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Schweiss, Tränen, Durchhaltewille: Zentralschweizer nehmen an Distanzmarsch in Holland teil

Das holländische Schiffersstädtchen Nijmegen ist in diesen Tagen ein internationaler Ort. Über 45’000 Menschen aus aller Welt nehmen am alljährlichen Viertagesmarsch über 160 Kilometer teil, darunter einige Zentralschweizer. Mit ihnen auf der Strecke ist auch der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker.
Peter Soland*
Die Teilnehmer legen während des Viertagesmarsches jeweils 40 Kilometer pro Tag zu Fuss zurück, der Weg ist bisweilen gesäumt von Zuschauern. (Bild: Peter Soland)

Die Teilnehmer legen während des Viertagesmarsches jeweils 40 Kilometer pro Tag zu Fuss zurück, der Weg ist bisweilen gesäumt von Zuschauern. (Bild: Peter Soland)

Insgesamt treffen sich in Holland über 40'000 Menschen aus 100 Nationen und 5700 Soldatinnen und Soldaten aus 29 Nationen, um den «De 4 Daagse»-Marsch zu absolvieren. Auch 220 Frauen und Männer der Schweizer Armee nehmen teil.

Sie ist schon zum zweiten Mal dabei, die 24-jährige Julia Roth aus Hergiswil in Nidwalden. Die angehende Sekundarlehrerin möchte auf die Teilnahme an diesem äusserst harten Sportanlass kaum mehr verzichten. «Die Kameradschaft unter den Teilnehmern aus aller Welt ist einfach gewaltig. Für mich ist der Marsch zur Leidenschaft geworden.»

Julia Roth aus Hergiswil (NW). (Bild: Peter Soland)

Julia Roth aus Hergiswil (NW). (Bild: Peter Soland)

Auch für sie ist der 160 Kilometermarsch kein Kinderspiel, es bedarf einer langfristigen Vorbereitung. Über das Jahr nimmt die Sportlerin, welche in der Armee den Grad des Oberleutnants bekleidet, mit ihrer Laufgruppe an zahlreichen Trainings teil. «Ohne diese Vorbereitung wäre der Marsch nicht zu schaffen.» Kommt dazu, dass eine Teilnahme im Kontingent der Schweizer Armee nur möglich ist, wenn man während eines Jahres Vorbereitungsmärsche von mindestens 300 Kilometern absolviert hat.

Trotz Training stellen die vier Marschetappen von je 40 Kilometern unter gleissender Sonne auch für Julia Roth jeweils eine besondere Herausforderung dar: «Es braucht viel Wille. Der Lohn ist der Einlauf in der Stadt vor einem Millionenpublikum. Das ist jeweils ein gewaltiges Ereignis, das man einfach erleben muss.»

Viertagesmarsch Nijmegen

Der Distanzmarsch fand im Jahr 1909 zum ersten Mal statt, organisiert vom niederländischen Bund für Leibeserziehung. Von den 306 männlichen Teilnehmern damals waren 10 Zivilisten. Ab 1928 nahmen auch ausländische Gruppen am Anlass teil. Seither hat sich der Marsch zu einem internationalen Grossanlass entwickelt, an dem mittlerweile mehr Zivilisten als Soldaten und Soldatinnen teilnehmen. red

Aus dem Vatikan direkt zum Marsch

Der Schweizer Gardist Mathias Gisler (rechts) aus Gunzwil und der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker. (Bild: Peter Soland)

Der Schweizer Gardist Mathias Gisler (rechts) aus Gunzwil und der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker. (Bild: Peter Soland)

Auch die Schweizer Garde ist im Kontingent der Schweizer Armee mit einer Zwölferdelegation vertreten. Mit dabei ist Mathias Gisler aus Gunzwil, der unlängst in Rom als Gardist vereinigt worden war. «Wir setzen unsere Ferientage ein, um hier in Nijmegen sein zu können». Sie seien von ihrem Gruppenführer in der Garde motiviert worden, an diesem Ereignis teilzunehmen. Die Vorbereitungsmärsche hatte Gardist Gisler mit seinen Kameraden im Raum Rom absolviert. «Damit konnten wir gleich auch die Stadt besser kennenlernen.»

Simon Schweizer aus Obernau. (Bild: Peter Soland)

Simon Schweizer aus Obernau. (Bild: Peter Soland)

Bereits zum vierten Mal auf dem Marsch ist Simon Schweizer aus Obernau. «Ich konnte immer wieder neue Kontakte mit Kameradinnen und Kameraden aus der Schweiz und aus aller Welt knüpfen». Für den 32-jährigen Mechaniker ist es zurzeit unvorstellbar, nicht mehr mit dem Armeekontingent zum Veirtagesmarsch zu Reisen. «Es ist immer wieder eine besondere Herausforderung. Doch ich liebe aktive Ferien, auf die man sich langfristig vorbereiten muss».

Hansruedi Weber aus Beromünster. (Bild: Peter Soland)

Hansruedi Weber aus Beromünster. (Bild: Peter Soland)

Die Schweizer Armee ist dieses Jahr bereits zum 60. Mal am «De 4 Daagse»-Marsch dabei, dessen Gründung ins Jahr 1909 zurückreicht. Beim ersten Armee-Engagement im Jahr 1963 machte Hansruedi Weber aus Beromünster mit – und er ist noch heute vor Ort. Zwar absolviert der mittlerweile 79-jährige Oberst mit seinen Senioren-Kameraden nicht mehr die ganze Strecke. «Aber dabei sein ist einfach Pflicht», betont Weber. Mittlerweile sprich er Holländisch und pflegt intensive Kontakte zur Nation an der Nordsee.

Tränen auf dem kanadischen Friedhof

Der Marsch durch Nijmegen bietet für die Schweizer Delegation jedoch nicht nur eine sportliche Herausforderung auf höchstem Niveau, sondern auch äusserst emotionale Momente. Es gehört zur Tradition, dass am dritten Tag auf dem Friedhof der kanadischen Soldaten, welche hier in Nijmegen im 2. Weltkrieg ihr Leben lassen mussten, eine Kranzniederlegung stattfindet. Dieser Akt des Respektes der Schweizer Delegation wird von zahllosen Menschen aus Holland begleitet.

Umrahmt wurde der Anlass dieses Jahr vom Spiel der Kantonspolizei Bern. Am Schluss der Zeremonie erhält jede Soldatin und jeder Soldat eine Rose, welche jede und jeder ganz alleine zu einem der 2300 Gräber trägt und ablegt. Sie prägen sich den Namen des Kameraden ein – viele von ihnen hatten kaum das 20. Altersjahr erreicht – und tragen ihn hinaus in die Welt. Ob Soldat oder Offizier, ob Frau oder Mann, alle schreiten mit Tränen in den Augen von Grab ihres unbekannten Kameraden zurück in die Reihen ihrer Sportskameraden.

Die Soldaten erhalten eine Rose, die sie später an einem Grab eines während des 2. Weltkrieg gefallenen kanadischen Soldaten niederlegen werden. (Bild: Peter Soland)

Die Soldaten erhalten eine Rose, die sie später an einem Grab eines während des 2. Weltkrieg gefallenen kanadischen Soldaten niederlegen werden. (Bild: Peter Soland)

Für Regierungsrat Paul Winiker war dieser Moment ein tiefgreifendes Erlebnis. «Er zeigt auf, dass wir immer wieder alles daran setzen müssen, den Frieden auf der Welt zu erhalten. Der internationale Marsch und das Volksfest in Nijmegen beweisen, dass dies möglich ist. Daran müssen wir unentwegt arbeiten».

* Peter Soland ist ein persönlicher Mitarbeiter des Luzerner Regierungsrats Paul Winiker.

Die Schweizer Delegation auf ihrem Weg durch Nijmegen. (Bild: Peter Soland)
Der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker (links) mit Mathias Gisler aus Gunzwil, der unlängst in Rom als Gardist vereidigt wurde. Auch die Schweizer Grade ist im Kontingent der Schweizer Armee mit einer Delegation vertreten. (Bild: Peter Soland)
Teilnehmer der Schweizer Delegation während Kranzniederlegung auf dem Friedhof der kanadischen Soldaten, die im zweiten Weltkrieg in Nijwegen ihr Leben liessen. (Bild: Peter Soland)
Oberst Hansruedi Weber aus Beromünster: Der 79-Jährige machte schon beim ersten Armee-Engagement im Jahr 1963 mit. (Bild: Peter Soland)
Die Schweizer Delegation auf ihrem Weg durch Nijmegen. (Bild: Peter Soland)
Bereits zum vierten Mal auf dem Marsch ist Simon Schweizer (32) aus Obernau. (Bild: Peter Soland)
Am Schluss der Kranzniederlegung erhält jede Soldatin und jeder Soldat eine Rose, welche jede und jeder ganz alleine zu einem der 2300 Gräber tragen und ablegen. (Bild: Peter Soland)
Die Schweizer Delegation mit dem Luzerner Regierungsrat Paul Winiker (ganz links) auf ihrem Weg durch Nijmegen. (Bild: Peter Soland)
Julia Roth (24) aus Hergiswil (NW). Die angehende Sekundarlehrerin ist schon zum zweiten Mal dabei. (Bild: Peter Soland)
Eine Pontonbrücke in Arnheim, wo im zweiten Weltkrieg WK eine erbitterte Schlacht um die Brücke zwischen Deutschen und Alliierten tobte. Die Brücke wurde zerstört, soll nun wieder aufgebaut werden. (Bild: Peter Soland)
Schweizer Marschteilnehmer während einer Verschnaufpause. (Bild: Peter Soland)
Eine Pontonbrücke in Arnheim, wo im zweiten Weltkrieg WK eine erbitterte Schlacht um die Brücke zwischen Deutschen und Alliierten tobte. Die Brücke wurde zerstört, soll nun wieder aufgebaut werden. (Bild: Peter Soland)
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Zentralschweizer am Viertagesmarsch in Nijmegen Holland

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