Abgang Eisenrings auch am Tag nach der Bekanntgabe nicht weiter kommentieren. «Er sucht eine neue Herausforderung. Mehr kann ich dazu nicht sagen», so Hug. Auch die ZMP Invest AG äussert sich nicht zur Personalie des Geschäftsführers – wohl aber deutsch und deutlich zum Verwaltungsrat. «Eisenrings Abgang ändert nichts an unserer Forderung, den Verwaltungsrat personell zu erneuern. Denn es ist seine Aufgabe, die Strategie vorzugeben und die Umsetzung auch zu kontrollieren. Das geschah in den zurückliegenden Jahren zu wenig», sagt Pirmin Furrer von der ZMP Invest AG.

Die ZMP Invest AG hatte am Freitag Bernhard Merki (früherer CEO bei 4B Hochdorf), Jörg Riboni (Finanzchef bei Emmi) und Markus Bühlmann (Vizepräsident des Verbandes und Landwirt) als Kandidaten für den Verwaltungsrat nominiert. Merki soll Präsident werden. Für die drei sollen der bisherige Verwaltungsratspräsident Daniel Suter sowie die Verwaltungsräte Anton von Weissenfluh, Niklaus Sauter und Holger Karl-Herbert Till Platz machen.

Hohe Investitionen im Ausland

Furrer nennt mehrere Punkte, die ZMP Invest AG am Kurs der Hochdorf-Gruppe missfallen:

  • «Hochdorf hat für viel Geld im Ausland Firmen gekauft. Die in Aussicht gestellten Erträge bleiben aber deutlich hinter den Erwartungen zurück», sagt Furrer. Besonders zu schaffen mache die Beteiligung an Pharmalys, einer in Hochdorf gemeldeten Firma, die Babynahrung und Müesli vorab in Nordafrika vermarktet. Die Beteiligung an ihr liess sich Hochdorf über 200 Millionen Franken kosten. Furrer: «Von der strategischen Idee hinter der Pharmalys-Akquisition sind wir nach wie vor überzeugt, wir haben sie ja auch mitfinanziert. Die Zahlen zeigen nun aber, dass es an der Umsetzung hapert. Nicht zuletzt, weil das Verhältnis zwischen dem Verwaltungsrat und dem tunesischen Miteigentümer getrübt ist.»
  • Das Vertrauen vieler Anleger in die am SPI kotierten Milchverarbeiterin aus dem Luzerner Seetal sei verloren gegangen, kritisiert Furrer weiter. Der Kurszerfall von 50 Prozent innerhalb eines Jahres sei dafür Beleg genug. Furrer: «Es gab zu viele Versprechen, die nicht eingehalten wurden. So etwas straft die Börse ab.» Auf den Abgang Eisenrings reagierte der Aktienkurs am Dienstag zuerst mit einer Steigerung, fiel dann aber wieder auf das Vortagesniveau.
  • «Auch die schon lange angekündigten Fortschritte im China-Geschäft lassen auf sich warten», so Furrer. Zwar besitzt die Hochdorf-Gruppe die Bewilligung, für das Reich der Mitte Babynahrung zu produzieren. Doch auf die Markenregistrierung wartet sie noch immer. Furrer: «Das ist ein unhaltbarer Zustand.»

An der bisherigen Strategie, der Rolle des reinen Zulieferers für die Nahrungsverkäufer zu entschlüpfen und zumindest mit einem Teil der Milchprodukte direkt an die Endkonsumenten zu gelangen, will die ZMP Invest AG indes festhalten. «Dieser Schritt ist richtig, aber man muss ihn richtig umsetzen», sagt Furrer.

Wenn die ZMP Invest AG ihre drei Kandidaten an der Generalversammlung in den Verwaltungsrat bringt, dürfte ihr Einfluss auf die Hochdorf-Gruppe wachsen. Hat sie vor, den Aktienanteil von heute 14,5 Prozent zu vergrössern, zumal der Preis dafür nun günstig ist? Oder strebt sie sogar wie bei Emmi die Rolle als Mehrheitsaktionärin an? «Nein, das steht für uns nicht im Vordergrund. Wir halten am Anteil im bisherigen Umfang fest. Zuerst gilt es sicherzustellen, dass die Hochdorf-Gruppe wieder auf die Erfolgsspur zurückfindet, damit die Landwirte weiterhin ihre Milch an sie verkaufen können», sagt Furrer.

Die Hochdorf-Gruppe verarbeitet jährlich 400 Millionen Kilogramm Milch und Molke. Sie beschäftigt 700 Mitarbeitende, 420 davon in Hochdorf und Sulgen im Kanton Thurgau.

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