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ZUG: Kryptowährungen: Die Reputation steht auf dem Spiel

Neue Zahlen zeigen, wie gross die Bedeutung des Standorts Zug für die Kryptoszene ist. Doch die junge Branche kämpft mit Wachstumsschmerzen. Nun setzt der Bund eine Arbeitsgruppe ein.
Maurizio Minetti
Einer der Hotspots für ICOs ist der Standort Zug. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 15. Juni 2016))

Einer der Hotspots für ICOs ist der Standort Zug. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 15. Juni 2016))

Maurizio Minetti

Nie zuvor war es für Jungunternehmer so einfach wie heute, ­Kapital zu beschaffen. Möglich machen dies sogenannte Initial Coin Offerings (ICO). Dabei sammeln Firmen Kapital in Form von etablierten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether bei Anlegern ein und geben im Gegenzug sogenannte Tokens aus. Diese werden dann als neue Kryptowährung an speziellen Börsen gehandelt. 2017 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr des ICO-Booms. Eine Studie des Beratungsunternehmens PWC zeigt, dass Unternehmen im letzten Jahr bis Ende November 4,6 Milliarden Dollar über ICOs eingenommen haben (siehe Grafik). Im gesamten Vorjahr waren es erst 236 Millionen gewesen, 2015 gar nur 10,5 Millionen. Insgesamt haben letztes Jahr laut der Studie 438 Unternehmen eine eigene Währung herausgegeben. Das sind achtmal mehr als im Vorjahr.

Die Schweiz spielt bei diesem Boom eine zentrale Rolle. Hierzulande profitieren Jungunternehmen von einem regulatorisch freundlichen Umfeld. Vier der zehn grössten ICOs haben ihren Ursprung in der Schweiz. Meistens steckt eine Stiftung dahinter, und meistens hat diese Stiftung ihren Sitz in Zug. PWC-Studienautor Daniel Diemers schätzt, dass bei den 50 grössten ICOs die Zuger zwei Drittel des Schweizer Volumens ausmachen.

Das grösste Kryptoprojekt bleibt blockiert

Das grösste Schweizer ICO war letztes Jahr jenes von Tezos mit einem Volumen von über 230 Millionen Dollar. Die Gründer wollen eine technologisch fortschrittliche Währung namens Tezzie lancieren. Allerdings ist zwischen dem Gründer-Ehepaar Arthur und Kathleen Breitman und dem Stiftungsratspräsidenten Johann Gevers ein Streit um eine Bonuszahlung ausgebrochen, sodass der Launch dieser neuartigen Kryptowährung auf sich warten lässt. Das Geld der Investoren ist seit Monaten blockiert. In der Kryptoszene sorgt diese Blockade für Frust, denn man ist überzeugt, dass die Technologie hinter Tezos bahnbrechend ist.

Auf der Online-Plattform Reddit hat man Gevers längst als Schuldigen ausgemacht. Im Herbst wehrte er sich noch gegen die Vorwürfe aus der Tezos-Community, mittlerweile hält er sich aber zurück. Gevers hat eine PR-Agentur eingeschaltet, die aber auf konkrete Fragen nicht eingeht. In einer Stellungnahme lässt sie ausrichten: «Der Stiftungsrat unternimmt momentan alles Notwendige, damit sich die Tezos-Stiftung wieder voll auf die Erfüllung des Stiftungszwecks konzentrieren kann. Dazu gehört auch die Besetzung des Stiftungsrats mit einem dritten Mitglied. Momentan ist die Tezos-Stiftung mit möglichen Kandidaten im Gespräch.» Hintergrund ist, dass ein Stiftungsrat letztes Jahr das Gremium verlassen hat.

Ob die Ernennung eines neuen Mitglieds für die Zuger Stiftung den Streit lösen wird, bleibt offen. Je länger die Blockade dauert, desto grösser ist der Reputationsschaden für Zug als Nabel der internationalen Kryptoszene.

Just gestern sprach Tezos-Gründerin Kathleen Breitman an der Crypto Finance Conference in St. Moritz über das Projekt – und heute Morgen wird Johann Gevers an der gleichen Konferenz über «ICO Best Practice» referieren und an einem Podium teilnehmen. Auf die Frage, ob es zu einem Treffen zwischen den Streitparteien kommen wird, ging die PR-Agentur von Gevers nicht ein.

Dabei hat die Kryptobranche auch abgesehen vom Fall Tezos mit Reputationsschwierigkeiten zu kämpfen, denn Kryptowährungen gelten vielerorts als Spekulationsinstrument. Mehrere Länder erwägen deshalb ein Handelsverbot.

In der Schweiz hat die Finanzmarktaufsicht (Finma) in mehreren Fällen Abklärungen getroffen und zum Beispiel den «E-Coin» aus dem Verkehr gezogen, dessen Urheber betrügerische Absichten hatten. Die Branche selber hat unlängst mit der Lancierung eines «Code of Conduct» reagiert, der rechtliche, moralische und sicherheitstechnische Verhaltensregeln für ICOs vorgibt. Auch in Bundesbern sind ICOs ein Thema. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) hat gestern dazu eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie soll die rechtlichen Rahmenbedingungen überprüfen und allfälligen Handlungs­bedarf aufzeigen. Die Arbeitsgruppe werde dem Bundesrat bis Ende des Jahres Bericht erstatten, teilte das SIF mit. Einbezogen werden das Bundesamt für Justiz und die Finma. Die Gruppe soll eng mit der Branche zusammenarbeiten. Das Ziel seien die Erhöhung der Rechtssicherheit, die Aufrechterhaltung der Integrität des Finanzplatzes und die Sicherstellung einer technologieneutralen Regulierung.

Bild: Grafik: Janina Noser

Bild: Grafik: Janina Noser

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