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ZUWANDERUNG: Australier und ihre Jobs zuerst

Die australische Regierung will ihr Immigrationssystem verschärfen. Für Auswanderungswillige mit einem Berufsabschluss wird es damit schwieriger, ihren Traum von einem Leben «Down Under» zu verwirklichen.
Urs Wälterin, Sydney
Das Opernhaus in Sydney, eines der bekanntesten Wahrzeichen Australiens. (Bild: Steven Saphore/Reuters (Sydney, 2. November 2017))

Das Opernhaus in Sydney, eines der bekanntesten Wahrzeichen Australiens. (Bild: Steven Saphore/Reuters (Sydney, 2. November 2017))

Urs Wälterin, Sydney

Rund 200000 Einwanderer liess Australien im letzten Jahr ins Land. Um die Akzeptanz für das Immigrationssystem in der Bevölkerung zu stärken, will die australische Regierung jetzt die Bedingungen für Zuwanderungswillige verschärfen. Ein seit 1996 laufendes Visasystem werde abgeschafft und durch ein neues Bewilligungsverfahren ersetzt, erklärt die Regierung.

Die Änderungen würden «rigoros» die nationalen Interessen berücksichtigen. «Australier und australische Jobs zuerst», sagte Premierminister Malcolm Turnbull in einer Rede, die stark an die patriotische Rhetorik von US-Präsident Donald Trump erinnerte. Schliesslich soll es Daueraufenthaltern deutlich schwerer gemacht werden, die australische Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Das bisherige Visum 457 hatte es der Industrie erlaubt, ausländische Kräfte anzustellen, wenn es an australischen Arbeitern fehlte. Dabei kam es immer wieder zu Missbräuchen, so die Gewerkschaften. Verschiedene Branchen hätten Ausländer zu schlechteren Bedingungen und niedrigeren Gehältern rekrutiert und angestellt als einheimische Beschäftigte. Zu den Zeiten des Rohstoffbooms bewährte sich das System aber. Als die Nachfrage nach australischem Eisenerz und Kohle besonders hoch war, konnte die Industrie den Bedarf nur mit Hilfe Tausender ausländischer Arbeiter decken.

Nun soll das bisherige vierjährige Visum durch ein zweistufiges System ersetzt werden: Einige Berufe würden weiterhin in den Genuss eines vierjährigen Visums kommen, andere Berufs­tätige dürften nur für zwei Jahre im Land bleiben. Zudem sollten Arbeitserfahrung und Sprachkenntnisse eine wesentlich grössere Rolle als bisher spielen. Australien wird weiterhin eine kontinuierlich aktualisierte Liste der gesuchten Berufe führen.

Vertreter der australischen Wirtschaft reagierten unterschiedlich auf die Massnahmen. Während die Industrie- und Handelskammer von einer Stärkung des Vertrauens ins Einwanderungssystem sprach, zeigten sich die Restaurant-, Hotel- und Fleischindustrien besorgt, nicht mehr genügend Arbeitskräfte finden zu können. Viele Australierinnen und Australier sind nicht gewillt, in diesen Wirtschaftszweigen vorkommende, oftmals harte und schlecht bezahlte Jobs zu übernehmen.

Tech-Sektor ist auf Ausländer angewiesen

Technologieunternehmen meinten, die Branche könnte international an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wenn sie nicht «die Besten und Gescheitesten anheuern» könne. Ende letzten Jahres gab es in Australien etwas über 95000 Halter eines 457-Visums. Ein Viertel der Inhaber waren Inder – viele von ihnen arbeiten im Tech-Sektor. Auch wer im Land bleiben will, wird in Zukunft schärfere Bedingungen erfüllen müssen. Statt wie bisher ein Jahr müssen Willige vier Jahre lang warten, bis sie den australischen Pass beantragen dürfen. Zuvor müssen sie einen Test bestehen, in dem laut Turnbull geprüft wird, ob sie «australische Werte» teilten. An einem Fragenkatalog werde noch gearbeitet.

Verschiedene Medien be­richteten von Vorschlägen wie «Wann darf ein Mann seine Frau verprügeln?» und «Was halten sie von weiblicher Genitalverstümmelung?». Kritiker meinten, der «Wertetest» sei ein Mittel, um vor allem Menschen muslimischen Glaubens auszuschliessen. Die australische Bürgerrechtsorganisation «GetUp» sprach sogar von «blankem Rassismus».

Premierminister Malcolm Turnbull musste sich am Donnerstag den Vorwurf gefallen lassen, mit der Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen dem wachsenden Druck des rechten Flügels seiner Regierungskoalition nachzugeben. Auch seien die Massnahmen ein Zugeständnis an die zunehmende Bedeutung der ultrarechten Partei One Nation. Die offen rassistische Gruppierung fordert einen Stopp der Zuwanderung von Muslimen und ein Verbot von Halal-Produkten.

Beobachter in Canberra meinen, die Zukunft von Malcolm Turnbull als Premierminister sei alles andere als gesichert, wenn er seine Politik nicht deutlich weiter nach rechts steuere.

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