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ZÜRICH: Die CS zapft bei den Aktionäre an

Statt ein Drittel ihres Schweizer Geschäfts zu verkaufen, will die Bank nun eigene Aktien ausgeben, um ihr Kapital zu stärken. Den Investoren gefällt der neue Plan besser als der alte.
Eingang zum Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz. (Bild: Gianluca Colla/Bloomberg (Zürich, 23. Oktober 2014))

Eingang zum Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz. (Bild: Gianluca Colla/Bloomberg (Zürich, 23. Oktober 2014))

Daniel Zulauf
daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Auch die Credit Suisse reiht sich in den Reigen der zahlreichen europäischen Banken ein, die ihren Aktionären in den vergangenen Wochen und Monaten teilweise grosse Kapitalspritzen abnötigen mussten. Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse zum ersten Quartal gab der Verwaltungsrat gestern seine Absicht bekannt, die Eigentümer anlässlich einer ausserordentlichen Generversammlung am 18. Mai um Erlaubnis zu bitten, weitere 380 Millionen neue Aktien zum Preis von 10.80 Franken pro Titel ausgeben zu dürfen.

Mit der Massnahme sollen ein zusätzliches Eigenkapital von 4,1 Milliarden Franken geschaffen und die öffentlichen Diskussionen um den Kapitalbedarf der Bank endgültig beendet werden. Konzernchef Tidjane Thiam zeigte sich in einer Telefonkonferenz mit Journalisten «zuversichtlich, dass die Grossaktionäre ihre Bezugsrechte ausüben werden».

Für diese Prognose brauchte er jedoch kaum viel Mut. Ähnlich wie schon die Deutsche Bank im März will nämlich auch die CS die neuen Titel zu einem attraktiven Preis unter die Leute bringen. Der vorgesehene Emissionspreis entspricht einem Abschlag von über 30 Prozent zum aktuellen Börsenkurs – und er liegt sogar 39 Prozent unter dem materiellen Buchwert pro Aktie (Eigenkapital ohne immaterielle Werte wie Goodwill), wie er im vorliegenden Quartalsbericht ausgewiesen ist. Die Kapitalerhöhung könne zwar zu grösseren Kursschwankungen der CS-Aktien führen, aber fundamental sei mit einer positiven Reaktion des Marktes zu rechnen, schreibt Daniele Brupbacher, Bankenspezialist der UBS in einer Analyse.

Die Börse reagierte positiv

Nach Angaben der Credit Suisse sollte sich die harte Kernkapitalquote nach dem verschärften und vollständig umgesetzten Basel-III-Standard von 11,7 Prozent auf 13,4 Prozent verbessern. «Die Kapitalerhöhung ist gross genug, um die Debatte um das Thema zu beenden», schrieb Brupbacher. Dementsprechend positiv reagierte gestern auch die Börse. Die Credit-Suisse-Aktien beendeten den Tag mit einem Plus von 2,7 Prozent. Positiv hat der Markt aber auch den Übungsabbruch für einen Teilverkauf des Schweizer Geschäfts der Credit Suisse via Börsengang aufgenommen. Diesen Plan hatte Thiam im Oktober 2015 bekanntgegeben, als Bestandteil zur Deckung des Kapitalbedarfes, den der CEO schon damals mit 9 bis 11 Milliarden Franken beziffert hatte. Es sei immer bloss ein «Eventualplan» gewesen, erklärte Thiam in der Telefonkonferenz.

Von einer blossen «Option» war offiziell aber erst ab Februar die Rede. Damals konnte die Credit Suisse den Hypothekenstreit mit den US-Justizbehörden mit einer geringeren Strafe beilegen, als man offenbar in der Bank selber befürchtet hatte. Die IPO-Idee dürfte auch einigen grösseren Aktionären missfallen haben. Sie hätten die Dividenden aus dem lukrativen Schweizer Geschäft mit Drittinvestoren teilen müssen.

Guter Start ins Geschäftsjahr 2017

Auch die Geschäftsergebnisse im ersten Quartal des Jahres waren der Stimmung unter den Investoren mindestens nicht abträglich. Nicht nur ist die Bank in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Vielmehr konnte sie für einmal dort punkten, wo sie in der Vergangenheit am meisten Enttäuschungen hinnehmen musste.

Im Wertschriftenhandel und im Geschäft mit Unternehmensfinanzierungen – sprich im Investmentbanking – fielen satte Gewinne an, nachdem es 2015 hohe Verluste gegeben hatte. Der Rückenwind aus den Kapitalmärkten scheint der Bank auch bei der Abwicklung aufzugebender Geschäfte zu helfen. Die entsprechende Geschäftseinheit beendete das Quartal mit einem Minus von 539 Millionen Franken (Vorjahresquartal: 1,2 Milliarden Franken. Offenbar läuft der Abwicklungsprozess derzeit so rund, dass man ihn schon Ende 2018, statt wie bisher erwartet, erst Ende 2019 abzuschliessen hofft.

Tidjan Thiam und sein Team wollen den aggressiven Konzernrückbau auch auf der Kostenseite weiterforcieren. Bis Ende 2018 sollen die Kosten unter 17 Milliarden Franken betragen. Das wären 5 Milliarden Franken weniger als 2015, als Thiam das Zepter übernommen hatte. Irgendwann werden die Aktionäre aber auch sehen wollen, wo und wie die CS dereinst wachsen kann. «2018 wird ein sehr wichtiges Jahr im Turnaround der Credit Suisse», sagte Thiam. «Niemand ist so begierig wie ich, diesen Punkt zu erreichen.»

Eine Übersicht zum ersten Quartal der Credit Suisse. (Bild: Grafik LZ)

Eine Übersicht zum ersten Quartal der Credit Suisse. (Bild: Grafik LZ)

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