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ZÜRICH: ABB kauft sich neue Kunden

Für 2,6 Milliarden Dollar übernimmt der ABB-Konzern eine Elektrotechniksparte von General Electric. Die Produkte stehen bei diesem Zukauf aber nicht im Vordergrund.
Daniel Zulauf
ABB tätigt bereits die zweite Grossübernahme im laufenden Jahr. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (Zürich, 13. März 2014))

ABB tätigt bereits die zweite Grossübernahme im laufenden Jahr. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (Zürich, 13. März 2014))

Daniel Zulauf

ABB macht zu einem scheinbar günstigen Preis einen grossen Schritt vorwärts im Markt für Elektrifizierungsprodukte. Für 2,6 Milliarden Dollar kaufen die Schweizer die Sparte Industrial Solutions des amerikanischen Industriegiganten General Elec­tric und verleiben sich auf diese Weise 2,7 Milliarden Dollar mehr Umsatz ein (siehe Grafik). ABB beziffert den jährlichen Umsatz im Weltmarkt für Elektrifizierungsprodukte mit 32 Milliarden Dollar. Somit steigert das Schweizer Unternehmen unter Führung von CEO Ulrich Spiesshofer den weltweiten Marktanteil in diesem Geschäft von knapp 30 Prozent auf 38 Prozent und kommt dem französischen Primus Schneider Electric als erster Verfolger ein grosses Stück näher.

ABB hatte bereits im April eine Milliardenübernahme bekanntgegeben. Dabei handelt es sich um den österreichischen Steuerungshersteller B & R.

Wie ein Schnäppchen sieht der jetzige Deal aus, wenn man Umsatz und Kaufpreis ins Verhältnis setzt. ABB erhält pro bezahlten Dollar knapp 1.04 Dollar mehr Umsatz. Würde sich ein Konkurrent zum aktuellen Börsenkurs die ABB einverleiben, bekäme er pro bezahlten Franken nur gerade 68 Rappen mehr Umsatz. Der Grund für diese ­eklatante Bewertungsdifferenz ist natürlich die unterschiedliche Rentabilität der beiden Firmen. ABB löst aus 100 Umsatzfranken einen durchschnittlichen operativen Betriebsgewinn (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebita) von 12.40 Franken. Allein in der Sparte Electrifica­tion Products beträgt die ABB-Marge sogar 15 Pozent. GE Industrial Solutions kommt hier lediglich auf 6 Prozent.

Politisches Klima als mögliches Hindernis

Wenig überraschend bezeichnet ABB das eingekaufte Produktesortiment von GE denn auch als veraltet und räumt ein, dass die Firma in den USA Marktanteile verliere. Die Sparte gilt seit geraumer Zeit nicht mehr als Kern­aktivität des US-Konzerns. In der Managementsprache bedeutet dies nichts anders als einen Investitionsstopp. Die von GE angebotenen Schaltschränke, Sicherungen und Stromversorgungslösungen dürften in der Tat zum grössten Teil und vermutlich in moderneren Versionen auch im Sortiment von ABB, Schneider oder Siemens anzutreffen sein.

Doch ABB kauft mit der Akquisition von GE Industrial Solutions keine Technologie, sondern einen verbesserten Marktzugang. Aus dieser Perspektive sieht der Zukauf nicht mehr ganz so günstig aus wie auf den ersten Blick. Spiesshofer wird manche seiner Aktionäre deshalb noch überzeugen müssen, weshalb es für sie besser ist, die 2,6 Milliarden Dollar an GE zu überweisen, statt ­damit den nun auf Eis gelegten Rückkauf von ABB-Aktien fortzusetzen. Den schwedischen Grossaktionär Cevian, der in der Vergangenheit so manches an Spiesshofers Arbeit zu kritisieren hatte, dürfte der Deutsche diesmal immerhin an Bord wissen. Schliesslich ist Cevian nun im Verwaltungsrat von ABB vertreten und hätte in dieser Stellung wirkungsvolle Opposition gegen den Zukauf machen können. Aber auch Cevian weiss, dass man sich im amerikanischen Industriegeschäft den Marktzutritt teuer erkaufen muss.

Nach diesem Prinzip hatte schon Spiesshofers Vorgänger, der Amerikaner Joe Hogan, viel in Amerika investiert. 2010 kaufte Hogan den Motorenhersteller Baldor, 2012 folgte die Übernahme des Spezialisten für Niederspannungsprodukte Thomas & Betts und jetzt also GE Industrial Solutions. Insgesamt hat ABB seit 2011 mehr als 11 Milliarden Dollar für Zukäufe in den USA ausgegeben, und immer ging es primär um den Marktzugang. Im Land der uneingeschränkten Möglichkeiten gibt es komplizierte behördliche Verfahren, wenn es um die amtliche Bewilligung von Industrieprodukten wie Schaltschränken, Maschinen und Anlagen geht. Offenbar haben diese Zulassungsverfahren teilweise sogar den Charakter von Handelsbeschränkungen. GE Industrial Solutions erwirtschaftet denn auch weit mehr als 60 Prozent der Verkäufe im Heimmarkt, und auch von den 29 Fabriken stehen mehr als die Hälfte in den USA. Dieser Umstand könnte für Spiesshofer und allenfalls auch noch für dessen Nachfolger in unbestimmter Zeit zur Knacknuss werden. Für Spiesshofer geht die Rechnung der Übernahme nämlich nur auf, wenn er in den nächsten fünf Jahren jährlich 200 Millionen Dollar an Kostensynergien realisieren kann. Dies bedeutet in der Regel, dass Fabriken geschlossen und Arbeitsplätze abgebaut werden müssen.

Dass dies im gegenwärtigen politischen Klima in Amerika schlecht ankommt, ist auch für Spiesshofer kein Geheimnis. Doch ungeachtet des protektionistischen Kurses von US-Präsident Donald Trump hat sich der neue GE-Chef John Flannery entschlossen, den Verschlankungskurs des Konzerns fortzusetzen. GE steht unter dem Druck des ­aktivistischen Aktionärs Nelson Peltz. Dessen Hedge Fund «Trian Fund» hat sich mit Investitionen von mehr als 2 Milliarden Dollar zu einem der grössten GE-Aktionäre hochgekauft.

Bild: Grafik: LZ

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