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ALPENTOURISMUS: Die Zentralschweiz ist ein Hotspot für Bergbahn-Fans

Demnächst wird in Schwyz die steilste Standseilbahn der Welt eröffnet. Sie reiht sich ein in eine lange Tradition von Zentralschweizer Bergbahnkonstruktionen mit Pionier- oder Rekordcharakter.
Ismail Osman
Die neue Stoosbahn bei einer Testfahrt. (Bild: Nadia Schärli (Muotathal, 23. November 2017))

Die neue Stoosbahn bei einer Testfahrt. (Bild: Nadia Schärli (Muotathal, 23. November 2017))

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Der Countdown läuft. Heute in drei Wochen soll die neue Stoosbahn ihren Betrieb aufnehmen, um einheimische und Besucher vom Tal ins autofreie Bergdorf Stoos zu transportieren. Nach fünf Jahren Bauzeit steht das 52-Millionen-Projekt vor seinem Abschluss. Bis zur feierlichen Eröffnung am 17. Dezember wird im Muotatal aber weiterhin mit Hochdruck gearbeitet: «Zurzeit stehen letzte Bremsversuche der Antriebs- und Schienenbremsen auf dem Programm», sagt Ueli Sutter von der Betreiberfirma Garaventa AG. Danach folgen die abschliessenden Sicherheitschecks der gesamten elektrischen Steuerung als Vorbereitung für die behördlichen Abnahmen durch das Bundesamt für Verkehr. «Schliesslich wird ein ausgiebiger Probebetrieb durchgeführt, damit dann auch alles sitzt, wenn die Bahn dem öffentlichen Betrieb übergeben wird», erklärt Sutter.

Nüchtern betrachtet, löst die neue Stoosbahn lediglich die noch bestehende ab. Deren Konzession läuft aus und kann nicht verlängert werden. Die neue Bahn sorgt aber vor allem wegen zwei Dingen für Aufsehen: der extremen Wegführung und der Kabinenkonstruktion, die diese Wegführung ermöglicht.

Die neue Bahn ist steil, sehr steil sogar. Um genau zu sein, gibt es weltweit keine Standseilbahn, die noch stärker ansteigt. Im ersten Abschnitt beträgt die Steigung beeindruckende 110 Prozent, was 47,7 Grad entspricht. Aufrecht stehen ist da eigentlich nicht mehr möglich – in Skischuhen erst recht nicht. Möglich macht’s die Konstruktion der zylinderförmigen Kabinen. Die vier Kabinen können sich drehen und sich so laufend dem Gelände anpassen. Man sitzt und steht also so gut wie immer waagerecht in der Bahn.

Wurzeln in der Geburtsstunde des Schweizer Tourismus

Als steilste Standseilbahn der Welt fügt sich die Stoosbahn in eine Liste einzigartiger Bergkonstruktionen ein, die in der Zentralschweiz zu finden sind. Mehrere davon halten Rekorde (siehe Illustration).

Da ist etwa die Zahnradbahn Vitznau–Rigi Kulm. Die älteste Bergbahn Europas nahm im Mai 1871 den Betrieb auf. Die Bahnlinie besteht immer noch und transportiert derzeit mehr Touristen auf die Königin der Berg denn je. Dort die 1889 fertiggestellte Pilatusbahn– die noch immer steilste Zahnradbahn der Welt. Und da ist die rotierende Titlis-Seilbahn. Als sie 1992 in Betrieb genommen wurde, drehte sich noch der Fussboden, heute dreht sich die gesamte Kabine. Für Gesprächsstoff sorgte auch die 2012 eröffnete Cabrio-Bahn beim Stanserhorn. Zwar bestand zwischen 1908 und 1914 bereits eine Seilbahn aufs Wetterhorn bei Grindelwald, die eine «Dachterrasse» bot. Sie musste als Folge des Ersten Weltkrieges jedoch wieder eingestellt werden. Der Hammetschwandlift, der zum Bürgerstock hochführt, ist zwar keine Bergbahn. Der mit 152 Meter höchste Freiluftaufzug Europas ist aber dennoch eine weitere Rekordkonstruktion in der Zentralschweiz.

Wie kommt es, dass sich ausgerechnet die sonst eher konservative Zentralschweiz für solche extravaganten – und oftmals auch kostspieligen – «Fantastereien» am Berg begeistern kann? Für This Oberhänsli, Kurator Seilbahnen im Verkehrshaus, ist die Erklärung in der Geburtsstunde des Schweizer Tourismus zu suchen: «Der Engländer Thomas Cook brachte 1863 erstmals eine Pauschalreisegruppe in die Schweiz. Eine der Destinationen, die den Besuchern besonders imponierte, war die Rigi – insbesondere die Sicht auf die Alpen, die sich von dort aus bot», erklärt Oberhänsli. «Den Zentralschweizern wurde bewusst: Mit der Inszenierung ihrer Landschaft lässt sich Geld verdienen.» Die damals rasant fortschreitende Industrialisierung spielte all jenen zusätzlich in die Hände, die eine Investition in den Bergtourismus wagten. «Es kam innert Kürze zu einer regelrechten Mechanisierung der Alpen», erklärt Oberhänsli. «Hier kam der Schweizer Hang zu Präzision und Leichtbau – bekannt aus der Westschweizer Uhrenindustrie – zum Tragen.»

Rotierende Gondeln oder extrem steile Bahnen wie jene auf den Stoos (eine Gondel der neuen Bahn ist übrigens im Verkehrshaus zu besichtigen) tragen dieser «Inszenierung der Landschaft» Rechnung. Mit anderen Worten: Der Weg war schon immer das Ziel.

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