Russland
Zugeständnisse aus Moskau: Russland will Visa und Mastercard im Land behalten

Moskau will die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard überzeugen, ihre Tätigkeit in Russland nicht einzustellen. Um dies zu erreichen soll ein Kompromiss gefunden werden. Die Einlagen bei der russischen Zentralbank sollen reduziert werden.

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US-Kreditkartenfirmen sollen in Russland tätig bleiben - das will der Kreml.

US-Kreditkartenfirmen sollen in Russland tätig bleiben - das will der Kreml.

Keystone

Die russischen Behörden wollen die US-Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard davon überzeugen, ihre Tätigkeit in dem Land fortzusetzen. Bis 1. Juli werde ein Kompromiss erarbeitet, sagte der Vizevorsitzende des Parlamentsausschusses für Finanzmarktfragen, Anatoli Aksakow, am Mittwoch, nachdem Visa einen Rückzug aus Russland angedeutet hatte.

Hintergrund ist die Ankündigung Moskaus, ein nationales Kreditkartensystem aufzubauen und Konkurrenten wie Visa und Mastercard neue Auflagen zu machen.

Aksakow sagte, für eine Lösung müssten die von den Kreditkartenfirmen verlangten Einlagen bei der russischen Zentralbank reduziert werden. Es müsse "ein vernünftiger Betrag" festgelegt werden - dann würden die Firmen ihre Geschäfte in Russland fortsetzen, zeigte er sich überzeugt.

Visa-Chef Charlie Scharf hatte am Montag gesagt, die geplanten neuen Auflagen in Russland "gehen über das hinaus, was wir akzeptieren können". Das Vorhaben werde sein Unternehmen "mehrere hundert Millionen Dollar" kosten.

Das Gesetz, dass am 1. Juli in Kraft treten soll, sieht die Einrichtung eines Sonderkontos bei der russischen Zentralbank vor. Die ausländischen Kreditkartenunternehmen sollen dort Geld einzahlen, das beschlagnahmt werden kann, wenn die Firmen ihre Tätigkeit in Russland einstellen.

Hintergrund dieses Vorhabens ist wiederum eine Entscheidung von Visa und Mastercard im März. Damals stellten beide Anbieter kurzzeitig den Zahlungsdienst für Kunden der Rossija-Bank und weiterer russischer Geldinstitute ein, nachdem die USA in der Krim-Krise Sanktionen gegen die Rossija-Bank verhängt hatten.

Ende März erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, sein Land brauche eine nationale Gesellschaft für Kreditkarten. Solche Systeme funktionierten unter anderem in Japan und China sehr gut. (sda)