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ZUG: Rohstoffgigant spürt Gegenwind

Mit der Fusion ist Glencore Xstrata zu einem der weltgrössten Rohstoffhändler aufgestiegen. Im ersten Halbjahr 2013 kämpft sich der Konzern aber durch ein schwieriges Umfeld.
Roman Schenkel
In den Minen des Mount Isa im australischen Queensland fördert Glencore Xstrata Erze, die Kupfer, Silber, Zink und Blei enthalten. Im Hintergrund (rechts) sind die zum Komplex gehörenden Schmelzhütten zu erkennen. (Bild: Keystone/Jack Atley)

In den Minen des Mount Isa im australischen Queensland fördert Glencore Xstrata Erze, die Kupfer, Silber, Zink und Blei enthalten. Im Hintergrund (rechts) sind die zum Komplex gehörenden Schmelzhütten zu erkennen. (Bild: Keystone/Jack Atley)

An den Rohstoffmärkten sind die Preise in den letzten Monaten stark ins Rutschen geraten. Der Preis für Kupfer zum Beispiel ist seit Jahresbeginn um knapp 9 Prozent eingebrochen, Aluminium hat knapp 10 Prozent verloren, bei Zink oder Nickel ist der Preis gar um über 12 respektive um über 14 Prozent gefallen.

Der Grund für den Preiszerfall liegt im Osten: «Kurzfristig ist das gedämpfte Wirtschaftswachstum von China dafür verantwortlich», sagt Norbert Rücker, Leiter Rohstoffanalyse bei der Privatbank Julius Bär. Nach zwei Jahrzehnten stürmischen Aufstiegs scheint nun auch in China die Luft dünner zu werden. Lange Zeit lag die Wachstumsrate bei über 10 Prozent, in diesem Jahr jedoch kämpft China mit dem offiziellen Ziel von 7,5 Prozent.

Am Tropf der Weltwirtschaft

Nicht nur die chinesischen, auch die Konjunkturdaten weltweit wirken sich direkt auf die Ergebnisse der Rohstoffindustrie aus. China kommt jedoch wegen seiner Verbrauchsdominanz eine besondere Bedeutung zu. So stellte das Land im vergangenen Jahr zum Beispiel über 40 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Kupfer. Dass sich das auch in der Rechnung des Zuger Rohstoffgiganten Glencore Xstrata niederschlägt, liegt auf der Hand: Mit 36 Prozent des Umsatzes ist Kupfer, gefolgt von Kohle (27 Prozent) und Zink (16 Prozent), der wichtigste Wachstumstreiber des Unternehmens (siehe Grafik).

Am 20. August wird Glencore Xstrata die Halbjahreszahlen vorlegen. Wie das Ergebnis des Anfang Mai fusionierten Konzerns ausfallen wird, hängt dabei sehr stark von der Entwicklung der Rohstoffpreise ab, so die Analysten von der Bank J. Safra Sarasin. Es ist die wichtigste Stellschraube für das Unternehmen. Im Juli haben sich die Preise zwar wieder etwas erholt, seit der Fusion am 3. Mai hat der Aktienkurs des fusionierten Unternehmens 13,5 Prozent verloren. Nobert Rücker von der Bank Julius Bär geht davon aus, dass die Preise im Rohstoffgeschäft auch längerfristig unter Druck bleiben werden. «Der Superzyklus bei den Rohstoffen lässt nach», sagt er. In der Vergangenheit kannten die Preise nur eine Richtung: nach oben. «In dieser Zeit haben die Unternehmen viel in die Förderung investiert», sagt Rücker. Neue Minen wurden eröffnet, neue Ölfelder erschlossen. «Zum Beispiel der Ölboom in den USA, die Entwicklung in der Förderung von Schiefergas oder die Eröffnung einer riesigen Kupfermine in der Mongolei», zählt er auf. Diese Investitionen zeigten sich nun auch am Markt: «Dank den neuen Minen und den neuen Ölfeldern ist das Angebot auf dem Markt deutlich breiter», erklärt Rücker. Das lasse die Preise im Rohstoffgeschäft sinken.

Für die Unternehmen sei das aber nicht zwingend eine negative Entwicklung. «Es ist mehr Volumen auf dem Markt, das ist zumindest ein positiver Faktor für die Umsätze», sagt Rücker.

Sparprogramm angekündigt

Neben dem operativen Geschäft dürften auch Sondereffekte und Fusions-nachwirkungen das Halbjahresergebnis beeinflussen. Beim Zusammenschluss von Glencore und Xstrata bezifferte Chef Ivan Glasenberg die Synergieeffekte auf rund eine halbe Milliarde US-Dollar. Analysten gehen jedoch davon aus, dass diese eine eher tiefe Schätzung ist. Hinzu kommt, dass Glasenberg ein Sparprogramm in der Höhe von rund 300 Millionen Dollar angekündigt hat. So solle eine «grosse Zahl» an Xstrata-Mitarbeitern im mittleren Management entlassen werden.

Das werde durch die Schliessung von Xstrata-Büros inklusive der beiden Hauptsitze in Zug und London geschehen. Glasenberg erklärte im Mai, «Bürokratie und Duplikation» sollten eliminiert werden. Insgesamt beschäftigt Glencore Xstrata in 50 Ländern rund 190 000 Personen.

Verkauf grosser Mine in Peru

Mitte Juli leitete Glencore Xstrata zudem den Verkauf der Kupfermine Las Bambas in Peru in die Wege. Glencore Xstrata hatte sich im Rahmen der Fusion zum Verkauf der Mine gegenüber dem chinesischen Handelsministerium verpflichtet. Erst diese Bedingung machte die Fusion von Glenxore Xstrata möglich. Laut den Analysten von der Bank J. Safra Sarasin könnte der Verkauf allerdings positiv überraschen und viel Geld in die Kasse spülen. Noch im Januar hatte Xstrata die Investitionen für Las Bambas auf 5,2 Milliarden US-Dollar beziffert.

Ebenfalls als wahrscheinlich gilt, dass sich Glencore Xstrata von seiner Beteiligung am Platinproduzenten Lonmin trennen wird. Der Zuger Konzern ist mit etwas über 20 Prozent am britischen Unternehmen beteiligt. Laut der Bank J. Safra Sarasin seien die Synergien im Handel limitiert. Zudem habe das Unternehmen zuletzt operativ mehrfach enttäuscht. Falls es nicht zu einem Verkauf komme, sei auch eine Wertberichtigung möglich. Lonmin geriet 2012 negativ in die Schlagzeilen, als bei einem Streik in Südafrika über vierzig Minenarbeiter von der Polizei erschossen wurden. Auch zwei Polizisten wurden getötet.

Glasenberg will die Nr. 1 werden

Doch Glencore Xstrata wird nicht nur Minen verkaufen. Mit Übernahmen ist das Unternehmen gross geworden, und Glasenberg hat wiederholt betont, er wolle den weltweit grössten Bergbaukonzern schaffen. Zurzeit ist Glencore Xstrata die Nummer vier – gemessen am Börsenwert – nach BHP Billiton, der Rio Tinto Group und Vale, aber deutlich vor Anglo American.

Gerade Anglo American wird immer wieder mit Glencore Xstrata in Verbindung gebracht. Kein Wunder: Anglo American schürft nach Eisenerz, Kupfer und Kohle und würde gut zum Zuger Konzern passen. Auch der kanadische Kupferproduzent First Quantum und die britisch-kasachische Enro sollen auf der Einkaufsliste von Glasenberg stehen.

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