ALBERT AUF DER MAUR: Ein neuer Präsident – und neue Prioritäten

In der Gemeinde Ingenbohl stehen einige kostspielige Projekte an. Der neue Gemeindepräsident und seine Räte stehen vor grossen Herausforderungen.

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Seit vier Monaten hat er das Sagen in Ingenbohl-Brunnen: Gemeindepräsident Albert Auf der Maur. (Bild Daniela Bellandi/Neue SZ)

Seit vier Monaten hat er das Sagen in Ingenbohl-Brunnen: Gemeindepräsident Albert Auf der Maur. (Bild Daniela Bellandi/Neue SZ)

Wo sehen Sie als neuer Gemeindepräsident den grössten Handlungsbedarf in der Gemeinde Ingenbohl-Brunnen?
Albert Auf der Maur: Wir haben festgestellt, dass in unserer Gemeinde ein grosser Nachholbedarf an umfangreichen Investitionen herrscht. Zu den Prioritäten gehört das Altersheim, wo dringendst eine Demenzabteilung mit 15 Betten geschaffen werden muss. Bis anhin ist dafür mit Kosten von 400'000 Franken gerechnet worden. Diese Summe reicht jedoch nirgends hin. Insgesamt rechnen wir mit Kosten von rund 2,5 Millionen Franken.

Was steht sonst noch an?
Auf der Maur: Der Dorfplatz, der nächstes Jahr für gut 1,9 Millionen Franken realisiert wird. Darüber haben die Brunnerinnen und Brunner ja bereits abgestimmt. Weiter muss das Schulhaus Büöl, das nur gerade zehn Jahre alt ist, umfassend renoviert werden. Auch dort geht es ungefähr um 1 Million Franken, die das Projekt schlucken wird.

Gibt es noch andere kostspielige Projekte, die Sie vorantreiben wollen?
Auf der Maur: Ja, es stehen noch einige weitere offene Positionen an. Eine davon stellt der Kreisel bei der Gätzlistrasse dar. Die genauen Dimensionen dort sind noch unklar. Abklärungen laufen. Ich rechne damit, dass bis im kommenden Frühling Konkretes vorliegen wird und wir die Bevölkerung informieren können.

Was ist mit der Seeufergestaltung?
Auf der Maur: Dieses Projekt müssen wir verschieben. Es kann nicht alles auf einmal finanziert werden. Die anderen Geschäfte sind wichtiger und haben Vorrang.

Bei einem solchen Investitionsvolumen wird ja wohl eine Steuererhöhung kaum umgangen werden können?
Auf der Maur: Tja, diese Diskussion können wir uns leider nicht ersparen. Mit dem Budget 2009 und dem Finanzplan bis 2012 werden wir uns mit dieser Frage auseinandersetzen. Das ist kein angenehmes Thema, auch für mich nicht. Mein Ziel ist es, in sechs bis zwölf Jahren eine Stabilisierung zu erreichen und das Steuerpotenzial der Gemeinde auf eine breitere Basis zu setzen. So können neue interessante Steuerzahler angezogen und, damit verbunden, weitere Arbeitsplätze geschaffen werden.

Da spielt ja auch die Raumplanung eine grosse Rolle. Wie sieht es mit dem Holcim-Areal aus?
Auf der Maur: Das Fabrikareal, die Lagerhäuser und das ganze Herti-Quartier sind in der Raumplanung und der Entwicklung der Gemeinde wohl die grösste Herausforderung. Ich nenne diese 10 Hektaren Brunnen Nord. Es stellt sich die Frage, was soll dort sein? Wollen wir eine gemischte Nutzung anstreben? Diskussionen mit der Holcim, dem Kanton und anderen Interessengruppen sind im Gange.

Ist es nicht beschämend für einen Tourismusort wie Brunnen, dass mitten im Zentrum so viele Lokale und Häuser leer stehen, wie die ehemalige Bijouterie Jauch gleich neben der Schiffsstation, das Modehaus Achermann, der «Löwen», die «Bierhalle» oder das Hotel Bellevue?
Auf der Maur: Das ist eindeutig ein Problem, wofür es keine einfachen Lösungen geben wird. Wir haben keine gute Mischung an Geschäftslokalen mehr. Die Distanz zwischen den Läden ist teilweise zu gross. Die Vielfalt im Dorf fehlt. Dies kann nicht mit staatlichen Eingriffen korrigiert werden. Vielmehr liegt das in den Händen von privaten Initianten.

Was fasziniert Sie an Brunnen am meisten?
Auf der Maur: Neben der einmaligen Lage gefällt mir die Offenheit der Bevölkerung. Diese will eine vernünftige Entwicklung, und ich bin überzeugt, dass sie auch in schwierigeren Situationen hinter dem Gemeinderat stehen wird.

Wo sehen Sie die Gemeinde Ingenbohl-Brunnen in 20 Jahren?
Auf der Maur: Ich glaube an eine blühende Zukunft. Die Chancen stehen gut. Ich schätze sie erheblich grösser ein als die Risiken von Fehlplanungen und Fehlentwicklungen. Wenn wir es richtig anpacken, sind wir auch in 20 Jahren noch eine Gemeinde mit hoher Lebensqualität, ein Ort, wo die einen wohnen und die anderen Ferien machen.

Haben Sie sich gut in Ihr neues Amt eingelebt?
Auf der Maur: Ja, ich denke schon. Während der vergangenen vier Monate haben ich und die neuen Gemeinderäte uns intensiv in die Dossiers eingearbeitet und sind uns dabei natürlich schon einiges näher gekommen. Auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung klappt hervorragend. Diese besteht aus einem jungen, innovativen Team. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Interview Daniela Bellandi

Das ausführliche Interview lesen Sie am Dienstag in der Neuen Schwyzer Zeitung.