Zahnimplantate
Zuversicht trotz starkem Franken: Straumann mit Gewinnsprung

Der Zahnimplantate-Hersteller Straumann, dessen Schweizer Personal dieses Jahr wegen der Franken-Aufwertung eine Lohnkürzung hinnehmen muss, hat 2014 einen Gewinnsprung verzeichnet.

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Das Straumann-Logo am Jacob-Burckhardt-Haus in Basel (Archiv)

Das Straumann-Logo am Jacob-Burckhardt-Haus in Basel (Archiv)

Keystone

Beim Umsatz verzeichnete Straumann ein Plus von 4,5 Prozent auf 710,3 Mio. Fr., wie Konzernchef Marco Gadolo am Freitag in Basel vor den Medien bekanntgab. In Lokalwährungen betrug das Wachstum 6 Prozent. Besonders gut lief das Geschäft mit dem künstlichen Zahnersatz im vierten Quartal mit einem Umsatzplus von 9 Prozent.

Auch in Europa wieder aufwärts

Zulegen konnte der Weltmarktführer für Zahnimplantate in allen Regionen. Auch in Europa, dem wichtigsten Markt von Straumann, entwickelten sich die Verkäufe nach zwei negativen Jahren wieder positiv. Der Umsatz erreichte 376,3 Mio. Fr. gegenüber 368,4 Mio. Fr. im Vorjahr. In der Schweiz musste dagegen ein Umsatzrückgang registriert werden.

Im zweitwichtigsten Markt Nordamerika erhöhte sich der Umsatz um 11,4 Mio. Fr. auf 193,1 Mio. Franken. Zweistellige Wachstumsraten verzeichnete Straumann in China und Lateinamerika. Auf die Schwellenländer entfallen inzwischen 16 Prozent des Umsatzes.

Profitabilität gesteigert

Signifikante Fortschritte vermeldete Konzernchef Gadola bei der Profitabilität. Dank der Kostensenkungsmassnahmen der letzten Jahre stieg der Betriebsgewinn (EBIT) um 28,1 Prozent auf 148,3 Mio. Franken. Die EBIT-Marge kletterte von 17 auf 20,9 Prozent.

Um die Kosten zu senken, hatte Straumann vor zwei Jahren 12 Prozent der Stellen gestrichen. Inzwischen hat der Personalbestand wieder zugenommen. Weltweit stieg die Zahl der Angestellten per Ende 2014 von 2217 auf 2387, in der Schweiz von 702 auf 785. Von diesen sind 421 am Hauptsitz in Basel und 364 im Werk Villeret im Berner Jura tätig.

Neodent-Aufstockung noch offen

Zum Gewinnsprung von 56 Prozent trug namentlich auch ein einmaliger Steuereffekt in Zusammenhang mit der brasilianischen Neodent bei, an der Straumann 2012 für 260 Mio. Fr. einen Anteil von 49 Prozent übernommen hatte. Ohne diesen Steuereffekt belief sich der Reingewinn auf 131 Mio. Franken. Neodent und weitere Beteiligungen steuerten daran 36 Mio. Fr. bei.

Der Neodent-Deal bildete für Straumann den Einstieg ins preiswertere "Value"-Segment neben dem angestammten Geschäft mit "Premium"-Produkten. Ob und wann die Option zur Aufstockung des Neodent-Anteils auf 75 Prozent ausgeübt wird, entscheide sich in den nächsten Monaten nach einem vertieften Einblick in die Geschäftsbücher der Brasilianer, sagte Gadola.

Für das laufende Jahr rechnet Straumann mit einer weiteren Erholung des weltweiten Implantatemarkts und einem organischen Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Angestrebt wird zudem eine EBIT-Marge von mindestens 20 Prozent. Dieser Ausblick und das 2014 erzielte Ergebnis stimmte die Anleger positiv: Am frühen Nachmittag notierte die Straumann-Aktie um 10,2Prozent im Plus bei 257,50 Franken.

Lohnkürzung bringt 10 Millionen

Zum Optimismus an der Börse leisten auch die Straumann-Angestellten in der Schweiz ihren Beitrag: Nachdem ihr Arbeitgeber nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses als eines der ersten Unternehmen des Landes konkrete Abfederungsmassnahmen gegen die Frankenstärke angekündigt hatte, stimmten sie einer Lohnkürzung um 5 Prozent zu.

Wenn es der Geschäftsgang und die Währungssituation erlauben, könne diese Massnahme nächstes Jahr wieder aufgehoben werden, sagte der Konzernchef am Freitag. Die Alternative wäre ein Stellenabbau gewesen. Der Konzernchef selbst verzichtet auf 35 Prozent seines Lohns. Dieser hatte sich 2014 auf rund 3 Mio. Fr. belaufen.

Zu aktuellen durchschnittlichen Wechselkursen würde der starke Franken den Umsatz von Straumann um rund 55 Mio. Fr. und den Betriebsgewinn um 31 Mio. Fr. schmälern. Von den Lohnkürzungen und weiteren Massnahmen wie Zurückhaltung bei Anstellungen und Reisen sowie Zugeständnissen von Zulieferern erhofft sich Gadola Einsparungen von rund 20 Mio. Franken. Davon entfällt etwa die Hälfte auf das Personal.