Wegen Corona: Stiftung greift Kulturschaffenden in der Innerschweiz unter die Arme

Die Albert Koechlin Stiftung mit Sitz in Luzern will die Folgen der Krise mit 700'000 Franken abfedern. Die IG Kultur begrüsst dies, betont aber, dass auch staatliche Massnahmen weiterhin nötig seien.

Stefan Dähler
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Die Albert Koechlin Stiftung bietet zur Unterstützung der Zentralschweizer Kulturlandschaft verschiedene Angebote und Projekte an.

Die Albert Koechlin Stiftung bietet zur Unterstützung der Zentralschweizer Kulturlandschaft verschiedene Angebote und Projekte an.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 25. April 2020)

Die Kultur ist eine jener Branchen, die von der Coronakrise besonders stark betroffen ist. Die Albert Koechlin Stiftung (AKS) mit Sitz in Luzern hat daher beschlossen, die Innerschweizer Kulturlandschaft bis März 2021 mit Beiträgen von insgesamt 700'000 Franken zu unterstützen.

Trotz der Hilfspakete von Bund, Kantonen sowie weiteren Akteuren stünden viele Kulturschaffende vor grossen Herausforderungen, schreibt die AKS in einer Mitteilung. «Es ist uns ein Anliegen, auch in dieser Situation die Kulturlandschaft der Innerschweiz zu unterstützen, künstlerische und kreative Weiterentwicklungen zu ermöglichen und den Zugang des Publikums zu kulturellen Inhalten zu fördern», sagt Anna Balbi, Projektleiterin bei der AKS.

Für Professionelle und kleine bis mittlere Betriebe

Die Hilfe richtet sich an professionell ausgerichtete Kulturschaffende sowie nicht gewinnorientierte, kleine und mittlere Kulturorganisationen aus den Kantonen Luzern, Obwalden, Nidwalden, Uri und Schwyz. Über die Höhe der Beiträge werde je nach Situation individuell entschieden. Vorgesehen sind folgende Beitragskategorien:

  • Bis 2. November lanciert die AKS eine Ausschreibung für Werk- und Recherchebeiträge für Kulturschaffende. Diese sollen die «Kontinuität des kulturellen Schaffens erlauben und in Zeiten geringerer Auftrittsmöglichkeiten eine temporäre Verschiebung des künstlerischen Schaffens in Richtung Werk und Recherche ermöglichen», schreibt die AKS. Über die Vergabe entscheidet eine Jury.
  • Institutionen und Veranstalter können Gesuche um Beiträge an «coronabedingte Investitionen» einreichen, beispielsweise für die Umsetzung von Schutzkonzepten während der Herbst- und Wintersaison. Zusätzlich würden «auch konkrete Projekte von Kulturschaffenden, die den Zugang des Publikums zu kulturellen Inhalten fördern, unterstützt».
  • Weil die Coronakrise für Institutionen und Veranstalter viele Veränderungen und Herausforderungen mit sich bringt, beteiligt sich die AKS auf Antrag finanziell an Beratungen durch Fachpersonen.
  • Weiter leistet die AKS Hilfe an Kulturschaffende in «akuten finanziellen Notlagen». Dafür habe sie die Mittel ihres bestehenden Fonds für soziale Nothilfe um 50'000 Franken erhöht.

Bei den Beratungen arbeitet die AKS mit der IG Kultur Luzern zusammen. Anfragen gehen an die IG, die dann bei Bedarf Kulturschaffende an Fachpersonen vermittelt. «Das ist ein sehr sinnvolles Angebot, denn die Verunsicherung bei den Kulturschaffenden ist teils sehr gross», sagt IG-Geschäftsführer Gianluca Pardini. Es stellten sich Fragen zu den Bereichen Finanzen, Versicherung und Vorsorge oder der Umsetzung von Schutzkonzepten. Weiter ein Thema seien das Arbeits- und Vertragsrecht, etwa der Umgang mit Entschädigungen bei Absagen.

Ergänzung staatlicher Hilfe, aber kein Ersatz

Generell sei derzeit «jede Hilfe wertvoll», sagt Pardini zum Engagement der AKS. «Die Beiträge können bei angespannten Situationen Linderung bringen und die staatliche Hilfe ergänzen, aber nicht ersetzen.» Solche werde weiterhin nötig sein. Die bisher beschlossene Ausfallentschädigung von Bund und Kantonen deckt maximal 80 Prozent der Ausfälle, die bis Ende Oktober entstanden sind. Doch die Coronakrise wird danach nicht beendet sein. Pardini:

«Es werden weiter zahlreiche Anlässe abgesagt. Kulturschaffende rechnen für das erste und zweite Quartal 2021 mit Einnahmeausfällen von rund 60 bis 70 Prozent im Vergleich zur Vorkrisenzeit.»

Dies zeige eine schweizweite Umfrage des Verbands Sonart, die zwar noch nicht publiziert worden ist, die IG Kultur habe aber erste Informationen bereits erhalten.

Weiter gebe es auch Kulturschaffende, die keine Entschädigung erhalten, so Pardini. Bis Anfang September seien rund 20 Prozent der total in den Zentralschweizer Kantonen eingereichten 480 Gesuche abgelehnt worden, wobei noch nicht alle Gesuche bearbeitet worden sind. «Die Betroffenen müssen dann sehr genau rechnen, es stellen sich Existenzfragen.»

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