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ZWEIRÄDER: Elektro-Boom findet in China bei den Rollern statt

Wie in Europa kommt auch in China der Absatz von elektrisch angetriebenen Autos nicht recht voran. Ganz anders sieht es hingegen beim motorisierten Zweiradverkehr aus.
Felix Lee, Peking
Auf Chinas Strassen fährt man immer häufiger mit Elektromotoren. (Bild: Stephen J. Boitano/Getty (Shenzhen, 19. Dezember 2016))

Auf Chinas Strassen fährt man immer häufiger mit Elektromotoren. (Bild: Stephen J. Boitano/Getty (Shenzhen, 19. Dezember 2016))

Felix Lee, Peking

Auf dem Schild steht in chinesischen Schriftzeichen zwar «Veloladen». Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn angeboten werden keine Räder, bei denen man kräftig in die Pedalen treten muss, sondern Roller oder Töffli. Wer nun wiederum an knatternde Zweitakter-Auspuffe denkt, liegt ebenfalls falsch. Verkauft werden hier nämlich Zweiräder mit Elektroantrieb.

In Europa zerbrechen sich Politiker und Experten den Kopf, wie sie den Anteil von Elektrofahrzeugen in den Städten er­höhen können. In China gehört Elektromobilität längst zum Alltag. Elektroautos sind damit aber nicht gemeint. Trotz ehrgeizig gesetzten Zielen der Regierung stockt deren Verkauf auch im Reich der Mitte. Scooter und Mopeds mit Elektroantrieb rollen aber schon seit Jahren durch die smoggeplagten Städte Chinas.

100 Kilometer pro Ladung

Allein im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Statistikbehörde über 20 Millionen Elektroscooter verkauft worden. Rund 200 Millionen E-Roller soll es in der Volksrepublik Schätzungen zufolge bereits geben. Für Eu­ropa geht der Branchenverband ACEM von einem Elektroanteil von gerade einmal 2 Prozent aus. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt. Scooter mit einer Leistung von bis zu vier Kilowatt sind nicht zulassungspflichtig.

Mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde schaffen die chinesischen Roller pro Ladung bis zu 100 Kilometer. Für den Weg zur Arbeit im Grossstadtverkehr sind sie meistens ausreichend. Aufgeladen werden die abnehmbaren Akkus meist zu Hause über Nacht an einer normalen Steckdose. Dass diese Flitzer in China so weit verbreitet sind, ist laut den Worten des ­taiwanischen Verkehrsexperten Yang Chi-Jen einem «Politikunfall» geschuldet. Keineswegs die gezielte Förderung von Elektrofahrzeugen habe den E-Rollern den entscheidenden Schub gegeben, sondern ein Verbot von Motorrädern. Das ging so:

Im Zuge des Wirtschaftsbooms in den Neunziger- und Nullerjahren konnten sich auch immer mehr Chinesen eigene motorisierte Fahrzeuge leisten. Doch noch bevor die in anderen asiatischen Metropolen wie etwa Bangkok, Taipeh oder Manila weit verbreiteten Mopeds auch auf chinesische Grossstädte überschwappen konnten, verhängte die chinesische Regierung ein Verbot sämtlicher benzinbetriebener Zweiräder. Ohne gute Beziehungen zu Beamten ist es für chinesische Grossstädter nahezu unmöglich, eine Regis­trierung für ein Motorrad zu erhalten. Ein Nummernschild für einen E-Roller hingegen ist für jeden sofort zu bekommen.

Tiefe Preise dank Prämien

Viele Händler bieten zudem staatlich geförderte Prämien oder Rabatte bei der Anschaffung eines Rollers an. Umgerechnet rund 230 Franken kostet im Schnitt ein Roller dann nur noch – selbst für viele chinesische Käufer ein Schnäppchen. Und ein Parkplatz findet sich in den völlig überfüllten Städten wie Peking oder Schanghai mit einem Roller auch sehr viel einfacher als mit einem Auto. Was der Regierung im Autoverkehr bislang nicht geglückt ist, gelang ihr beim motorisierten Zweiradverkehr: die nahezu komplette Umstellung auf Elektrogetriebe.

Und die Konkurrenz unter den Herstellern ist gross: Mehrere Dutzend Anbieter buhlen in China um die Marktführerschaft. Einige planen auch die Expansion ins Ausland. Zusammen mit der österreichischen KSR Group etwa plant der chinesische Anbieter Niu-Scooter den Aufbau eines flächendeckenden Händlernetzes in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Belgien. In diesen fünf Ländern wolle man pro Jahr rund 10 000 Roller verkaufen, heisst es.

So sehr Elektroroller für die smoggeplagten Grossstädte in China ein Segen sind – für Fussgänger sind sie ein Fluch. Denn oft kommen sie fast lautlos aus einer Ecke geschossen. In Peking übersteigt die Zahl der Unfälle mit E-Rollern deshalb mittlerweile die der mit Autos. Zusammenstösse mit E-Rollern fallen allerdings meist sehr viel glimpflicher aus.

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