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ZÜRICH/KAIRO: Bei Orascom wird aufgeräumt

Samih Sawiris’ Tourismusunternehmen steckt seit längerem in der Krise. Der neue CEO reagiert und ergreift Massnahmen. In Andermatt soll es aber planmässig weitergehen.
Ernst Meier
Das Steigenberger Golf Resort im ägyptischen El Gouna. Der Touristenort an einem zehn Kilometer langen Küstenabschnitt am Roten Meer ist das Vorzeigeprojekt von Orascom Development. (Bild: Getty/Dana Smillie)

Das Steigenberger Golf Resort im ägyptischen El Gouna. Der Touristenort an einem zehn Kilometer langen Küstenabschnitt am Roten Meer ist das Vorzeigeprojekt von Orascom Development. (Bild: Getty/Dana Smillie)

Ernst Meier

Traumhafte Strände reichen beim Tourismusunternehmen Orascom Development schon lange nicht mehr für erfolgreiche Geschäfte. Der ägyptische Immobilienentwickler und Hotelbetreiber, dessen Aktien an der Schweizer Börse kotiert sind, kämpft seit über fünf Jahren mit den Problemen des ägyptischen Tourismus. Dieser befindet sich seit Ausbruch des Arabischen Frühlings 2011 und Terroranschlägen in der Dauerkrise.

83 Prozent von Orascoms Bettenkapazitäten befinden sich in Ägypten. Die Diversifizierung des Konzerns in europäische Länder wie England, Monte­negro oder der Schweiz steckt noch in der Aufbauphase. Das hinterlässt tiefe Spuren in den Geschäftsbüchern. Seit 2011 ist der Cashflow negativ. 2015 resultierte ein Konzernverlust von 19 Millionen Franken. Als Folge des Absturzes eines russischen Passagierflugzeuges über dem Sinai letzten Herbst meiden weitere Touristen Ägypten. Im ersten Quartal 2016 resultierte bei Orascom ein Nettoverlust von 26,4 Millionen Franken. Der Absturz einer Boeing mit 66 Menschen an Bord über dem Mittelmeer am 19. Mai spitzt die Situation noch mehr zu.

Emanzipation von Sawiris

Bei Orascom ist man sich der anhaltend schwierigen Marktbedingungen bewusst. Mit der Besetzung des CEO-Postens durch Khaled Bichara machte Hauptaktionär Samih Sawiris klar, dass er nicht länger die Krise einfach aussitzen will. Die Zeit, als der Patron mit dem Verkauf von Tafelsilber und eigenen Finanzspritzen den Konzern operationsfähig hielt, soll vorbei sein. Diese Haltung machte gestern auch Bichara deutlich. «Ich hoffe, ich werde nie bei Sawiris um Geld nachfragen müssen. Wenn ich das tue, dann aber nur einmal», sagte er bestimmt.

«Wir wollen mehr Einnahmen gene­rieren und die Kosten senken», erklärte der 45-Jährige. Für den Turnaround strukturiert der Manager Orascom neu. Die einzelnen Regionen erhalten mehr Verantwortung. Bisher war Orascom nach Sparten (Hotels, Entwicklung usw.) organisiert. «Wir werden dezentraler und effizienter», so Bichara. Er versprach, auf breiter Ebene das Unternehmen günstiger aufzustellen. So sollen Büroräume an Standorten wie Kairo reduziert und in preiswertere Regionen verlagert werden. Finanzielle Ziele gab Bichara keine bekannt, sagte aber: «Wir wollen so bald als möglich in die schwarzen Zahlen zurückkehren.» In Andermatt soll sich vorläufig nichts ändern: «Hier sind wir planmässig im Aufbau und profitieren künftig von steigenden Einnahmen.»

Investitionen auch in Ägypten

Als weitere Massnahme kündigte der CEO eine Umschuldung an. Nachdem die Laufzeiten der Kredite geändert sind, will er auch eine bessere Verteilung bei den Währungen. Bichara sieht auch Potenzial, die Umsätze in den arabischen Ländern zu steigern. So will er den Hafen in El Gouna ausbauen. Die Nachfrage stimme optimistisch: «El Gouna liegt mit einer Auslastung von 60 Prozent über dem Schnitt ägyptischer Destinationen. 40 Prozent aller Gäste kommen aus dem Inland.» Der Erfolg von Bicharas Restrukturierungen wird sich auf dessen Bankkonto auswirken. Neben seiner fixen Entlöhnung winkt ihm eine Bonuszahlung von 14 Millionen Franken. Diese erhält er nur, wenn er in sechs Jahren die Zielvereinbarungen erreicht.

Khaled Bichara, seit Anfang Jahr CEO von Orascom Development. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Khaled Bichara, seit Anfang Jahr CEO von Orascom Development. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

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