AARAU: 25-Jähriger gesteht, Lucie getötet zu haben

Geständnis im Tötungsdelikt Lucie: Der 25-jährige Schweizer hat am Dienstagnachmittag zugegeben, das 16-jährige Au-pair-Mädchen getötet zu haben.

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Szene an der Pressekonferenz der Kantonspolizei Aargau vom Montag zum Fall Lucie. (Bild EQ)

Szene an der Pressekonferenz der Kantonspolizei Aargau vom Montag zum Fall Lucie. (Bild EQ)

Der mutmassliche Täter hat am Dienstagnachmittag zugegeben, teilte die Kantonspolizei Aargau mit. Die Ermittler setzten sich am Dienstag intensiv mit dem mutmasslichen Täter auseinander, der sich am Vortag in Zürich gestellt hatte, wie Polizeisprecher Rudolf Woodtli auf Anfrage sagte. Am Nachmittag gestand der 25-jährige dann dem Untersuchungsrichter die Tat. Weitere Ermittlungen im näheren Umfeld des einschlägig vorbestraften Gewalttäters waren im Gang.

Aus der Untersuchungshaft entlassen wurde hingegen der 18-jährige Kollege des Täters. Der 25-jährige hatte ihn mit dem Handy des Opfers angerufen. Er konnte von der Polizei eruiert werden, weil er auf die Nummer des Opfers zurückrief und führte die Ermittler schliesslich zur Adresse des Täters. Laut Polizei steht der 18-Jährige mit der Tat in keinem direkten Zusammenhang. 

Noch viele Fragen ungeklärt
Viele Fragen blieben auch am Tag nach dem Leichenfund ungeklärt. Neben der Befragung des arbeitslosen Kochs erhofften sich die Ermittler weitere Erkenntnisse aus der Obduktion der Leiche. Keine Informationen gab es vorerst zum Inhalt des psychiatrischen Gutachtens, welches dem damals 20-Jährigen 2004 ausgestellt wurde, als er wegen versuchter vorsätzlicher Tötung vom Bezirksgericht Bremgarten verurteilt worden war.

Laut dem Chef der Abteilung Strafrecht im Kanton Aargau, Pascal Payllier, sollen an einer Medienkonferenz am Donnerstagmorgen sämtliche Fragen beantwortet werden. Payllier bestätigte aber zu einem Bericht des Nachrichtenmagazins «10 vor 10», dass 2004 auch eine allfällige Verwahrung abgeklärt worden sei. Das Gericht ordnete schliesslich die Einweisung in eine Arbeitserziehungsanstalt an, wie aus dem Urteil vom 4. Juni 2004 hervorgeht. Der spätere Peiniger von Lucie sass damals beinahe die volle vom Gesetz vorgesehende Strafe von vier Jahren ab. Er wurde eine Woche vor Ablauf mit einer Probezeit auf drei Jahre entlassen. Beim Absitzen der vollen Strafe hätte er laut Payllier als Abgänger einer Arbeitserziehungsanstalt ohne Auflagen und Bewährungshilfe entlassen werden müssen.

Aus der Gerichtsberichterstattung der «Aargauer Zeitung» von 2004 geht hervor, dass der heute 25-Jährige in einem von Streit vergifteten familiären Umfeld aufgewachsen und als Zehnjähriger Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden war. Vor Gericht sagte er aus, er habe von dem damaligen Opfer nicht Sex, sondern nur eine Umarmung und Mitleid gewollt. Als er das nicht bekommen habe, sei er zum Tier geworden.

Nationales Alarmsystem wieder zur Diskussion
Der Neuenburger FDP-Ständerat Didier Burkhalter vermutet, dass mit einem Entführungsalarm Lucie unter Umständen noch leben würde. Der Politiker kämpft seit 2007 dafür, dass bei Entführungen von Minderjährigen ein nationales Alarmsystem ausgelöst wird. Die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe der Polizeikommandanten, die ein solches System prüft, müssen der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz bis 2010 vorgelegt werden.

Ort und Datum der Beerdigung von Lucie waren vorerst nicht bekannt. Der Bischof von Freiburg, Waadt und Neuenburg, Bernard Genoud, kündigte aber im Westschweizer Radio RSR an, dass er die Trauerfeier gestalten werde. Er hatte Lucie schon getauft und die Eltern getraut.

ap