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ZUG: Bossard sucht sich die nächste Nische

Das Zuger Unternehmen will im Zukunftsmarkt 3D-Druck mitmischen. Um die Entwicklung zu beschleunigen, schaut sich Bossard deshalb nach einem Übernahmekandidaten um.
Roman Schenkel
Mit 3D-Druckern können Prototypen von Produkten entwickelt werden. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Mit 3D-Druckern können Prototypen von Produkten entwickelt werden. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Roman Schenkel

Die Messe für 3D-Druck auf der Luzerner Allmend hatte gestern einen Besucher, der die Produkte und Hersteller besonders genau unter die Lupe genommen hat. Bossard-CEO David Dean hat sich nach der Bilanzmedienkonferenz in Zürich an die AMX-Messe (Additing Manufacturing Expo) nach Luzern aufgemacht. Sein Interesse am 3D-Druck ist ganz konkret: Bossard beabsichtigt, beim 3D-Druck ganz vorne mit dabei zu sein. «Wir halten Ausschau nach einem Start-up auf diesem Gebiet, um hier die notwendige Kompetenz inhouse zu haben und die Entwicklung zu beschleunigen», sagt Dean.

Industrielle 3D-Drucker oder die additive Fertigung sind ein Zukunftsmarkt, der Anlegerfantasien weckt. Erst vor Wochenfrist hat Bossard eine Kooperation mit drei Industriegesellschaften auf diesem Gebiet bekannt gegeben. Das Zuger ­Logistikunternehmen wird dabei ihre 3D-Drucker und Verbrauchsmaterialien wie Metallpulver verkaufen. Erste Maschinen hat Bossard bereits verkauft, sagte Dean gestern an der Bilanz­medienkonferenz (siehe Box).

Nun geht Bossard aber noch einen Schritt weiter. «Wir wollen unseren Kunden auch in der ­additiven Fertigung als Berater zur Seite stehen», so Dean. Nur durch den Vertrieb allein erreiche man aber nicht genug Know-how, um in diesem Gebiet Vorreiter zu sein. «Wir wollen deshalb auch in die Herstellung einsteigen», sagt Dean. Falls es nicht via einer Übernahme gelinge, «werden wir selber als Hersteller tätig». Bos­sard werde als Pilotmarkt damit in der Schweiz starten, so Dean. «Wir wollen Erfahrungen sammeln, bevor der 3D-Druck in der Breite angewendet wird.» Dean betont, dass der junge Geschäftsbereich 2018 nicht in den Zahlen sichtbar werde. Und wenn, dann nur auf der Kostenseite: «Wir ­investieren, das wird zunächst kosten, bevor es sich bezahlt macht», sagt Dean.

Als grösste Hürde für eine breite Anwendung der noch jungen Technologie sieht Dean die fehlende Fachkompetenz bei den Konstrukteuren der Kunden von Bossard. «Deshalb wird die Technologie derzeit nur in kleinem Rahmen genutzt.»

Interessant für die Herstellung von Prototypen

3D-Druck sei für Bossard vor ­allem im Bereich von Prototypen interessant, sagt Armin Rechberger, Finanzanalyst bei der Zürcher Kantonalbank. «Bossard kann dadurch Produkte für Kunden schon in einer frühen Phase mitentwickeln», sagt er. Einzelteile können schnell und vergleichsweise kostengünstig als Prototypen hergestellt werden. «Fräsen hingegen ist für komplizierte Einzelteile oft teurer, respektive für spezielle Formen nicht zielführend.» Für die Massenproduktion eigene sich der 3D-Druck aber nicht. «Unter ­anderem ist die Aufbaugeschwindigkeit viel zu tief.»

Dass Bossard auf den 3D-Druck-Trend aufspringe, sei nachvollziehbar. «Es ist eine Marktlücke, zudem kann sich das Unternehmen neue Geschäftsfelder erschliessen.» Ob Bossard ­allerdings das richtige Unternehmen ist, um diese Marktlücke zu füllen, dahinter setzt Rechberger ein Fragezeichen. «Die Konkurrenz ist gross, Personal mit der ­erforderlichen Erfahrung ist schwierig zu finden», sagt er.

Für Marc Possa, Geschäftsführer der Zuger VV Vermögensverwaltung AG, ist die Strategie von Bossard «absolut richtig». Ob sie sich irgendwann materiell auszahlt, werde sich zeigen. ­«Gerade in der Medizinaltechnik oder in der Produktion von Kleinserien ist der 3D-Druck aber ­interessant», sagt er.

Vor allem gehe es aber darum, dass sich Bossard ein gutes Portfolio für die Zukunft erarbeite. «Dass es sich lohnt, ein Pflänzchen zu hegen und aufzuziehen, zeigen ja die Aufträge, die Bos­sard in der E-Mobilität hat», sagt er. Auch bei Tesla habe man klein angefangen, «inzwischen ist Tesla der grösste Kunde von Bos­sard», so Possa.

Der 3D-Druck wäre bei Bos­sard am besten beim Tochterunternehmen KVT Solutioneering. Dieses hat Bossard im ­Dezember 2012 übernommen. KVT Solutioneering stellt unter anderem Komponenten für den Maschinen- und Anlagenbau oder die Luft- und Raumfahrt her. Die Produkte von KVT-Fastening kommen dort zum Einsatz, wo Standardkomponenten bestimmten Anforderungen nicht genügen. Dabei handelt es sich etwa um besondere Masse und Bauteilgeometrien oder spezielle Werkstoffe.

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