«Zucker ist kein Sonderfall»

Nachgefragt

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Volkswirt Mathias Binswanger von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten ist Leiter einer Studie zur Zukunft des Schweizer Zuckers. Er spricht sich klar für die Zuckerproduktion in der Schweiz aus.

Professor Mathias Binswanger, Fachhochschule Nordwestschweiz. Bild: PD

Professor Mathias Binswanger, Fachhochschule Nordwestschweiz. Bild: PD

Macht die Produktion von Schweizer Zucker noch Sinn?

Die Rübenzuckerproduktion in der Schweiz liefert einen wichtigen Beitrag zur Versorgungs­sicherheit. Und da wir mit relativ wenig Aufwand diesen Erhalt gewährleisten können, macht dies auch Sinn. Eine eigene Zuckerproduktion ermöglicht es uns auch, die Bedingungen festzulegen, unter denen diese Produktion erfolgt.

Sie empfehlen eine Zollanhebung von 100 Franken je Tonne Importzucker. Soll diese an den Wechselkurs gekoppelt werden?

Es geht um einen maximalen ­Zuschlag in Tiefpreisphasen von 100 Franken pro Tonne. Dieser Preis hängt sowohl vom Wechselkurs als auch vom Zuckerpreis in der EU ab. Der Mechanismus würde aussetzen, wenn ein Preis von 600 Franken erreicht wäre, um eine unnötige Belastung für Industrie und Konsumenten zu verhindern.

Vorteile sind die ökologische Produktion von Schweizer Zucker sowie die Erschliessung weiterer Geschäfts­felder. Überlebt die Schweizer Zuckerproduktion nur durch Quersubventionen?

Fast die ganze Landwirtschaft in der Schweiz überlebt nur dank Subventionen und Grenzschutz. Würden wir rein von den Kosten her denken, dann müssten wir die Landwirtschaft in der Schweiz weitgehend aufgeben. Der Erhalt der Landwirtschaft in der Schweiz ist ein politischer Entscheid, der sich auf die Schweizerische Bundesverfassung stützt. Begründet wird dies mit den ­multifunktionalen Leistungen der Landwirtschaft wie etwa der Versorgungssicherheit, Erhalt der Kulturlandschaft und Biodiversität. Die Versorgungssicherheit steht aufgrund der negativen Erfahrungen vor dem Ersten Weltkrieg im Zentrum. Deshalb muss der Staat Bedingungen schaffen, die den Fortbestand der Landwirtschaft ermöglichen. Zucker ist hier kein Sonderfall.

Braucht es zwei Zuckerfabriken in der Schweiz?

Das ist eine Option, die immer wieder zur Diskussion steht. Die Ausnutzung von Economies of Scale und eine höhere Auslastung sprechen für Zentralisierung. Aber die dadurch entstehenden langen Transportwege und die regionale Versorgung sprechen dagegen. Die Transportkosten würden steigen und die Öko­bilanz des Schweizer Zuckers würde sich verschlechtern. (bor)