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ZUG: Telekom sorgt für Fantasie

Wasser, Strom und Gas – die WWZ bedienen Zug und einzelne Luzerner Gemeinden mit Grundprodukten. Wachstumsmotor ist aber die Sparte «digitale Dienste».
Ernst Meier
Die meisten Schweizer Kabelnetzkunden beziehen ihr Angebot bei UPC Cablecom. Kleine Anbieter mischen aber erfolgreich mit. (Bild: Keystone/Elisabeth Real)

Die meisten Schweizer Kabelnetzkunden beziehen ihr Angebot bei UPC Cablecom. Kleine Anbieter mischen aber erfolgreich mit. (Bild: Keystone/Elisabeth Real)

Die europäischen Stromunternehmen haben keine einfachen Jahre hinter sich. Mit der Energiewende gerieten die Preise massiv unter Druck. Freie Handelsmärkte, staatliche Gelder für alternative Energiequellen (Windrad, Solarpanel) sowie Fukushima sorgten für sinkende Gewinne bei den Versorgern. Entsprechend ging es auch an der Börse auf Talfahrt. Der deutsche Stromriese E.ON ist heute weniger als die Hälfte von dem wert, was er 2009 noch war. Den Schweizer Versorgern ging es nicht besser: Der Börsenwert von Alpiq verringerte sich innert fünf Jahren um 75 Prozent, ähnlich sieht es bei den Berner Kraftwerken (BKW) aus.

Eine Ausnahme in der Branche ist die Wasserwerke Zug AG (WWZ). Das kleine Energieunternehmen, das Zug sowie einige Gemeinden im Kanton Luzern neben Strom auch mit Wasser oder Erdgas versorgt, blieb von den Turbulenzen grösstenteils verschont. Grund: Die WWZ produzieren nur einen kleinen Teil des verkauften Stroms selber (vor allem im Lorzenkraftwerk). Mehrheitlich bezieht man die Elektrizität über Partner wie Alpiq und am Markt. So profitierte man sogar von den fallenden Grosshandelspreisen.

Abschreiber auf Alpiq-Beteiligung

Vom Produzentenrisiko waren die WWZ aber insofern betroffen, als auf ihrer Alpiq-Beteiligung happige Abschreiber vorgenommen werden mussten. In den letzten drei Jahren belief sich der Wertverlust auf knapp 15 Millionen Franken. Nachdem die Branche die Talsohle wohl durchschritten hat, dürfte es zu keinen grösseren Abschreibungen mehr kommen. Gegenüber dem Höchstwert aus dem Jahr 2008 büsste die ausserbörslich gehandelte WWZ-Aktie zeitweise 25 Prozent ein, heute sind es noch knapp 17 Prozent. Wegen des stabilen Geschäftsmodells bezeichnete der Fondsverwalter Markus Rüegsegger das Zuger Traditionsunternehmen (Marktwert: 530 Millionen Franken) in der «NZZ am Sonntag» kürzlich als «Blue Chip» unter den «Ausserbörslichen».

Steigende Gewinne erwartet

Für Bankanalysten und Investoren sind die WWZ aber auch noch aus einem anderen Grund ein interessantes Unternehmen, wie eine Studie der BZ Bank zeigt. Diese konzentriert sich auf das vierte WWZ-Standbein, das Telekomgeschäft. Im Gegensatz zu anderen Versorgern ist das Zuger Unternehmen nämlich auch ein Kabelnetzbetreiber. Das einstmalige Nischengeschäft wurde im Gleichschritt mit der «Digitalisierung des Wohnzimmers» stetig ausgebaut. Die WWZ bieten heute im Verbund mit anderen Kabelnetzbetreibern unter der Marke Quickline Internet, Digital-TV, Festnetz- sowie Mobiltelefonie an.

Die Einnahmen aus dem Telekomgeschäft machen bei den WWZ knapp einen Fünftel des gesamten Umsatzes aus. Bei der BZ Bank im schwyzerischen Wilen sieht man hier weiteres Wachstumspotenzial. «Wir erwarten steigende Gewinne als Folge des anhaltenden Wachstums im Telekombereich», heisst es auf Anfrage unserer Zeitung.

Die WWZ bedienen heute mit Quick­line rund 91 000 Kunden. In den letzten drei Jahren kamen durch die Übernahme von Kabelnetzbetreibern in den Kantonen Luzern, Schwyz, Aargau und Bern mehrere tausend neue Kunden dazu. Noch nicht eingerechnet ist die Sasag Kabelkommunikation mit 40 000 Haushaltungen. Per 1. Oktober 2013 übernahmen die WWZ die Aktienmehrheit am Schaffhauser Unternehmen. In der Branche sieht man den Sasag-Deal als eigentlichen Coup, der dem Quick­line-Verbund weiteren Auftrieb gibt. Die BZ Bank prognostiziert bei einem Wachstum in der Grössenordnung der letzten drei Jahre, dass «ab 2017 die WWZ mehr Umsatz im Telekomgeschäft erwirtschaften als mit dem Verkauf von Strom».

Weitere Übernahmen möglich

Noch gibt es neben den 450 000 Anschlüssen im Quickline-Verbund rund 500 000 Haushaltungen, die zu unabhängigen regionalen Kabelnetzbetreibern gehören (Zahlen beruhen auf Schätzungen). Aufgrund steigender Investitionen in Erneuerungen der Infrastruktur (Glasfasernetz) sowie in digitale Inhalte (TV-Sender, Live-Sport usw.) rechnet man in der Branche mit weiteren Zusammenschlüssen. Branchenführer Cablecom steht wegen der Konkurrenz durch die Swisscom, die seit einigen Jahren mit ihrem «Telefonnetz» ebenfalls im TV-Markt mitmischt, unter Druck. Im Kampf um Marktanteile ist Cablecom deshalb auch an der Übernahme kleinerer Anbieter interessiert – wie auch die WWZ. «Wir sind interessiert, weitere Kabelnetze zu übernehmen, wenn sich diese in unsere bisherige Strategie eingliedern lassen», sagt WWZ-Chef Andreas Widmer auf Anfrage. Experten sehen gute Chancen, dass den WWZ dies gelingt, weil das Unternehmen reichlich Erfahrung mit der Integration von lokalen Netzbetreibern hat.

Die WWZ-Aktie legte diese Woche knapp 5 Prozent zu, was wohl mit dem guten Ergebnis 2013 sowie der um 11 Prozent höher ausfallenden Dividende zu tun hat (wir berichteten am Dienstag). Damit rentieren die wenig gehandelten Zuger Liebhaber-Werte derzeit 2,8 Prozent.

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