Zu träge bei Sonne und Wind: Die Schweiz hinkt Europa beim Ausbau erneuerbarer Energien hinterher

Eine Studie zeigt, die Schweiz liegt im Europavergleich auf den hintersten Rängen. Das muss sich ändern. 

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Im Bild das Windrad der Windkraftanlage Lutersarni der Centralschweizerischen Kraftwerke CKW in Entlebuch.

Im Bild das Windrad der Windkraftanlage Lutersarni der Centralschweizerischen Kraftwerke CKW in Entlebuch.

Bild: Roger Grütter (Entlebuch, 2. November 2019)

(dpo/gjo) Bei der Produktion von Solar- und Windstrom liegt die Schweiz im Europavergleich auf den hintersten Rängen. Das zeigt eine Studie der Schweizerischen Energie-Stiftung. Sie hat darin die Pro-Kopf-Produktion von Sonnen- und Windenergie in der Schweiz und in den 27 EU-Staaten sowie im Vereinigten Königreich verglichen. Die Schweiz konnte gegenüber dem letzten Jahr zwar einen Rang gut machen, landet aber nur auf Platz 24 von 29. Die ersten drei Plätze belegen Dänemark, Deutschland und Schweden.

Damit produzieren lediglich fünf osteuropäische Länder pro Kopf weniger Strom aus Sonne und Wind als die Schweiz. Nur gerade 4,2 Prozent des Stromverbrauchs werden hierzulande mit Sonnen- und Windenergie erzeugt, der Grossteil kommt von Wasser- und Kernkraftwerken. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 33 Prozent. Die Windstromproduktion ist 2019 gegenüber dem Vorjahr zwar um knapp einen Fünftel gestiegen. Dies sei jedoch auf günstige Witterungsverhältnisse zurückzuführen, der Ausbau der Windenergie stagniere seit Jahren.

Ausbauziele müssten «klar erhöht» werden

In der Sonnenstromproduktion erreicht die Schweiz immerhin Rang 7, doch im Vergleich zum europäischen Umland sei der Anteil nach wie vor sehr tief. So überholen uns beispielsweise nördlichere Länder mit weniger Sonneneinstrahlung wie etwa Deutschland, Belgien, und das Vereinigte Königreich.

Bei dem langsamen Tempo könnten die Schweizer Atomkraftwerke erst gegen Ende des Jahrhunderts durch Sonnen- und Windstrom ersetzt werden, schreibt die Stiftung. Problematisch sei die Schweizer Energiepolitik, die im Gegensatz zu den EU-Staaten ungenügende Investitionssicherheit garantiere. Aus Sicht der Stiftung ist ein zweites Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050 fällig: «Im Energiegesetz müssen insbesondere die Ausbauziele klar erhöht werden, sodass diese im Einklang mit den Klimazielen sind.» Dazu seien neue Finanzierungsinstrumente dringend vonnöten, welche die Investitionssicherheit verbessern.