ZÜRICH/BAAR: Die Sika-Erben gehen in die Offensive

Der Verkauf von Sika an Saint-Gobain bleibt blockiert. Nun hat die verkaufswillige Familie eine PR-Aktion gestartet. Die Bilanz ist ernüchternd.

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Sika-Logo am Hauptsitz in Baar. (Bild: Keystone)

Sika-Logo am Hauptsitz in Baar. (Bild: Keystone)

Im bereits seit 16 Monaten dauernden Streit um den Baarer Baustoffkonzern Sika stand die letzten Wochen das sich gegen eine Übernahme wehrende Management im Mittelpunkt. Die Sika-Chefs präsentierten das beste Resultat in der über 100-jährigen Firmengeschichte und bekräftigten den ungebrochenen Widerstand gegen den Verkauf der Stimmenmehrheit durch die Erbenfamilie Burkard an den französischen Konzern Saint-Gobain.

Nun gehen die Gegner in diesem epischen Wirtschaftskrimi in die Offensive: Die Schenker-Winkler Holding (SWH), die Familiengesellschaft der Burkards, und Saint-Gobain luden am Mittwoch zu einem «Round-Table-Gespräch» nach Zürich ein. Ausgewählte Medienvertreter, Investoren und Bankanalysten wurden über den aktuellen Stand im Übernahmestreit informiert. Urs Burkard, Oberhaupt der Erbenfamilie, und Guillaume Texier, Finanzchef von Saint-Gobain, drückten mit aller Deutlichkeit aus, dass sie trotz Widerstands und anhaltenden juristischen Streits am Verkaufsvertrag festhalten.

Neuigkeiten gab es an der Präsentation keine. Sowohl von Burkard als auch von Texier wurden die bekannten Argumente wiederholt, weshalb man überzeugt sei, dass sich der Deal lohne – und zwar auch für die Publikumsaktionäre, die im Gegensatz zu den Burkards kein Angebot für ihre Aktien erhalten.

«Synergien von 180 Millionen Euro»

Saint-Gobain sei als führendes Unternehmen aus dem Baustoffbereich der ideale Partner für Sika, sagte Urs Burkard. Von den künftigen Synergien würden beide Unternehmen profitieren. Guillaume Texier beziffert die jährlichen Synergien auf rund 180 Millionen Euro, wovon 70 Millionen der Sika zugutekämen. «Sika bleibt Sika. Für mindestens zwei Jahre kommt es zu keinen Entlassungen», wiederholte Urs Burkard die Jobgarantie, die Saint-Gobain zugesichert habe.

Das allgemeine Fazit unter den zirka 30 teilnehmenden Journalisten, Analysten und Investoren: «Alter Wein in neuen Schläuchen.» Neu ist jedoch, dass die SWH unter www.swh-transaction.ch eine Informationsseite aufgeschaltet hat.

Die Zweifel am umstrittenen Deal können die SWH und Saint-Gobain trotz aller Bemühungen nicht aus dem Weg räumen. Weiterhin lehnen alle hiesigen Analysten, die Sika abdecken, die vorgeschlagene Übernahme ab. Durchwegs negativ lauteten gestern auch deren Berichte. «Ein Fragezeichen zu den versprochenen Synergien», fasste die UBS ihre Einschätzung zusammen. Geradezu vernichtend schreibt der Helvea-Analyst: «Wir finden es höchst unprofessionell, dass für Saint-Gobain nicht deren CEO Pierre-André de Chalendar präsentierte, sondern der Finanzchef, der erst seit wenig mehr als zwei Monaten im Amt ist.» Man sei überzeugt, dass Saint-Gobain nur aus Eigeninteresse handle, was von Anfang an offensichtlich war. «Unserer Meinung nach können die Berater von Urs Burkard sowie er selber die positiven Auswirkungen für die Publikumsaktionäre von Sika nicht wirklich erklären», steht im Helvea-Bericht.

«Die aufwendige PR-Aktion von SWH und Saint-Gobain ist ein Schlag ins Wasser», kommt Roger Huber vom Verband für Krisenkommunikation zum Schluss. «Man hat versucht, eine auf Fakten beruhende Meinung umzustossen», erklärt der PR-Fachmann. «Solche Kampagnen funktionieren in den USA, wo Show und Emotionen ein wichtiger Bestandteil zur Bildung der öffentlichen Meinung sind. In der Schweiz läuft es aber anders.»

Bleibt die Frage, weshalb Saint-Gobain und die SWH zu diesem Zeitpunkt eine Werbeoffensive starten. Zumal der Sika-Streit blockiert ist und nur durch den richterlichen Entscheid gelöst werden kann. Das Kantonsgericht Zug prüft derzeit, ob die Entmachtung der Erbenfamilie Burkard durch eine Stimmrechtsbeschränkung an den beiden letztjährigen Generalversammlungen rechtens war oder nicht. Dabei entscheidet das Gericht aufgrund der Rechtslage. Die Meinung von Analysten, Investoren und der Öffentlichkeit ist nicht relevant.

Neue Berater bei der SWH

Ein an der Präsentation anwesender Investor ist überzeugt, dass Urs Burkard unter Druck von Saint-Gobain und seinen Beratern die Werbeoffensive lancieren musste «mit dem Ziel, dass die in der Öffentlichkeit als feindliche Übernahme geltende Aktion zur freundlichen Transaktion wird». Der Investor erläutert: «Die Familie Burkard hat einen Vertrag unterschrieben, aus dem sie nicht aussteigen kann», sagt er. Die fünf Burkard-Geschwister seien beim Abschluss des Deals schlecht beraten gewesen, «und sie scheinen es auch heute zu sein», ist er überzeugt.

Ironie dabei sei, dass sich die SWH für die jüngste Aktion mit Profis verstärkt hat. Neu gehören der frühere Investmentbanker Pascal Ravery sowie der PR-Mann Edwin van der Geest zum Beratungsteam. «Die einzigen Gewinner der jüngsten Aktion sind einmal mehr die Anwälte und Berater, die bestens an diesem Misserfolg verdienen, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen», schloss ein langjähriger Sika-Investorenvertreter sichtlich genervt.

Ernst Meier