ZÜRICH: Swiss erweitert ihr europäisches Streckennetz

Die Fluggesellschaft Swiss geht in die Offensive. Sie baut ihr Angebot in Europa deutlich aus. Ab April 2015 werden ab Zürich 22 Destinationen neu angeflogen - dies, obwohl die Swiss in diesem Geschäft zurzeit rote Zahlen schreibt.

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Swiss-CEO Harry Hohmeister an der Medienkonferenz (Bild: Keystone)

Swiss-CEO Harry Hohmeister an der Medienkonferenz (Bild: Keystone)

Die Fluggesellschaft Swiss geht in die Offensive. Sie baut ihr Angebot in Europa deutlich aus. Ab April 2015 werden ab Zürich 22 Destinationen neu angeflogen - dies, obwohl die Swiss in diesem Geschäft zurzeit rote Zahlen schreibt.

Neu ab Sommerflugplan 2015 fliegt die Lufthansa-Tochter zum Beispiel Neapel, Toulouse, Leipzig und Helsinki an. Dazu kommen im Sommer saisonale Verbindungen unter anderem nach Palermo, Izmir und Santiago de Compostela. Zwischen Genf und Lugano wird es zudem wöchentlich 16 neue Flüge geben.

Mit diesem Ausbau von heute 50 auf 72 Destinationen reagiert die Swiss auf den verstärkten Kampf im europäischen Fluggeschäft, in dem unter anderem die arabische Airline Etihad für neue Konkurrenz gesorgt hat. «Das ist ein riesiger Schritt nach vorne», sagte Swiss-Chef Harry Hohmeister am Montag vor den Medien.

Swiss kopiert Easyjet

Bei ihrem Ausbau orientiert sich die Swiss am Erfolgsrezept von Easyjet. Zusätzlich zum Hub mit Interkontinentalflügen und Zubringern soll es in Zukunft ab Zürich auch so genannte Point-to-Point-Flüge geben ohne Anschluss an das Langstreckennetz. Dieses System testet die Swiss bereits seit 2012 in Genf. «Erfolgreich», wie Hohmeister sagte.

Die Übertragung des Modells auf Zürich ist jedoch auch nach Ansicht Hohmeisters ein Risiko. «Mutig», nannte er selbst den Plan. Das ist er tatsächlich, erwirtschaftet doch die Fluggesellschaft im Europageschäft zurzeit keinen Gewinn. Der Swiss-Chef zeigte sich jedoch überzeugt, dass sich das ändern wird. «Spätestens nach dem Ersatz der alten Flugzeuge sollten wir profitabel sein.»

Zumindest für den Start des neuen Angebots geht die Swiss jedoch kein allzu grosses finanzielles Risiko ein. Denn die Fluggesellschaft erhöht nach eigenen Angaben mit dem zusätzlichen Angebot die Flugleistung in Europa nur wenig. Die angebotenen Sitzkilometer stiegen nur um 4,5 Prozent, sagte Hohmeister.

In der Startphase ist darum das neue Angebot auch weniger ein Ausbau denn eine Verlagerung. «Wir optimieren das bisherige Angebot und ziehen Flugzeuge von Basel ab», bestätigte Hohmeister. Die Swiss wird demnach andere europäische Destinationen weniger oft anfliegen als heute. In Zürich werden 5 bis 6 Flugzeuge zusätzlich stationiert.

1000 neue Angestellte bis 2017

2015 wird darum der Personalbestand bei der Swiss auch nur geringfügig ansteigen. Im übernächsten Jahr wird sich das jedoch laut Hohmeister ändern. Innerhalb von zwei Jahren werde die Swiss 1000 neue Leute einstellen, sagte der Swiss-Chef. Es brauche vor allem neues Kabinenpersonal.

Der Grund dafür ist der Umbau der alten und die Ankunft neuer, grösserer Jets. So unterzieht die Swiss die alten Airbus 320 und 321 einer Renovation und baut für 1,5 Millionen Franken pro Flieger neue Sitze ein. Mit diesen erhöht sich die Sitzzahl um 12 respektive 19 Plätze pro Flugzeug. Ab 2015 beginnt auch die Erneuerung der Europaflotte. Dafür wird die Swiss gemäss eigenen Angaben bis in fünf Jahren 3,5 Milliarden Franken investieren.

Dazu kommen 1,5 Milliarden für neue Langstreckenjets. Die neuen Flieger von Bombardier, Airbus und Boeing sollen nicht nur kostengünstiger, sondern auch deutlich leiser sein. «2020 werden wir eine der jüngsten Flugzeugflotten aller Airlines haben», sagte Hohmeister. Das durchschnittliche Flugzeugalter werde sich von heute 15,5 Jahren auf 8 Jahre praktisch halbieren.

Personalkosten senken

Der Swiss-Chef dementierte dabei auch das Gerücht, dass mit dem Umstieg im Interkontinental-Geschäft von Airbus- auf Boeing-Jets auch vermehrt ausländische Piloten angestellt werden. «Wir planen lediglich den Zuzug von 4 bis 5 Fluglehrern aus dem Ausland», sagte Hohmeister. Unverändert bleibe jedoch das Ziel der Swiss, die Personalkosten zu senken.

Die Fluggesellschaft liegt darum mit den Airbus-Piloten seit längerem im Streit. Nachdem im Frühling ein Einigungsversuch gescheitert war, hat die Fluggesellschaft Ende September den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit dem Pilotenverband Aeropers auf Ende November 2016 gekündigt. Rainer Hiltebrand, der operative Leiter der Fluggesellschaft, gab am Montag bekannt, dass sich daran bis jetzt nichts geändert habe.

Mit Kapers, der Vertretung des Kabinenpersonals, habe man sich dagegen auf einen Verhandlungsfahrplan einigen können. Die Gespräche mit Kapers sollen im November starten.

sda