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ZÜRICH: ABB wird Opfer eines internen Betrügers: 100 Millionen Euro Schaden

Ein südkoreanischer Kadermitarbeiter soll ABB um 100 Millionen Dollar betrogen haben. Nicht nur das Geld ist weg, auch der Verdächtige ist verschwunden.
Wirtschaft@luzernerzeitung.ch
ABB hat bei seiner Tochter in Südkorea kriminelle Aktivitäten entdeckt. Der Schaden beläuft sich rund 100 Millionen Dollar. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/WALTER BIERI)

ABB hat bei seiner Tochter in Südkorea kriminelle Aktivitäten entdeckt. Der Schaden beläuft sich rund 100 Millionen Dollar. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/WALTER BIERI)

Bei der südkoreanischen ABB-Tochter sind kriminelle Handlungen massiven Ausmasses aufgeflogen. Der Technologiekonzern gilt eigentlich als vorbildlich im Kampf gegen konzerninternes Fehlverhalten und Korruption. Doch der Fall zeigt, dass sich ABB diesbezüglich nicht zurücklehnen kann. Er soll ein ausgeklügeltes System entworfen, Unterlagen gefälscht und mit Dritten zusammengearbeitet haben: Der Treasurer (Geldverwalter) der ABB-Niederlassung in Südkorea wird verdächtigt, Firmengelder im Umfang von rund 100 Millionen Dollar veruntreut zu haben.

Erst als der Mann am 7. Februar untertauchte, entdeckte ABB erhebliche finanzielle Unstimmigkeiten. Der Konzern habe unmittelbar danach eine umfassende Untersuchung eingeleitet, teilte ABB gestern mit. Zudem bestehe eine Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden. Wegen der laufenden Untersuchung verschiebt ABB die Publikation des Geschäftsberichts bis spätestens 16. März. Nach derzeitiger Schätzung weisen die kriminellen Aktivitäten eine Belastung vor Steuern von rund 100 Millionen Dollar aus. Gemäss bisherigen Angaben hat ABB 2016 den Gewinn um 2 Prozent auf rund 2 Milliarden Dollar gesteigert. ABB hat nach eigenen Angaben schadensmindernde Massnahmen eingeleitet.

Grossaktionär drängt in den Verwaltungsrat

Analysten gehen davon aus, dass zumindest ein Teil der 100 Millionen etwa dank Versicherungen wieder zurückfliessen könne, hiess es beispielsweise bei der ZKB. Für die Bank wirft der Fall dennoch Fragen bezüglich der Corporate Governance auf. Es handelt sich bei dem Fall in Südkorea schon um die zweite Strafuntersuchung bei einer ABB-Tochter, die dieses Jahr eingeleitet wurde. Erst vor rund zwei Wochen hatte ABB bekannt gegeben, dass die britische Strafverfolgungsbehörde SFO gegen die britischen ABB-Töchter und deren Angestellte eine Untersuchung wegen Bestechung und Korruption eingeleitet hat. Der Hinweis kam vom Konzern selbst nach einer internen Untersuchung.

Ein ABB-Sprecher betonte auf Anfrage, dass die beiden Fälle nicht vergleichbar seien. In Südkorea habe eine einzelne Person eine ausgeklügelte Strategie zur eigenen Bereicherung entwickelt. Das könne man nie zu 100 Prozent verhindern. Der Fall in Grossbritannien wiederum liege schon länger zurück, neu sei einzig die von der SFO eingeleitete Untersuchung. Beide Fällen habe ABB selbst zur Anzeige gebracht und transparent gemacht, sagte der Sprecher weiter. In der Vergangenheit hatte ABB immer wieder mit Kriminalität oder Fehlverhalten zu kämpfen. Deswegen führte der Konzern 2006 eine strikte Nulltoleranzpolitik ein. Man unterhalte die höchsten Standards in Sachen Integrität und ethisches Geschäftsverhalten.

Die Anleger zeigten sich gestern nicht allzu beunruhigt; die Aktie gab nur ein halbes Prozent nach. Analysten massen der am selben Tag bekannt gegebenen Nomination eines Vertreters des Grossaktionärs Cevian Capital für den Verwaltungsrat deutlich mehr Gewicht zu. Mit Lars Förberg steht an der Generalversammlung vom 13. April ein Vertreter jener Investorengruppe zur Wahl, die ABB wegen ihrer Unternehmensstrategie immer wieder kritisiert.

Tina Tuor (SDA)

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

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