2018 haben in der Zentralschweiz weniger Personen Sozialhilfe bezogen

Im Jahr 2018 wurden in der Zentralschweiz 15'358 Personen mit wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt. Das sind 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Am stärksten ist die Abnahme in den Kantonen Luzern, Obwalden, Uri.

David von Moos
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Im Kanton Luzern ist letztes Jahr zum ersten Mal seit 2011 die Sozialhilfequote gesunken. 2,4 Prozent der Wohnbevölkerung bezogen 2018 Sozialhilfe, 2017 waren es 2,5 Prozent gewesen.

Auf die Definition kommt es an

Die Sozialhilfequote bezeichnet den Anteil der ständigen Wohnbevölkerung, welche mindestens einmal im Kalenderjahr mit wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt wurden. Nicht berücksichtigt sind unterstützte Asylsuchende und Flüchtlinge, die in die Zuständigkeit des Bundes fallen.

Die (wirtschaftliche) Sozialhilfe (WSH) hat das Ziel, die Existenz bedürftiger Personen zu sichern, ihre wirtschaftliche und persönliche Selbständigkeit zu fördern und ihre soziale Integration zu gewährleisten. Als unterstes Netz des Systems der sozialen Sicherheit der Schweiz kommt die WSH erst dann zum Tragen, wenn alle anderen Einnahmequellen privater und öffentlicher Natur ausgeschöpft worden sind.

Wie Lustat Statistik Luzern am Donnerstag mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 9'775 Personen unterstützt. Das waren 4,9 Prozent oder 500 Empfängerinnen und Empfänger weniger als noch im Vorjahr.

Datenquelle: Bundesamt für Statistik (BFS)1) Sozialhilfequote: Anteil der Sozialhilfebezüger/innen an der ständigen Wohnbevölkerung des Vorjahrs2) Nach höchster abgeschlossener Ausbildung: Personen ab 25 Jahren in Privathaushalten

Datenquelle: Bundesamt für Statistik (BFS)
1) Sozialhilfequote: Anteil der Sozialhilfebezüger/innen an der ständigen Wohnbevölkerung des Vorjahrs
2) Nach höchster abgeschlossener Ausbildung: Personen ab 25 Jahren in Privathaushalten

Lustat Statistik Luzern

Der Kanton Luzern weist mit 2,4 Prozent von allen Zentralschweizer Kantonen die deutlich höchste Sozialhilfequote auf.

Innerkantonal am meisten Sozialhilfebezüger gibt es der Statistik zufolge in der Stadt Luzern und ihren Vororten Emmen und Kriens. Zentrums- und Agglomerationsgemeinden weisen oft eine überdurchschnittliche Sozialhilfequote aus, weil Personen mit einem erhöhten Sozialhilferisiko häufig in urbanen Räumen leben, heisst es in der Medienmitteilung erklärend. Die Sozialhilfequote in der Stadt Luzern lag 2018 mit 3,9 Prozent denn auch klar über dem kantonalen Durchschnitt. Höher lag die Sozialhilfequote in Emmen (4,1 Prozent) und Kriens (4,2 Prozent). Auch in diesen drei Gemeinden sei die Sozialhilfequote aber rückläufig gewesen, so Lustat.

Bevölkerungswachstum macht einen Strich durch die Rechnung

Der Rückgang der kantonalen Sozialhilfequote geht gemäss Lustat darauf zurück, dass die verhältnismässig hohe Zahl ausländischer Bezügerinnen und Bezüger abgenommen habe. Auch hätten weniger Erwerbslose und Nichterwerbspersonen Sozialhilfe bezogen.

Das heisst indes nicht, dass die Ausgaben für die Sozialhilfe zukünftig sinken müssen. «Der einmalige Rückgang der Sozialhilfequote bedeute noch keine Trendwende. Die tiefere Luzerner Sozialhilfequote ist unter anderem auf die bessere wirtschaftliche Entwicklung im vergangenen Jahr zurückzuführen», sagt Edith Lang, Leiterin Dienststelle Soziales und Gesellschaft des Kantons Luzern. Und sie betont:

«Entwarnung können wir keine geben.»

Die Kosten für die wirtschaftliche Sozialhilfe im Kanton Luzern sind gemäss Lustat seit 2011 stets gestiegen – um insgesamt fast 30 Millionen Franken: Vor acht Jahren schlug die Sozialhilfe noch mit 57,7 Millionen Franken zu Buche, 2018 schon ganze 84 Millionen Franken.

«Längerfristig betrachtet nehmen die Gesamtkosten zu», bestätigt Edith Lang. Das liege einerseits am Bevölkerungswachstum und andererseits an den steigenden Wohnkosten:

«Die Mieten sind ein Kostentreiber. Die Kosten für den Grundbedarf hingegen haben sich in den letzten Jahren kaum verändert.»

Kantone und Gemeinden seien sich des Integrationsauftrags bewusst, so Lang weiter. «Es werden verschiedene Massnahmen zur Armutsbekämpfung verfolgt.» Die Sozialdienste seien sehr darauf bedacht, unnötige Kosten zu vermeiden, etwa durch gezielte Massnahmen zur beruflichen und sozialen Integration.

Sozialhilfe trotz Vollzeitarbeit

2018 waren vermehrt Personen, die Erwerbstätig sind, auf Sozialhilfe angewiesen. Zugenommen hat gemäss Lustat vor allem die Zahl der Personen, die festangestellt sind oder Vollzeit arbeiten. Unter den unterstützten Erwerbstätigen ist der Anteil der Vollzeit Arbeitenden von 14,8 Prozent auf 16,6 Prozent gestiegen – eine Entwicklung, die auch Edit Lang von der Dienststelle Soziales und Gesellschaft des Kantons Luzern beschäftigt:

«Wenn man trotz Vollzeitjob nicht über die Runden kommt, dann ist das ein gesellschaftspolitisches Problem.»

Da müsse man genauer hinschauen. Es gehe dabei nicht zuletzt um Armutsprävention, betont Lang. «Investitionen in schulische Bildung und berufliche Förderung sind das wirksamste und nachhaltigste Instrument gegen die Armut. Und diese Prävention gegen Armut ist die wichtigste Massnahme gegen steigende Sozialhilfekosten.»

Der Bezug von Sozialhilfe ist gemäss Lang von vielen Faktoren abhängig und in ein System von Leistungen eingebettet: «Auch Regelungen in vorgelagerten Netzen wie Arbeitslosen- oder Invalidenversicherung beeinflussen die Zahl der Sozialhilfebeziehenden. Eine koordinierte Zusammenarbeit wirkt sich auch positiv auf die Kosten in der Sozialhilfe aus.»

Quote in Obwalden und Uri ebenfalls rückläufig

Im Kanton Obwalden wurden 2018 insgesamt 403 Personen mit wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt. Die Sozialhilfequote ist damit auf 1,1 Prozent gesunken (-6,5 %). In Uri waren es 440 Personen, die im Vorjahr Sozialhilfe bezogen. Die Quote ist mit 1,2 Prozent ebenfalls rückläufig (-0,1 %).

Die tiefste Sozialhilfequote aller Zentralschweizer Kantone wies 2018 Nidwalden auf. 388 Personen und damit 0,9 Prozent der Nidwaldner waren auf Sozialhilfe angewiesen.

Seit vier Jahren auf unverändertem Niveau liegt die Sozialhilfequote im Kanton Schwyz. 2018 wurden 2'260 Personen mit wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt, das sind 1,4 Prozent der Wohnbevölkerung. Auch im Kanton Zug blieb die Quote stabil. Sie betrug 1,7 Prozent und verblieb damit im siebten Jahr in Folge auf unverändertem Niveau. Es waren insgesamt 2'092 Zugerinnen und Zuger, die mit wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt wurden.

Damit liegen alle Zentralschweizer Kantone unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von 3,3 Prozent aus dem Jahr 2017.

Die gesamtschweizerisch bedeutendsten Zahlen

Indikator Wert Jahr
Sozialhilfequote (wirtschaftliche Sozialhilfe) 3.3% 2017
Anteil der Kurzzeitbeziehenden von wirtschaftlicher Sozialhilfe (bis ein Jahr, abgeschlossene Dossiers) 51.0% 2017
Dauer des Bezugs von wirtschaftlicher Sozialhilfe (Durchschnitt, laufende Dossiers) 41 Monate 2017
Nettoausgaben für Sozialhilfe im weiteren Sinn 8 285 Mio Fr. 2017
Nettoausgaben für wirtschaftliche Sozialhilfe 2 816 Mio Fr. 2017
Jährliche Nettosausgaben für wirtschaftliche Sozialhilfe pro Empfänger 10 116 Fr. 2017
Quote der Sozialhilfe im weiteren Sinn 9.5% 2017

Sozialhilfe in der Schweiz

Über 270'000 Menschen beziehen in der Schweiz Sozialhilfe. Die Sozialhilfe ist das letzte Auffangnetz, wenn jemand keine Arbeit mehr findet, alles Vermögen aufgebraucht ist und keine der Sozialversicherungen zuständig ist.

Für die Ausgestaltung der Sozialhilfe sind in der Schweiz die Kantone zuständig. Um die Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit über die Kantonsgrenzen hinweg zu fördern, hat die SKOS Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe – kurz SKOS-Richtlinien – geschaffen. Sie definieren, wie die Sozialhilfe im Einzelfall berechnet wird und mit welchen Massnahmen die berufliche und soziale Integration der Betroffenen unterstützt werden kann.

Sozialhilfe umfasst Massnahmen zur Verhinderung von Armut und fördert die soziale und wirtschaftliche Integration bedürftiger Personen. Die Statistik erlaubt die Berechnung der Sozialhilfequote, beschreibt die Merkmale der Sozialhilfebeziehenden sowie deren finanzielle Situation und die Sozialhilfebeträge.